Nördlich von Tokyo in Saitama verläuft das Tokyo „G-Cans“ Projekt: eine Reihe von riesigen Untergrund-Gewölben, die im Falle einer Überflutung der lokalen Flüsse, das Wasser aufnehmen und in ihren gigantischen Hallen stauen sollen.
In den Kommentaren unter dem Artikel munkelt man schon:
Anonymous David Knight said…
I think these are fakes.
Ich wollte mehr wissen, und fragte bei der Redaktion nach, für die ich hier arbeite. Die wussten auch nicht wirklich weiter, wollten mich aber auf dem Laufenden halten, wenn etwas dazu reinkommen sollte. Beruhigt wand ich mich anderen Dingen zu.
Ich hab hier eine Japanerin als Sprachpartner, ich bring ihr Deutsch bei, und sie mir Japanisch. Sie ist Architektin von Beruf und dementsprechend an solchen Gebäude interessiert. Zufällig hatte sie nun vom Tag der offenen (Keller)Tür von diesem Gewölbe gehört, und sie lud mich ein mitzukommen.
Ich überlegte nicht lange.
In einem wirklich heftigen Regen machten wir uns auf nach Saitama.
Saitama liegt ungefähr eine Zugstunde von Tokyo entfernt, auch wenn es immer noch zum Gebiet „Greater Tokyo“ gezählt wird. Viele Pendler wohnen dort, weshalb die deutsche Wikipedia Saitama putzigerweise als „eine große Schlafstadt für die Metropole“ bezeichnet.
An diesem Tag gab es auch einen kostenlosen Shuttle-Bus, direkt zum Gewölbe. Der Andrang war dementsprechend groß.
Die Wartezeiten waren allerdings überraschen kurz. Es passten halt wirklich genug Leute auf einmal hinein. Nebenan war eine Karaoke-Bar, deren Tür offenstand. Eine Japanerin, die hörbare Probleme hatte den Ton zu halten, sorgte für die musikalische Untermalung.
Das Gebäude oben sieht ziemlich unscheinbar aus, interessanter wird es, wenn man die 100 Stufen in einem kahlen Beton-Gang hinuntergeht:
Der eingangs erwähnte Regen drang auch in die Tiefen vor und machte aus dem staubigen Boden einen einzigen großen Spiegel.
Über 100m tief in der Erde und über 60m hoch spannt sich die Decke über steinerne Riesensäulen.
Alle hatten ihre Kameras dabei, um auch nur einen pixeligen Bruchteil dieses gigantischen Apparats in ihrem kleinen Display mit nach Hause zu nehmen.
Nun ist das hier Japan, und so ganz ohne eine kleine Prise WTF?! geht es selbst hier unten nicht.
So gab es eine kleine Musik-Kombo, die Weihnachtslieder(!) spielte:
(coole Akustik im übrigen)
Und es lagen auch ein paar Manga-Zeichnungen rum, die mit kleinen Ninjas(!) die Geschichte von dem Gebäude erzählten.
Ohne die Architektin als meine Begleitung (auf dem Foto oben in der Mitte) wär ich allerdings recht aufgeschmissen gewesen, denn es gab absolut gar keine englischen Hinweise oder Übersetzungen. Ich hätte auch nicht gewusst, dass es eine kostenlose Shuttle-Bus Verbindung gibt. Also nochmal vielen Dank an dieser Stelle!
Ich musste, während ich da unten war, oft an den Klassiker „Metropolis“ von Fritz Lang denken (grundsätzlich seitdem ich in Tokyo bin fühle ich mich oft an die dort dargestellte Gigantomanie und durchstrukturierte Gesellschaft erinnert….). Wenn man die Fotos schwarz-weiß macht, fällt es noch eher auf, finde ich.
Eine(!) Frau hatte es sich nun zur Aufgabe gemacht, das ganze Wasser zu verteilen und den Boden zu säubern. Sie sauste nun mit ihrem Besen hin und her:
Mit purer Begeisterung:
Wie ein Mensch allein das Ganze Ding säubern will ist mir schleierhaft, wir sind doch so klein verglichen mit diesen riesigen Beton-Säulen.
Die Architektin wollte am liebsten ewig dort bleiben. Doch irgendwann war die Speicherkarte voll und die Motive varrierten nicht sonderlich. Wir gingen also wieder die 100 Stufen hoch.
Draußen hatte der Regen inzwischen aufgehört und es fand ein Matsuri statt. Die Veranstalter müssen wohl geglaubt haben, dass ein riesiges Gebäude alleine nicht genügend Unterhaltungspotential hat, und deswegen haben sie ein paar Tänzer angeheuert und Fressbuden aufgestellt. Und ähm… in die Jahre gekommene Maids:
Japan hat 120 Millionen Einwohner, der Großraum Tokyo satte 35 Millionen, und der innere Kreis der Stadt so um die 11 Millionen. Wie groß ist also die Wahrscheinlichkeit, dass ich innerhalb von 3 Monaten zweimal den Auftrag bekomme, die selbe Person abzulichten? Anscheinend sehr hoch:
Diesmal gab es auch wieder wirklich viele Gesichtsausdrücke, die ich aber so oder so ähnlich hier schon hatte. Von daher halte ich es mal kurz.
Beim letzten Mal kam ja hinterher die Email, ob ich denn nicht Fotos habe, wo er nicht so dick aussieht. Ich hatte also eigentlich erwartet, dass er nicht erfreut ist, mich nun wieder zu sehen Als er zur Tür reinkam, war ich dementsprechend angespannt. Er guckte zuerst den Autor an, der ihn dann auf japanisch begrüßte, und dann fixierte sein Blick mich, und er guckte mich lange Zeit verwundert an. Als wir dann am Tisch Platz nahmen, zeigte er mit dem Finger auf mich und meinte auf japanisch „Haben wir uns nicht schonmal gesehen….?“. Ich lächelte, sagte „Metropolis“ und er lächelte zurück. So schlecht fand er die Bilder wohl nicht
Allerdings hatte er gelernt. Er zog sich nämlich für das Foto die Jacke über, die ihn etwas schlanker wirken ließ. Nach zehn Minuten hatte ich auch sein Bild im Kasten, was den Autor sehr erstaunte:
Wow, you and Azuma, you’re so quick and professional!
Kunststück, ich hatte ihn ja schonmal fotografiert
Der Raum war komisch, und murckste mit den Farben irgendwie rum. Vorallem der komplett rote und dominante Hintergrund war sehr wuchtig.
Er überlegte wieder mal viel
und zog auch über Otsuka Eiji her, den ich ja auch schon fotografierte.
Grundsätzlich war er aber besser drauf, als beim letzten Mal. Das mag am Wetter gelegen haben, aber vielleicht auch an den fließenden Japanisch-Kenntnissen des Interviewers.
Das Ganze war diesmal für Otaku-USA, einer amerikanischen Anime und Manga Zeitschrift, die der Autor dann auch Hiroki Azuma mitbrachte. Er las dann skeptisch dadrin:
Ich find dieses Bild einfach nur witzig. Ein japanischer Professor, der sich wissenschaftlich mit Anime und Manga auseinandersetzt, liest eine Zeitschrift aus Amerika über japanische Pop-Kultur, die sich selbst sogar „Otaku“ nennt, als eigentlich selbst abwertet.
Das wär so, als würde in Japan einer den „Schnulzen-Sänger monthly“ lesen, über deutsche Schlagermusik. Irgendwie… komisch eben.
C.C. Lemon und die Simpsons – Die Japaner schaffen es, beides zu verbinden:
C.C. Lemon war das erste Getränk, welches ich bei einer dieser Vending Machines hier, an meinem zweiten Tag in Tokyo, gekauft habe, und es hat mich gleich begeistert. Wenn ich das jetzt trinke, schmeckt es immer ein bisschen nach Sommer und diesem „Alles Neu“ Gefühl… hachja, ich zieh mir gleich nochma ne Flasche….
Ziemlich viel Kunst in letzter Zeit, womit ich gerne auch jedes Mal erneut meine eigene These widerlege, dass Tokyo nicht so viel Kreativität und Künstler zu bieten hat, wie Berlin. Für alle, die von meine Kunst-Beiträgen schon etwas genervt sind, hier ein japanischer Werbespot zur Erheiterung:
Die Story erklärt sich eigentlich von selbst, eine Klasse bekommt immer einen neuen Austauschlehrer, der gewissen Stereotypen entspricht. Großartig ist der Shogun… „Insolence!!“
Bereits erwähnte Künstlerin, mit der ich durch die Roppongi Hills spazierte lud nun zu einem Künstler-Event, bei der drei Künstler zu Gast waren, und ihre Werke vorstellten. Das Ganze fand in in einer gewissen Wohnzimmer-Atmosphäre, im fünften Stock eines normalen Wohnkomplex statt. Man war sich dementsprechend nah, vom Platz her und der allgemeinen sozialen Stellung (d.h. der Künstler war nicht der von der Galerie gehypte Über-Gott, den man nur übers Management ansprechen kann). So etwas kannte ich schon aus Berlin, nur ist sowas in Tokyo dann schon etwas gehobener, der Hotdog kostet 600yen und man hat Aussicht über die Lichter der Stadt. In Berlin ist sowas dann oft etwas abgeranzter, was es allerdings auch irgendwo sympathisch macht.
Die drei Künstler, aus den USA, Taiwan und Deutschland, lebten in einer Art unterstützten Künstler-Kommune zusammen und werden vom Projekt bei ihrer Arbeit unterstützt. Dabei ist eine alte Grundschule das Zentrum für Studio und Ausstellungsfläche. Ich find das Konzept ziemlich cool und will mich da fürs nächste Jahr auch bewerben =)
An dieser Stelle möchte ich mal die Künstler und ihre Werke vorstellen:
Die aus Ostdeutschland stammende Künstlerin stelle zwei Projekte vor. Das obere hier ist ein Interview mit ihrer Großmutter. Die beiden saßen sich Knie an Knie gegenüber und sollten Sätze austauschen, die ihre Vergangenheit gemeinsam verbindet und die sie oft gehört haben. Simpelstes Beispiel: Omi sagt „Pass ja auf dein Geld auf, Kind“. Ein Skript gibt es nicht.
Diese Interview-Technik setzt sie jetzt auch in Japan um. Wie bereits erwähnt ist diese Künstler-Kommune eine ehemalige Schule. Die ehemaligen Klassenfotos hängen dort auch noch aus. Doreen Uhlig hat sich nun eins dieser, teilweise mehr als 40 Jahren alten Klassenfotos, rausgesucht, und versucht die Leute heute ausfindig zu machen. Diese sollten dann mit einem Verwandten, jünger oder älter, dieselben Interviews führen, wie sie mit ihrer Großmutter.
Mit ihren Werken konnte ich zwar von allen dreien am Wenigsten etwas anfangen, da es mir dann doch zu abstrakt war, aber diesen investigativen Tatendrang, die Schicksale von Menschen auf einem alten Foto herauszufinden, die Menschen aufzusuchen um zu sehen, was aus ihnen geworden ist, finde ich sehr faszinierend.
Daniel Seiple
Daniel Seiple hatte mich an diesem Abend am meisten beeindruckt. Die Kreativität hinter seinen Werken und die Darstellung von dem, was mit Kunst alles möglich sein kann, hat mich ziemlich inspiriert. Ich möchte mal ein paar Sachen vorstellen:
Diese Ausstellung fand im World Trade Center statt, im März 2001. Dieser Kunst-Event gestaltete sich wie folgt: Die Besucher wurden in den Ausstellungsraum im 91. Stock gebeten, und sollten sich zu einer bestimmten Zeit vor ein Fenster stellen. Draußen kam Daniel Seiple mit einem Helikopter vorbeigeflogen und fotografierte vom Heli aus, die Zuschauer hinter der Fensterscheibe.
Berlin sollte an diesen Abend nicht das letzte Mal erwähnt werden. Grundsätzlich bin ich erstaunt, dass fast alle Künstler, die ich hier treffe, von Berlin als Kunst-Stadt schwärmen, weil sie schon dort waren, oder unbedingt wieder hin wollen.
Als Berliner ist mir die hohe Kreativitäts- und Kunstdichte dort schon aufgefallen und ich habe sie auch sehr genossen. Aber es ist interessant zu sehen, wie Berlin international wahrgenommen wird.
Das Projekt oben, „Organisierte Ausflugsfahrten“, ist gewissermaßen eine Parodie, bei der ich schonwieder lachen muss, wenn ich mir das vorstelle.
Wie auf dem Bild oben zu erkennen ist, wird ein kleiner Hof befahren:
Organisierte Ausflugsfahrten is a German expression which announces an „organized excursion and drive.“ At Autocenter, I arranged professional bus tours of the gallery’s courtyard. Tours departed every 15 minutes on the hour. The gallery was transformed into a waiting room where visitors could to relax and drink coffee in anticipation of the next tour. Tours ran 4-6 minutes and were complemented with easy-listening music. Passengers were assured by the professional driver, and welcomed with a pre-recorded bilingual greeting: „Hello! Welcome to the Bus Tour. Sit back. Relax. We hope you enjoy the ride!“ The route provided a 360º tour of the courtyard and consisted of a 16-point turn. In two days, visitors enjoyed the tour from both inside and outside the bus.
Die organisierte Fahrt beschränkt sich dabei nur auf ziemlich unelegante Wendungen des Reisebusses auf dem Hof der Galerie. Großartig!
Mit ein paar Kollegen hat er dann in Berlin den „Skulpturenpark Berlin_Zentrum“ aufgemacht, der einen Raum für Ausstellungen und Kunsprojekte gibt.
Ein Projekt, was irgendwie auch im Rahmen davon passierte, wenngleich auch auf einem anderen Gelände, und zwar in der Nähe vom Spittelmarkt, auf einem brachliegenden Gelände, ist der Wasserfall aus Weltkriegstrümmern.
Daniel Seiple war von dem Schutt auf diesem leeren Gelände, das allerdings doch Eigentümer hatte, fasziniert, und wollte etwas daraus machen. Für einen Wasserfall wollte er zuerst einen Brunnen graben, doch irgendwann stieß er auf Beton und es ging nicht weiter. Glücklicherweise fand er fix einen schon existierenden Brunnen, der 10m von den Trümmern wegstand.
Den Wasserfall gibt es heute noch, ich lade jeden Berliner ein, es sich bei Zeiten mal anzuschauen. Der Künstler empfehlt dazu noch, ein paar Bier mitzunehmen, es wäre ein prima Ort zum abschalten.
Eine Galerie aus San Francisco hatte Daniel Seiple eingeladen, aber gerade genug Geld zur Verfügung gestellt, das es für einen Flug von Berlin nach New York reicht.
In New York machte er dann eine Transportfirma auf, bot Transport von New York nach San Francisco an plus einen Monat kostenfreie Lagerung.
So fand er neun Kunden, die alle gutes Geld zahlten, und transportierte dann zusammen mit seiner Frau (die zum damaligen Zeitpunkt gerade einmal zwei Wochen den Führerschein hatte) die gesamte Ladung per Auto von New York nach Kalifornien, quer durch die USA.
Falls ihr euch über den einen Monat Lagerzeit wundert, nun:
Der Inhalt vom Truck, war sein Beitrag zur Ausstellung der Galerie. Die einmonatige Lagerungsfrist war auch die Länge der Ausstellung. Danach lieferte er dann alle Pakete ab und bekam sein Geld. Ich find das genial. Denn nicht nur der Truck-Inhalt war Teil der Ausstellung, der Aufwand und die Fahrt, quer über den Kontinent, gehören dazu.
In Kanada gibt es eine Stadt, die Kitchener-Waterloo heisst. Früher war Kitchener eine eigenständige Stadt, die als deutsche Siedlung begann, und Berlin genannt wurde. Die Grenze zwischen beiden Städten ist über die Jahren verschwunden.
Daniel Seiple hat nun diese Grenze herausgefunden und Anwohner gebeten, doch symbolisch ihren Zaun, also die Grenze bzw. den Schutzzaun um Berlin abzureissen. Einige machten mit. Geniale Idee.
Wu Shang Lin kam am Tag des Events gerade erst in Tokyo an, sein Flieger landete am Nachmittag und am Abend sprach er schon über seine Projekte. Er war noch etwas im Umbruch, mit ihm habe ich mich aber am längsten unterhalten.
Er hatte zwei interessante Projekte: Bei dem einen übergoss er sich mit Farbe.
Das war zu der Zeit, als er in Paris wohnte. Er war überrascht, wieviel Materialien die französischen Kunst-Studenten zur Verfügung standen, verglichen mit seinen Erfahrung in Taiwan. Bei soviel Farben wollte er unbedingt was malen, aber ihm fiel nicht so recht ein, was er denn bemalen könnte. Also dachte er, er nimmt sich selbst als Leinwand, was ich wunderbar ehrlich und kreativ-frech finde.
Für das Andere, welches er nun auch in Japan fortsetzt, führt er eine Reihe von Interviews. Zuvor hatte er soetwas in Berlin gemacht. Ich bat ihn dann mal kurz, diesen Film anzuspielen, auch wenn es nur wenige Deutsche im Raum gab, die den untertitelfreien Film dann auch verstanden haben, was die anderen etwas nervte
Auf meine Frage, wie er denn die Interviewpartner aussucht, meinte er, dass es da keine speziellen Regeln gibt, einfach Leute die er interessant findet. Und ich finde, das zeigt auch, dass im Prinzip jeder Mensch etwas interessantes zu erzählen hat, ohne ein großes Casting oder Auswahlkriterien.
Auch wenn das hier alles ausländische Künstler waren, so machen sie doch Tokyo ein bisschen bunter. Denn manchmal erscheint es, als hätte der graue Beton dieser Stadt, die bunte Vielfalt begraben und verschluckt.
Berlin ist in der Hinsicht eine bunte offene Wiese*, aus deren Untergrund viele bunte Blumen sprießen. In Tokyo meint man manchmal, jemand hat Beton über die Wiese gegossen.
Umso besser, dass nun Graffiti-Sprayer aus fremden Ländern kommen, um etwas Farbe auf den Beton zu bringen.
*Berlin ist die grünste Stadt Europas, mit sehr viel freien Grünflächen, eine durchaus passende Metapher zur offen Kunsthaltung, wie ich finde.
Nur ein Kunstbart, meinen alten habe ich aus beruflichen Gründen abrasiert. Darauf der Kommentar der Fotografin, für die ich hier manchmal arbeite, war: „Wow Fritz, look at you. You look like a real person now. I’m gonna look at you more often now“.
Nachdem ich den Dalai Lama getroffen habe, und in einem „Pasta and Cake“ Restaurant was aß, bin ich noch ein wenig in Yurakucho herumspaziert. Yurakucho liegt im Osten von Tokyo, eine Station von der Tokyo-Station entfernt. (Mir sagte mal jemand: „Die Stadt Tokyo existiert nicht. Es gibt nur eine Bahnstation mit dem Namen„. Recht hat er, Tokyo ist viel zu groß um es als „Stadt“ zu bezeichnen, und keiner weiß wirklich wo die Grenzen dieser Metropole liegen. Der Einfachheit halber wird hier alles als „Ost-Japan“ verwaltet, bzw. Zentral-Honshu. Die Region um Tokyo wird Kanto genannt, was oft mit „Großraum Tokyo“ übersetzt wird.)
Wie es der Zufall wollte, fand in Yurakucho an diesem Tag die „Young Artist of Japan vol. 2″ Ausstellung statt. Und zwar auch nur an diesem Wochenende, an diesen zwei Tagen.
Wie bei der Design Festa waren auch hier die Künstler direkt neben ihren Werken vertreten, mit dem Unterschied, dass es hier professionelle Künstler waren und die Betonung nicht so sehr auf dem Verkauf lag (was bei Preisen, die nie unter 10.000Yen pro Bild liegen, auch kein Wunder ist….).
So traf ich auch Takao Sakai, der obiges Bild von mir machte, und dabei stets Kunst-Bart und Kunst-Mütze trug.
Neben mir hat er noch Bilder von hunderten anderen Leuten gemacht, alle mit dem gleichen Bart. Irgendwie faszinierend.
Ich war mal wieder sehr angetan, so viele junge Künstler zu treffen. Die waren auch besonders aus dem Häuschen, dass Fremde aus dem fernen Deutschland nach Japan kommen um ihre Kunst zu sehen. Einige hatten sogar schon in Berlin ausgestellt, oder im Goethe-Institut Tokyo.
Mit dem wenig Japanisch was ich kann, konnte ich ab und an meine Begeisterung ausdrücken, was einige dazu brachte, mir ihre gesamte Lebensgeschichte zu erzählen (auf Japanisch wohlgemerkt) oder auch vor Rührung in Tränen auszubrechen(!). Gesamt war das wieder mal sehr inspirierend, es waren auch viele Fotografen dabei. Ich versuch mal, dass ich noch ein paar Künstler zusammenkriege:
Das ist so genial wie es simpel ist und es schafft, die beiden Säulen der Japanischen Gesellschaft zusammenfasst: Salarymen und Schulmädchen. Dargestellt ist ein Chikan, ein U-Bahn Grapscher.
Ich hatte sie auch auf der Design Festa gesehen, damals konnte ich aber nicht mit ihr sprechen. Naja, können tu ich das bis heut nicht, aber ihr wisst was ich meine.
Das Bild „Orange Girl“ hat irgendwie was, finde ich. Die Künstlerin ist mir aufgefallen, weil sie dem Publikum ihren Rücken präsentierte, und lieber an der Wand, an der ihr Bild hing, etwas malte. Und zwar direkt auf die Wand. Ich schaute ihr zwei Minuten lang über den Rücken, bis sie mich bemerkte.
Grundsätzlich ließen sich viele Elemente und Strömungen aus Anime und Manga in vielen Bildern finden. Teilweise trieften die auch nur vor kräftigen Farben und Pop-Art. Ich bin dann immer geneigt das der Superflat Kunstrichtung zuzordnen, bin da aber auch kein Experte. Fakt ist aber: Nur in Japan ist man mit großen Augen, bunten Farben und Kitsch als Künstler anerkannt und kann davon leben. In Europa hingegen wird ja oft Düsternis und Tristesse in Bildern bevorzugt, oder ein postmoderner Farbenbrei. Ich kann nicht sagen, was besser ist oder schlechter. Ich kann nur sagen, wo die Augen größer sind.
Mit einigen Künstlern, die ich dort getroffen habe, tausche ich regelmäßig ein paar Emails aus, so auch mit ihm. Seine Bilder gehen durch kein Photoshop, es ist viel mehr eine japanische Drucktechnik und besonderes Papier, die seine Fotos wie Malereien aussehen lassen. Im Frühling macht er einen Workshop zu dieser Technik und ich bin herzlich eingeladen
Er hier bemalt Tonnen und trägt sie durch halb Tokyo und sogar bis nach Berlin. Wir haben uns, mit etwas Übersetzungshilfe, über Gallerien in Berlin unterhalten. Allein weil er Tonnen bemalt und davon leben kann, ist er eine Verlinkung wert.
...sind die anschaulichen Abenteuer eines jungen Fotografen und Journalisten in Tokyo, Japan. Das Geld ist knapp, die Jobs sind rar, doch die Abenteuer und Motive sind ungezählt.
Die Bilder hier und ein paar Andere von mir können nun auf RedBubble als Plakate, Postkarten oder Leinwanddrucke bestellt werden! Damit werden arme, hungernde Künstler unterstützt.