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Ich war mal eben in Peking

Posted in Reis und Reisen by fritz on 13. September 2014

Das Jahr in Japan ist vorbei und ich bin inzwischen wieder in Berlin. Auf dem Rückweg war ich noch 46 Stunden in Peking, um ein Interview zu filmen. Von Peking dann weiter nach Moskau und dann am Sonntag Ankunft in Berlin. Lange Reise.

Es gibt als Tourist keinen Grund, nach Peking zu gehen. Tiananmen und Verbotene Stadt – dann hat man eigentlich alles schon gesehen. Es ist aber interessant China zu besuchen, ein Land was in den Medien nur zweiseitig dargestellt wird.

Zunächst hat man mich übrigens nicht ins Land gelassen. Am Flughafen in Tokyo wurde mein Visum nicht akzeptiert, also musste ich einen neuen Flug buchen. 72 Stunden sollten es werden, 46 waren es am Ende. Bei der Sicherheitskontrolle in Peking wurde ich wortlos durchgewunken. Es waren nur die Japaner, die einen Aufstand wegen dem Visum machten. “Warten Sie bitte hier, ich muss mal kurz Peking anrufen.”

Jetzt bin ich wieder in Berlin. Über 5.000 Fotos müssen noch bearbeitet und durchgesehen werden, dazu mehr als 20 Stunden Video-Material. In den letzten Monaten in Japan habe ich noch drei weitere Filme gedreht, die ich jetzt alle schneiden werde. Neben Uni und Job und so. Die letzten Wochen waren anstrengend, alles rechtzeitig in den Kasten zu bekommen. Der Regen sorgte dafür, dass ich länger in Japan bleiben musste, als geplant. Aber jetzt bin ich wieder da. Und die Arbeit geht weiter.

Bizarr

Akiyoshidō ist die längste Höhle in Japan und ganzjährig 17°C warm. Und oben ist ein Karst-Plateau.

Hinter den Bergen

Posted in Gedanken, Reis und Reisen by fritz on 5. Oktober 2013

Das ist: Die Aussicht von dem Studentenwohnheim der Hiroshima City University. Das Wohnheim ist, wie die Uni, mitten in der Bergen. Der nächste Laden ist 30 Minuten entfernt. Der Bus kommt zu Schulzeiten alle 20 Minuten, am Wochenende einmal die Stunde. Wenn überhaupt.

Das Leben ist definitiv ein anderes, als in Tokyo.

Im Wohnheim gibt es nicht: Internet. Saubere Klos. Teure Mieten. Küchenutensilien. Bettzeug. Mülleimer im Zimmer.
Um 22 Uhr wird vorne zu gemacht. Also länger mal in der Stadt unterwegs sein, ist nicht drin. Es sei denn man klettert durch sein Fenster wieder rein – so wie ich vorgestern abend. Nachdem ich 40 Minuten lang den Berg hochlief, weil der Bus nicht mehr fuhr.

Und trotzdem… bin ich tatsächlich sehr zufrieden gerade. Mit allem. Ich fühl mich auf jeden Fall freier. Der Nachteil, nicht alle 50 Meter einen Conbini zu haben, der einen zum Konsum lockt, befreit einen auch so ein bisschen davon, ständig zu konsumieren. Ich bin jetzt in den Bergen und hier gibt es rundherum nichts. Das einzige, was man machen kann, ist studieren.

Deswegen haben sie vermutlich die Universität auf den Berg gesetzt.

Was sich bei dem Visums-Prozedere schon andeutete, setzt sich nun fort. Die Uni ist noch nicht ganz auf die 20 Austauschstudenten eingestellt. Ich habe immer noch kein Studienfach, in der nächsten Woche soll es dazu dann Näheres geben. Fotografie gibt es nicht, aber das wusste ich schon vorher. Ich tendiere zu “Skulptur”. Mal was völlig anderes. Und es ist auch sehr physisch, da muss man nicht so viel Japanisch brabbeln.

Mein Japanisch ist so gut, wie es noch nie war. Ich kann mich mittlerweile ganz gut erklären und Konversationen halten. Es ist zwar nie ganz alles korrekt, und manchmal fehlt mir das richtige Wort oder Satzbau. Aber dafür, dass ich Japanisch eher auf den Straßen von Tokyo gelernt habe, statt in einem formalen Unterricht, schlage ich mich ganz wacker.

Für uns gibt es auch Japanisch-Kurse, einige habe ich bisher schon besucht. Es gibt nur Japanisch I, II und IV. In I und II üben wir, konnichiwa zu sagen, und bis zehn zu zählen. In Japanisch IV legte uns die Lehrerin einen Text mit knapp 300 verschiedenen Schriftzeichen hin und meinte “Vorlesen!”. Dass ich knapp die Hälfte der Zeichen konnte, half nicht viel.
Die koreanischen und chinesischen Austauschstudenten, im klaren Heimvorteil, konnten die Zeichen einfach vorlesen. Wir Europäer waren sprachlos.

Scheinbar gibt es nur die zwei Art Kurse. Sackschwer oder zu einfach. Es scheint keinen mittleren Kurs zu geben, für Leute wie mich.
Na schauen wir mal. Das meiste lern ich sicher durch Gespräche und den Alltag. Ich versuche jeden Abend all die Vokabeln, die ich tagsüber nicht wusste, aufzuschreiben und zu lernen. Den Tipp hab ich von einer koreanischen Kommilitonin aus Hannover. Das funktioniert auch offline ganz gut, dank Wörterbuch. Und manchmal kann ich auch das ungeschützte WLAN von dem Bewohner über mir klauen, um was nachzuschlagen.

So ganz angekommen bin ich noch nicht. Das Wohnheim erzeugt nämlich nicht wirklich ein Gefühl von Zuhause. Aber: kein Zuhause = keine Verpflichtung. Ich lass mich treiben. Mal hier in dem einen Uni-Gebäude, und schon kommt ein Gesprächspartner vorbei. Mal im anderen Gebäude, und plötzlich erscheint ein Gesicht aus Hannover. Im Haus der Studentclubs spielt manchmal ein Orchester. Überall Leben, Kreativität. Das alles bei über 20° und Blick ins Tal.

Irgendwann wird mich das sicher alles langweilen. Deswegen arbeite ich schon an der nächsten Geschichte. Ein Film soll es werden.

Ich will noch viele weitere Geschichten machen, weitere Filme. Und obwohl ich gerade entspannt bin: die Zeit wird knapp. In nur fünf Monaten bin ich wieder aus Hiroshima raus. Dann noch ein Monat Tokyo hintendran und dann geht es wieder weiter. Entweder Deutschland oder USA.

Bis dahin: Berge.

Rasch Aua

Posted in Gedanken, Reis und Reisen by fritz on 24. September 2013

Ich bin müde und alles tut weh. Ich bin in Japan gelandet.

Eigentlich wollte ich ja schon im August hier sein. Die Uni in Hiroshima verzögerte aber die Sache mit dem Visum, sodass ich dann doch länger in Berlin bleiben musste. Kurzfristig kamen dann noch zwei Jobs rein und es sah so aus, als käme ich gar nicht mehr weg.
Letzte Woche Dienstag kam dann das Dokument fürs Visum. Endlich. Ich bin dann sofort zur Japanischen Botschaft, Studentenvisum beantragen. “Alles klar, kommen Sie dann einfach Montag vorbei” hieß es. Etwas entrüstet machte ich der netten Dame am Schalter klar, dass ich nun schon seit Monaten warte. Aber das brauchte ich ihr eigentlich nicht zu erklären. Sie wusste es bereits. In den Wochen zuvor war ich bereits zwei mal in der Botschaft und versuchte eine Möglichkeit zu finden, irgendwie anders an mein Visum zu kommen. Einen Flug hatte ich in der ganzen Zeit zuvor noch nicht gebucht. Wer weiss denn, wann es nun wirklich losgehen würde.
Die Dame verstand also und meinte “Okay, kommen Sie morgen um Punkt 16 Uhr vorbei. Zu 99% hab ich dann ihr Visum!”. Geht doch. Man muss nur quengeln.

Am nächsten Tag, pünktlich um 15.52 Uhr betrat ich die Botschaft. Eine andere Dame war nun am Schalter. Schon vom anderen Ende der Botschaft lächelte sie mich über den Raum hinweg an. “Herr Schumann! Ich hab ihr Visum”. Die gut aussehende Dame erkannte mich von meinem Passbild wieder. Das war allerdings alles andere als gut aussehend.
Sie überreichte mir die Dokumente und wünschte mir eine schöne Zeit. Ein Jahr Studentenvisum mit Arbeitsberechtigung in Japan. Schöne Zeit.

Noch in der Botschaft buchte ich mit dem Handy den Flug für den folgenden Tag. Ich hatte zwar noch nicht gepackt, wollte aber so schnell wie möglich nach Japan. Die Temperaturen waren in Berlin gerade unter 10°C gefallen. Zeit abzuhauen.

Je Profi, desto schwerer

In den Wochen zuvor bin ich durch Jobs und andere fällige Zahlungen zu Geld gekommen. Das meiste habe ich gleich in Ausrüstung investiert. Mikrofone, Objektive, Licht. Die 14 Kilo Technik musste ich nun in eine Tasche zwängen und nach Asien wuchten. Zusätzlich zu 13 Kilo an Klamotten, die für acht Monate reichen müssen. Ich hab mir zwar extra Taschen gekauft, die durch ein cleveres Leitsystem das Gewicht angenehm verteilen. Aber das Gewicht verschwindet ja nicht. So schmerzt statt nur dem Rücken, der die ganze Last trägt, alles – denn das Gewicht wird über den gesamten Körper verteilt.
Der Flieger ging wieder über Moskau mit Aeroflot. Nach wie vor die günstigste und schnellste Verbindung von Berlin. Deswegen nahm ich sie nun auch schon zum sechsten Mal.

Am Freitag landete ich in 28°C. Vom Flughafen Narita dann direkt mit dem Bus nach Yokohama, wo ich erst einmal bei einem Freund unterkommen konnte. Inzwischen wohne ich wieder in meiner alten WG in Nakano. Eine Woche Tokyo, dann geht es schon wieder weiter nach Hiroshima, bis März.

Ich bin dauermüde vom Jetlag. Mein Körper schmerzt, von den 27 Kilo, die ich mit mir rumtrage.
Aber tatsächlich: ich könnte nicht zufriedener sein.

Es ist das vierte Mal in Japan. Auch wenn ich natürlich beruflich sehr viel mit dem Land zu tun habe: mit jedem Flug reisen natürlich auch die Emotionen mit. Es ist, natürlich, eine zweite Heimat.
Denn wie definiert sich Heimat? Es ist der Ort, an dem man aufgewachsen ist. Japan, insbesondere Tokyo, ist der Ort, an dem ich gewachsen bin. Als junger Erwachsener und selbstverständlich auch als Fotograf und Journalist.

Reis und Reisen
Kontinente wechseln wird einfacher, je öfter man es macht. Auch wenn auch dieses Jahr wieder weniger Freunde in Japan noch auf mich warten.

Ich plane bis März/April nächsten Jahres zu bleiben, davon sechs Monate in Hiroshima – mit vielen Reisen durchs Land.
Zum ersten Mal bin ich in Japan und muss mir keine Sorgen um Geld machen. Ich habe die letzten Monate ganz gut verdient und erhalte ein Stipendium der Uni. Das entspannt. Und befreit. Ich kann Geschichten angehen, die ich mir vorher schlichtweg nicht leisten konnte. Ich kann mir auch mehr Zeit nehmen.

Etwas, was ich an meiner Zeit in Japan immer mochte, war der Wagemut, oder eine gewisse Naivität. Mir war stets egal, ob ich qualifiziert genug war, um eine Geschichte zu machen. Ich machte einfach, und wuchs daran. Oft fehlte mir das Geld, für Reisen oder eine Unterkunft. Aber immer fand ich etwas. Denn es musste einfach klappen.
Ich buchte den Flug für den folgenden Tag, ohne eine Unterkunft in Tokyo zu haben. Keine Stunde später hatte ich eine gefunden. Ich wollte anschließend unbedingt wieder in meiner alten WG wohnen. Am Samstag schrieb ich dem Vermieter, unwissend ob überhaupt ein Zimmer frei ist. Montag zog ich ein.

Mein Bruder sagte mir mal etwas über seine Arbeitsweise: Man muss das Glück provozieren. Auch wenn ich eine solide Recherche und Vorarbeit für sehr sinnvoll halte – es stimmt schon. Wenn man mit dem Rücken zur Wand steht, nichts verlieren kann – dann kann man nur gewinnen. Man muss es nur provozieren.

Japanreise 2012

Letztes Jahr hatte ich das etwas verloren. Beziehungsweise ich hatte es verlernt. Nach drei Semestern Uni war ich vorsichtiger geworden. Kursen über Steuern, Versicherungen, Rechnungen und anderen Kosten, die einen so befallen, je älter und geschäftiger man wird. Meine Ausrüstung wiegt nicht nur schwer auf der Schulter, sondern auch auf dem Konto. Der Fall auf die eigene Nase wird höher, je älter man ist. Naiv sein kostet. Fehler sind nicht so einfach auszugleichen, als noch mit Anfang 20.

Aber um ehrlich zu sein: Was solls.
Ich habe stets mehr gewonnen, als verloren. Ich leiste mir jetzt wieder etwas Naivität. Ich mach einfach. Die Konsequenzen warten in Deutschland. Ich bin jetzt erstmal ne Weile hier und mach einfach. Was mir Spaß macht.

Es wird das letzte Mal sein, dass ich eine längere Zeit in Japan verbringe. Also los.

Noch einmal mit Gefühl.

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