fotografritz / blog

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt

Posted in Gedanken, Unikram, Video by fritz on 19. April 2013

Oder: Wie ich drei Mädchen zum Weinen brachte.

Knapp 1.800 Fotos im Schnelldurchlauf. Und das waren nicht mal alle, die wir machten.

Ich bin mittlerweile im 4. Semester Fotojournalismus in Hannover. Allzu viele Fotos mache ich aber zur Zeit nicht. Vor dieser Aktion im Studio habe ich die Kamera seit Februar nicht mehr angefasst.

Im Keller der Uni haben wir ein eigenes Fotostudio, das sich über zwei Etagen erstreckt und mit vielen teuren Sachen ausgestattet ist. Die Benutzung und Reservierung ist daher immer so eine Sache.
Für ein Seminar sollten wir nun als Gruppe sechs Portraits fotografieren und zwei Stillleben inszenieren. Darunter: ein Wasserglas.

Mich nervt Studio. Für das Wasserglas haben wir insgesamt vier Stunden gebraucht, bis das Licht perfekt saß. Jede Reflektion, jeder Schimmer, jeder Kontrast muss sitzen. Viel Geschiebe und Fummelei. Und einmal kurz daneben greifen, schon kann man wieder von vorne anfangen.

Bei vier Fotografen in einem Studio weiß es jeder immer besser. Mich eingeschlossen.
Das alles nicht ganz reibungslos ablief, ist klar. Aber wir hatten nun mal nur zwei Tage in diesem Semester zugeteilt, in denen wir alles erledigen mussten. Es ging nicht anders.

Die Portraits waren da ein ganz großer Aufreger. Zwei Tage vorm Shooting hatten wir noch niemanden gefunden. Zum Termin kamen dann sogar neun Leute, drei mehr als wir eigentlich brauchten. Wir fotografierten alle schnell im Akkord durch und zählten gar nicht mit. Das es am Ende ganze neun waren, merkten wir erst zum Schluss. Und wir spürten es auch. Neun Leute in fünf Stunden ohne Pause durchfotografieren ist anstrengend.

Die Idee war, am Ende ein Mosaik der Emotionen und Gesichtsausdrücke zu haben. Wir hatten uns acht Gefühle bzw. Zustände notiert, und sind die mit jedem mal durchgegangen. Dazu hatten wir uns extra Schauspielstudenten von der Uni gegenüber bestellt. Schauspieler brauchen eh immer Fotos, also fanden sich schnell viele.

Bevor ich ja mit der Fotografie anfing, drehte ich Filme. Die Arbeit mit Schauspielern und die Regie lag mir also nicht fern. Es hat auch echt Spaß gemacht, weil unsere Modelle talentiert waren und viel Energie in unsere Fotos investierten. Es wurde gebrüllt, geschrien, gelacht. Und drei von ihnen konnten sogar auf Kommando weinen. Einigen brauchte ich nur das Gefühl zu nennen, und sie konnten es spielen. Andere brauchten eine konkrete Situation oder mit dem richtigen Gespür einen kleinen Schubser in die richtige Richtung.
Einem Mädchen sagte ich, dass sie Krebs hat – und die Tränen rollten.
(Das tat mir dann anschließend aber auch selbst weh, dass ich ihr das so ins Gesicht sagte.)

Als Kind habe ich viel geschauspielert. Die Fähigkeiten, die ich dabei erlernt hatte, nutze ich heute noch. Eine aus meiner Gruppe meinte am Ende des Tages auch, dass ich heute ohne Probleme auch vor die Kamera gekonnt hätte.

Jetzt ist wieder Fotopause bis Juni. Und das langweilt mich. In diesem Semester, wie im letzten schon, liegt der Fokus auf der Theorie, nicht auf der Praxis. Das ist zwar auch sinnvoll, ödet mich aber eher an. Ich bin lieber unterwegs und mach eine Geschichte, statt in einem Raum zu sitzen und mir was von der Welt erzählen zu lassen. Auch wenn natürlich Wissen zur rechtlichen Situation, foto-wirtschaftlichen Mechanismen und Details aus der Verlagswelt nützlich sind.

Ich bin nicht der einzige, der zur Zeit nix zu fotografieren hat und mit Neid in das 2. Semester schielt. Dort muss alle zwei Wochen eine neue Reportage entstanden sein. Angenehmer Druck, oh wie er mir fehlt. Er verfeinert auch Geschichten. Er gibt ne Richtung vor.
So geht jetzt die Energie in jede Richtung und kommt nirgends an.

Hier gab ich Anweisungen bei den Schauspielern und fotografierte nur das Wasserglas – wobei man da, wenn alles gestellt ist, nur gelangweilt den Knopf drücken braucht. Es ist alles so klinisch, mechanisch.

Es gibt nur noch zwei Kurse, für die ich in diesem Semester Fotos machen muss. Für beide bin ich da erst im Sommer unterwegs. Das heißt, bis Juni bleibt die Kamera unangetastet – sofern mir nix einfällt.

Ich glaub Rachels Gesicht bei 02:47 beschreibt da mein momentanes Gefühl ganz gut.

von Münchhausen

Posted in du kennst ja leute, Unikram, Video by fritz on 1. Februar 2013

Dr. Moritz Freiherr von Münchhausen (*1974) ist Besitzer des Rittergut Bettensen und der dazugehörigen Ländereien. Das Anwesen ist über 250 Jahre alt und fast von Beginn an im Besitz der Familie von Münchhausen. Er ist verheiratet, arbeitet als Anwalt in Hannover und lebt in Berlin & Bettensen.

Abschlussarbeit im Kurs “Online Reportage” bei Michael Hauri

Versteckt

Posted in foto für zwischendurch, Unikram by fritz on 30. August 2012

Kostüm: Marika Moritz
Model: Claire Weiss

Die Inka-Prinzessin in rot
Für eine befreundete Kostümdesign-Studentin habe ich ihre Semesterarbeit fotografiert. Inszenierte Bilder oder Mode sind sonst eher nichts für mich, aber es war eine gute Abwechslung und Herausforderung. Es war im August auch das einzige Shooting, da ich andersweitig in ein Projekt eingebunden war. Tatsächlich habe ich von diesem Sommer nicht viel mitbekommen. Ich bin weder verreist, noch habe ich die Sonne gesehen, da ich die letzten Wochen nur drinnen saß und über dem Rechner hing. Sobald das Projekt veröffentlicht ist, werde ich mehr dazu erzählen.

Die Geschichte hinter dem Kostüm, laut der Schneiderin, handelt von der Inka-Prinzessin Manouka. Sie ist nicht für harte Arbeit geboren, sondern lebt in einem goldenen Käfig. Das vermeintlich sperrige Kleid soll das zeigen: eingeschränkte, gesellschaftliche Freiheit durch geringe Bewegungsfreiheit.
Manouka wäre aber viel lieber eine Kriegerin und stiehlt sich daher heimlich aus dem Palast, um die tapferen Soldaten und Jäger zu beobachten.

Die Fotos sollten die Geschichte transportieren, und gleichzeitig das Kostüm in seiner Gesamtheit und in Details präsentieren, damit die formale Kriterien getroffen werden. Die Ästhetik der Serie war definiert von seiner Funktion.

Über die Gedanken hinter den 300 Stunden Arbeit, die im Kostüm stecken, lasse ich mal die Schneiderin Marika Moritz erzählen:

Das Kleid besteht aus dem Sonnenkranzhut, dem Kragen, einem Lendenschurz bis zum Boden und “Hips” mit Flechten am Saum.
Klare, glatte Formen mit organischen Oberflächen. Ich habe neben dem Baumwollstoff auch andere Materialien verwendet, wie Draht, lufttrocknende Modelliermasse, Pappmaché und Schläuche.

Das Kleid scheint auf den ersten Blick sperrig und geschlossen. Auf den zweiten erkennt man jedoch, dass der Rock luftiger ist, als er aussieht. Lappen und Hips sind nicht miteinander verbunden und erlauben Beinfreiheit. Die Schläuche in den Hips können sich zusammenziehen, wie eine Ziehharmonika, und erlauben Manouka eine bessere Bewegung. Im Kleid gibt es so die Verknüpfung: Prinzessin – Kriegerin.

Alle im Semester hatten den gleichen, roten Farbton, aus dem selben Stoff. Spaßeshalber habe ich den mit Photoshop mal rausgenommen.

Motive, Posen, Location und Hintergrund waren alle von der Schneiderin vorgegeben. Ich musste mich nur darum kümmern, aus den Wünschen gute Bilder zu bauen. Nach zwei Semestern bin ich da inzwischen entspannt. Es gibt einfach gewisse Regeln, die einen guten Bildaufbau definieren. Hält man sich daran, kann man nicht viel falsch machen. Nach dem ersten Jahr an der Uni geht das meiste schon instinktiv von der Hand. Durch die intensive Auseinandersetzung geht es direkt in Fleisch und Blut über.

Die Kunst ist dann, was man mit diesem Handwerk macht. Welche Bilder und Geschichten man erzählt. Wann, welche Technik, welche Ästhetik dazu dient, eine Geschichte besser oder anders zu erzählen.
Dafür sind dann die restlichen Semester.

Die Vorgaben fürs Kostüm waren echt eng. So sollte zum Beispiel unter dem Kleid ein Badeanzug sein. Warum auch nicht.

Durch die Nacht

Posted in journalistische abenteuer, Reis und Reisen, Unikram, Video by fritz on 1. Juli 2012

Mit freundlicher Unterstützung der Deutschen Bahn konnte ich das Thema “Nachtarbeit” für die Uni im Nachtzug von Hannover nach München (und zurück) fotografieren. Da ich dabei konstant übermüdet war und auch Zugbegleiter nicht zu den eloquentesten Rednern gehören (müssen sie ja auch nicht), ist das obige Video etwas kürzer als sonst.

Im Blog ist es derzeit so ruhig wie in einem Nachtzug. Allerdings verhält sich das antiproportional zu dem, was ich eigentlich zu tun habe. Ich arbeite momentan an Geschichten, die viel Zeit bis zur Fertigstellung brauchen, oder schreibe an Projekten, die erst im nächsten Jahr erscheinen.

Das zweite Semester ist nun vorbei, und die Gebühren für das dritte schon überwiesen. Ich hatte mir vor dem Umzug nach Hannover ein Jahr gegeben, nach dem ich entscheiden wollte, ob ich bleibe oder nicht. Nach zwei Semestern bin ich überzeugt zu bleiben. Allein das LUMIX Fotofestival vor knapp zwei Wochen, bei dem viele Fotografen ausstellten, die so alt wie ich sind oder sogar jünger waren, hat mir deutlich gezeigt, wie viel ich noch zu lernen habe.
Hier zu bleiben ist der beste Weg dort hinzukommen.

%d Bloggern gefällt das: