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Durch Wolken wandern – Teil 1

Posted in abenteuerliches by fritz on 15. Februar 2010

Eine Wanderung auf den Berg Ooyama im Westen Tokyo’s Ende November – wunderbare Laubfärbung, hochgelegene Schreine und Wolken auf dem Wanderweg. Es war mit das körperlich anstrengendste was ich bisher in Japan machte und ich hatte zwischenzeitlich Zweifel, ob ich jemals wieder runterkomme. Es war kalt, nass und hoch. Hier nun der erste Teil, vom Fuße bis zum Gipfel:

Es fing alles ganz unschuldig an. Die deutsche Community in Tokyo lud zur Wanderung ein:

Liebe Stammtisch-Freunde,

das Herbstlaub leuchtet in den schönsten Farben und wir bieten Euch die folgende Wanderung am nächsten Sonntag an:

★★ Sonntag, 22. November – Tageswanderung zum Ooyama (südwestlich von Tokio) mit anschliessendem Onsen-Besuch (optional)

Wir fahren in Shinjuku um 9:00 Uhr los (genauer Treffpunkt wird nach Anmeldung mitgeteilt), 1 Stunde bis Isehara und dann noch ca. 30 min per Bus. Die Wanderung wird etwa 5 Stunden dauern und bis auf 1252m führen (ca. 1000 m), nach Abstieg gehts dann ins Onsen für alle die möchten.

Bis bald!

Mir war ein bisschen nach Natur und ich konnte etwas Bewegung vertragen. Also sagte ich zu.
Es kam dann noch ne Mail hinterher:

Der Wetterbericht sagt für Sonntag 20%-40% Regenwahrscheinlichkeit voraus. Jeder nimmt auf eigene Verantwortung teil. Denkt an Regenausrüstung.

Regenausrüstung? Nun, ich hab nen Schirm…

Dann eine Mail, zwei Tage vorher:

Der Wetterbericht sagt 40%-60% Regenwahrscheinlichkeit voraus.

Na das konnte ja heiter bis wolkig werden.

Ich lag auch an dem Morgen, an dem es losgehen sollte, wach, und überlegte. Die Nacht zuvor war mit knapp 2 Stunden recht kurz und ich recht müde. Die Aussicht auf ein bisschen Natur und Grün, und eine Flucht aus dem grauen Tokyo, gab dann letzendlich den Ausschlag zum Aufstehen und Aufbruch.

Was ich einpackte? Nun, nen Schirm, ein Handtuch, meine Kamera und eine Banane. Ansonsten zog ich das an, was ich sonst auch anziehe: Turnschuhe, Jeans, nen Pulli und ne Jacke.
Meine Bergsteigerkollegen waren allerdings Profis, die mit spezieller Kleidung, Wanderstöcken und Survival-Utensilien den Zug zum Berg bestiegen. Meine Vorbereitung wurde, nun ja, in Zweifel gezogen.

Zusammen waren wir zu fünft, vier Deutsche und eine Japanerin. Alle waren bereits Berg-erfahren. Ich betone an dieser Stelle noch einmal, dass ich aus Berlin stamme. Berlin ist flach, die höchste Erhebung ist mit 114,7m der Teufelsberg. Da hat mans nicht weit bis zum Gipfel.

Die Laubfärbung ist in Japan ein großes Happening, vergleichbar mit den Kirschblüten. So waren an diesem Tag auch viele unterwegs, den Berg hinauf. Vorallem ältere Japaner sind begeisterte Bergsteiger. Mich, junger Europäer der bei jedem Schritt keuchte, fanden sie dabei sehr amüsant. Ständige Zu-Rufe wie „Halte durch!“ oder „Sei vorsichtig“ begleiteten mich auf dem Weg den Gipfel hoch.

Am Anfang vom Berg war es noch recht voll und es gab sogar einige Behausungen.

Die Laubfärbung konnte man schon erkennen.

Ich lief immer hintenher. Zum Einen weil ich einfach langsam war, zum Anderen weil ich zum Fotografieren ständig anhielt. Mein Schirm störte mich dabei, weswegen ich ihn meiner Wanderkollegin hinten an den Rucksack hing.

Sie bemerkte es erst eine Stunde und 300 Höhenmeter später 😉

Vorbei an Natur und Beton-in-Natur…

…und verschiedenen kleinen Schreinen, gelangten wir zu einem etwas größeren Tempel, unter einem feuerroten Dach von Blättern.

Einfach Wahnsinn.

Natürlich beliebtes Foto-Motiv

Auch um allen daheim zu zeigen, wo man war

Am Tempel und seinem kleinen Teich vorbei…

Immer weiter, immer höher.

Nach einer Weile gelangten wir dann zu einem weiteren Tempel, mit imposanten Treppen.


Rechts, mein Schirm

Und oben gab es Suppe!

Wir genossen die warme Mahlzeit in der kalten Höhenluft. Solange man sich bewegt, ist man warm und schwitzt. Doch sobald man auch nur kurz innehält kriecht die Kälte durch die hohe Luftfeuchtigkeit in die Kleidung und Knochen.

Doch Suppe (für nur 100yen!) mit so einer Aussicht ist schon fabelhaft.

Der Blick geht über Kanagawa, der dunkle Punkt oben rechts ist die Insel Enoshima.

Geil fand ich auch den Opa, der in Jogginghose und dicker Tasche alleine den Berg hochkam, als ob er grad im Conbini einkaufen wollte.

Höher, immer höher…

Ein kurzer Blick zurück.

Der Erdboden schien sich immer weiter zu entfernen.

Die Wege wurden schlechter und unwirklicher.

Es waren auch immer weniger Leute unterwegs. Was allerdings gleich blieb war, dass ich der letzte war.


In der Mitte steht einer meiner Mitstreiter, triumphierend und mir weit voran.

Dann erreichten wir die Wolken, die unheimlich über die toten Äste und Bäume schwebten und unsere Kleider in hrer kalten Feuchtigkeit tränkten.

Und irgendwann, war es nicht mehr weit bis zum Gipfel, auch wenn wir jenseits von 10m absolut nichts mehr sehen konnten.

Das letzte Torii vor dem Gipfel, von da waren es nur noch 10min.

Und dann erreichten wir den Gipfel. Mein Gefühl zu der Zeit beschreibt ein Foto ganz gut.

Ich war absolut im Arsch.

Es hatte knapp 4-5 Stunden gedauert diese 1200m zu erklimmen. Oben sahen wir nichts. Alles war in einen grauen, kalten Schleier gehüllt. Auf dem Gipfel gab es zwar keinen Getränkeautomaten, aber ein kleines Café. Ich wollte aber nicht verweilen, ich wollte einfach nur noch runter. Doch dieselbe Strecke die wir kamen, mussten wir wieder bergab, allerdings auf der anderen Seite des Berges. Daran führt kein Weg vorbei und ich musste da jetzt durch.

Vielleicht fehlen einige Bilder in der Reihe hier, aber meine Kamera machte entlang des Weges heftige Spirenzchen, vlt wegen der Kälte, Feuchtigkeit und schlechten Lichtverhältnissen. Manchmal war ich auch einfach nur zu kaputt, um die Kamera rauszukramen.

Mit einem Blick auf den Weg hinunter…

…, der noch weniger einladend war, als der Weg hinauf, schließe ich diesen ersten Teil. Auch wenns die Spannung zerstört, so sei gesagt: Ich bin am Ende unten angekommen. Doch bis dahin war es noch ein weiter Weg….

-> Link zu Teil 2

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8 Antworten

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  1. Angelika Diem said, on 16. Februar 2010 at 17:21

    Das sind tolle Bilder. Das oberste vor allem. Wie ein Geisterwald aus einem Märchen.
    Die Laubbilder sind auch herrlich, ich liebe diese roten Ahornblätter.
    Die Treppen sind ja unglaublich steil. wirklich beachtlich, dass du da hinauf gestiegen bist. Ich hätte wohl viel länger gebraucht.
    Hattest du am nächsten Tag schlimmen Muskelkater?

  2. Herm said, on 17. Februar 2010 at 11:43

    Fantastische Fotos, gute Kamera, nehme ich an 🙂
    Gutes Auge natürlich auch

  3. megafutzi said, on 17. Februar 2010 at 11:58

    danke danke, aber so doll is die kamera wahrlich nich -.- macht immer mehr spirenzchen…

  4. Ryumu said, on 17. Februar 2010 at 12:04

    Wie immer beeindruckende Bilder, und die Geschichte dazu zu lesen, macht auch wieder viel Spaß. Gerade wenn man hier im kalten, eingeschneiten Büro sitzt, ist dieser Exkurs in diese zauberhafte Landschaft einfach wunderbar! Vielen Dank! 🙂

  5. […] Wolken wandern – Teil 2 By megafutzi Die Fortsetzung von Teil 1: Es ging nun vom Gipfel an den Berg hinunter. Oben war ich bereits am Ende meiner Kräfte, unten […]

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  7. […] mich dann mein Freund, ein Deutscher, den ich das letzte mal im Oktober in Tokyo gesehen habe (er war auch bei der Wanderung auf den Ooyama dabei). Aizu-Wakamatsu liegt in den Bergen und war noch schneereicher als Sapporo. Über Eis und Schnee […]

  8. Wanderweib said, on 20. Juni 2015 at 15:06

    Wow, schöne Fotos! Ja, den Berg kenn ich auch. Meistens ist die Aussicht verhängt. Am besten sieht man was im Winter, da ist die Luft klarer.

    Falls du mehr von Tokios Bergen entdecken möchtest:
    http://wanderweib.de


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