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„Kommt alle, die Glück suchen, nach Tokyo“

Posted in Kunst!! by fritz on 12. April 2010

Obiger Titel ist ein Zitat aus der deutschen(!) Version von „Honey Tokyo„, einem neuen PR-Anime-Film zur Stadt Tokyo.

Ich arbeite zwar indirekt für die Stadt Tokyo, und direkt für die deutsche Abteilung der Tourismusabteilung, aber das ist nicht der Grund, warum ich diesen PR-Film, der Anfang des Monats online ging, für berichtenswert halte. Das Anime Studio, dass den 10-minütigen Film produziert hat, ist nämlich das Studio 4°C, welches, wie ich schonmal erwähnt hatte, zu meinen Lieblingsstudios gehört.
Eigentlich ist der Stil von 4°C viel zu speziell, um es in einem Mainstream-Touri-Promotion-Film zu nutzen – dass die Stadt Tokyo es trotzdem gemacht hat, finde ich sehr cool.

Und irgendwo macht es auch Sinn: Das Studio 4°C ist international bekannter und beliebter als in Japan selbst. Möchte man nun Touris aus dem Ausland gewinnen, hat man mit dem Studio vielleicht mehr Glück, als mit einem langweiligen Beitrag von Toei-Animation beispielsweise (die eher Massenware machen).

Die Story ist wie folgt: Honey, eine Japanerin (?) aus der Zukunft, kommt ins heutige Tokyo um das Glück bzw. die „Seele“ zu finden, die es in der Zukunft nicht mehr gibt. Sie selbst ist dabei recht gefühllos und kommt wie ein Roboter daher. Sie sammelt dann einen Jungen auf der Straße von Tokyo ein und fliegt dann ziemlich hektisch mit ihm in Tokyo umher. Vorher sammelt sie sein Glück ein, indem sie ihm die Farben aussaugt und Schwarz-Weiss macht. Bei ihrem hektischen Flug durch Tokyo sammelt sie dann überall das Glück bzw. die Farben ein, um es für die Leute in der Zukunft zu sammeln.

Das alles solange, bis der Junge Honey bittet, endlich damit aufzuhören, sich Zeit zu nehmen und Tokyo mal ruhig und entspannt zu erleben. Das Tempo des Films ändert sich merklich, es wird ruhiger und wärmer. Zusammen klappern sie dann Touri-Spots, Tempel und Restaurants ab. Honey findet mehr und mehr Gefallen an Tokyo und wird auch menschlicher.

Es endet dann, zugegeben etwas kitschig, damit, dass sie sich in Tokyo und den Jungen verliebt.

Trotzdem ist der Anime Kurzfilm von Regisseur Yasuhori Aoki, der gleichzeitig auch das ungewöhnliche Character-Design übernahm, mehr als nur ein PR-Film. Ich persönlich sehe es so:

Die Dame aus der Zukunft steht für den allgemeinen, gehetzten Tourist aus dem Ausland. Zukunft bedeutet hierbei eben „aus einer anderen Welt“, wo die meisten Touris eben herkommen. Und genau wie die meisten Touris hetzt sie zu Beginn durch Tokyo, um möglichst viele Sehenswürdigkeiten mitzunehmen. Den Prozess des „Farbe aus dem Ort nehmen“ kann man auch schön so sehen, als ob sie überall hingeht, nur um Fotos vom Ort zu machen, um sie zu hause zu zeigen – ohne sich wirklich Zeit zum verweilen zu nehmen.

Die Quintessenz des Anime ist dann eben nicht nur „Kommt nach Tokyo“ sondern „Nimm dir Zeit, verdammt, und hetz nicht von einem Ort zum anderen“. Dabei gibt es eine wunderbare Balance zwischen Story, PR-Bildern, Botschaft, Kommerz und Gefühl. Sowas kriegt auch nur das Studio 4°C hin.

Der Film endet damit, dass Honey wieder nach Tokyo kommt – und viele Leute aus der Zukunft mitbringt. Und die Touri-Flut der Menschen aus der anderen Welt beginnt…

Den Film gibts mit Untertiteln in insgesamt 8 Sprachen und eben auch in Deutsch:

-> Weblink: Honey Tokyo

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14 Antworten

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  1. Michael said, on 12. April 2010 at 09:04

    Was ich an japanischen Animes so krass finde ist oftmals der Realismus der Zeichnungen.
    Und was stellenweise für musikalischer Aufwand getrieben wird.
    Der Film hier ist sicherlich nett, aber ev. doch etwas sehr japanisch (für Touristen) von der Struktur.
    Danke für den Link!

  2. fritz said, on 12. April 2010 at 09:07

    hm wie meinstn das „sehr japanisch“?

  3. Michael said, on 12. April 2010 at 09:14

    Die Herangehensweise an das Thema.
    Ich meine mit dem Farbe klauen und so weiter das sind Symboliken die Japanern selbstverständlich ist baer für Ausländer befremdlich wirken kann.
    (Kennst du z.B. Nicht-Anime Fans, die verstehen was Nasenbluten in japanischen Filmen bedeutet?)

    (Ich erinnere mich an Leute die meckerend aus Tiger&Dragon rausgingen wegen dem Ende.. dabei war es seeehr Chinesisch… das Ende)

  4. fritz said, on 12. April 2010 at 09:20

    wo taucht das denn mit der farbe klauen sonst noch auf? gibts doch aber auch im westen, ich erinnere nur an die grauen männer in momo oder der wechsel schwarz-weiss zu farbe im zauberer von oz, oder in anderen sachen, die mir grad entfallen sind… als japanisch würd ich das nicht unbedingt bezeichnen…

  5. Michael said, on 12. April 2010 at 09:32

    ja stimmt das mit der Farbe war ein schlechtes Beispiel (-_-)
    Mir fällt es schwer in Worte zu fassen, da ich ja dummerweise auch noch recht akklimatisiert bin.
    Also anderes Beispiel, das mit dem Mädchen aus der Zukunft an sich, der fliegende Roboter mit den süssen Pfötchen.
    Das sind alles Dinge die ev. Animemögende Europäer anspricht.
    Japaner haben da egal welches Alter damit kein Problem.
    Ältere Deutsche (z.B.) könnten das ganze nicht ernsthaft genug und zu kindisch finden.
    (Wir erinnern uns das laaaaange Zeit die Regel galt Anime=Kinderfilm, weswegen ja Cpt. Future in Deutschland so böse verhackstückt wurde um es Kindkonform zu machen)

    Wie gesagt, ist halt (nur) so ein Gefühl…

  6. fritz said, on 12. April 2010 at 10:02

    ah okay, jetzt versteh ichs.

    allerdings find ich dass die das noch recht normal hinbekommen haben, ohne große augen, übermäßig kawaii oder sonstigen firlefanz der selbst mir als anime fan auf die nüsse geht

  7. Michael said, on 12. April 2010 at 10:23

    stoempt!

  8. Herm said, on 12. April 2010 at 12:43

    Was ich dämlich finde sind die Wale und Delphine.
    Total heuchlerisch und mega unnötig.
    Wenn sie danach noch ein leckeres Walgericht serviert hätten wärs besser gewesen.
    Schwach

  9. obi said, on 12. April 2010 at 16:26

    Find es ein wenig übertrieben, aber was hat man schon erwartet wenn eine Stadt für sich Werbung machen will😛

    Jedenfalls ist es schön das sie es gleich in mehrere Sprachen gesubt haben.

  10. coolio said, on 13. April 2010 at 04:59

    Wow, die Kamerafahrten gehoeren zum Besten, was ich je in Animes gesehen habe. Die Story? Naja, wer sich (so wie ich) an div. Final Fantasy die Augen blutig gezockt hat, kommt mit dieser Art von Stories blendend zurecht. Ich fand’s toll!

  11. Michael said, on 13. April 2010 at 11:57

    Stimmt technisch auf alle Fälle sehr schön gemacht!
    Aber sowas ist man ja schon fast gewöhnt bei Animes.
    Habe heute einiges interessantes aus der Welt des Anime/CGI/Filmes Bereiches erzählt bekommen.
    Mal sehen ob sich das alles realisiert was mir so gesteckt wurde.

  12. fritz said, on 13. April 2010 at 18:39

    das is immer das beste, kommentare sagen „hey ich hab da was voll tolles gehört“ ohne zu sagen, was man denn nun gehört hat😉

  13. Michael said, on 14. April 2010 at 01:21

    Hehehe das hängt immer mit den manchmal verbal manchmal/schriftlichen NDA zusammen mit denen solche News zusammenhängen.
    Manchmal ist es auch nur ein „Erzähl’s nicht weiter die Sache ist noch am köcheln“.

    Hindern ja aber nicht daran andere „heiss“ zu machen😉

    thihihi

  14. […] 5. “Kommt alle, die Glück suchen, nach Tokyo” […]


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