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Der Sonne entgegen

Posted in abenteuerliches by fritz on 12. Juli 2010


Solaris (C) Fritz Schumann 2008

In Berlin.

Die Sonne knallt bei bis zu 38°C am Tag, und in der Nacht klettert es auch nicht unter die 28°C – trotzdem kommt mir das alles tatsächlich noch angenehmer vor, als die heiss-schwüle Regenzeit in Tokyo. Die Luftfeuchtigkeit in Berlin ist gerademal 20-40%, in Tokyo sinds 80% und drüber. Auch wenn ich ein bisschen Regen jetzt hier nicht schlecht finden würde…

Der Flug.

Ich hatte mein Flug ja drei Wochen vorm Ende meines Visums erst gebucht – kleiner Tipp an dieser Stelle: macht das nicht.
Ich konnte nämlich nur noch Aeroflot buchen, was zwar billig aber nicht unbedingt angenehm war, eher noch bedingt unangenehm.

Im Flughafen Narita gab es eine Schlange an den Ticket-Schaltern, die durch die ganze Lobby ging und sich nur zentimerweise fortbewegte. Ich fragte die Dame am Infostand, wo ich denn den Schalter von Aeroflot finde, sie deutete nur auf die Schlange und meinte „Am Ende davon….“. Zwei Stunden musste ich dann anstehen, bis ich endlich in 3min Ticket und Check-In erledigen konnte.

Die haben anscheinend sich ein wenig übernommen mit Fluggästen. Da der Check-In so lange dauerte, hatte der Flieger eine Stunde Verspätung. Sollte mir Recht sein, ich hätte in Moskau eh 5 Stunden auf meinen nächsten Flieger nach Berlin warten müssen.

Der Flug war anstrengend. Da wir mit der Sonne und mit der Zeitverschiebung geflogen sind, war es immer hell. Dazu noch ne Menge lauter, schreiender und streitender Russen, zwei Kleinkinder hinter mir, die immer gegen mein Sitz traten. Es gab auch männliche Flugbegleiter, die mit ihren breiten Schultern, Kurzhaarschnitt und ernsten Gesichtern allerdings aussahen, als wären sie ausm KGB. Das Essen war allerdings erstaunlich gut.

Ich saß in der Mittelreihe, neben mir drei Japaner/innen. Ich begnügte mich aber mit dem Boardprogramm, welches zwei sehr gute und zwei sehr schlechte Filme zeigte.
Nach neun Stunden Flug traute sich der Japaner neben mir, Mitte 20, Typ Game-Otaku, mich anzusprechen. Stellte sich heraus, er muss auch 5 Stunden in Moskau auf seinen nächsten Flieger warten, also vertrieben wir uns die Zeit gemeinsam.

In Moskau hatte ich dann meinen ersten Kulturschock: Während ich es in Japan noch gewöhnt war, dass alle Bediensteten freundlich sind und lächeln, gabs in Russland nur kühle Ernsthaftigkeit. Das Englisch der Russen im Flieger und Flughafen war recht gewöhnunsgbedürftig, eine Dame konnte wirklich nur „TAKE OFF BELT!“ (natürlich ohne ‚please‘), was sie alle 5 Sekunden vor der Sicherheitsschleuse wiederholte. Ein Japaner verstand das nicht, da griff die Dame beherzt sein Shirt und riss es hoch – natürlich ohne zu Fragen – um einen Blick auf die Hose zu werfen, ob er einen Gürtel trug, den er abnehmen musste. Er trug zwar keinen Gürtel, doch danach noch lange einen sehr verwirrten Gesichtsausdruck.

Wir gingen dann noch in ein Restaurant im Flughafen. Zunächst kam keine Bedienung. Die erste, die wir riefen brachte uns das Menü, aber bestellen konnten wir bei ihm nicht. Er meinte nur „I go home“ – war aber 30 min später, als wir gingen, immer noch da und wischte Tische. Die zweite Bedienung meinte kurz und unfreundlich, sinngemäß, „Wartet mal kurz, ja!!?“ und kam dann nie wieder. Die dritte Dame die kam, lächelte genausowenig wie der Rest des Ladens, schaffte aber unsere Bestellung entgegenzunehmen.

Der Japaner bestellte dabei ein Wasser, was nach 10min kam – es war eine 500ml PET Flasche, warm, und ein Glas. Ohne Eiswürfel. Dafür brauchte sie bei 6 Gästen, 8 Kellnern im Restaurant satte 10 min?

Dazu tönte ständig ein Bohrer aus der Küche so laut, dass wir unser eigenes Wort nicht mehr verstanden. Der sollte wohl die wenigen Gäste noch vertreiben.

Dann gings ans Bezahlen. Wir riefen wieder eine Kellnerin, die meinte, sie käme gleich wieder doch wir sahen sie nicht mehr. Die Kellnerin, die uns zuerst bediente kam dann nochmal, und richtete sich ihr Haar. Wir nahmen das als Signal, dass sie jetzt grad frei wäre und fragten freundlich nach der Rechnung. Erst ignorierte sie uns, dann meinte sie nur ein stoffeliges „One minutt!“. Es dauerte wieder 10min bis sie zwei Burger und ein warmes Wasser abgerechnet hat.

Ich hatte keine Rubel sondern nur Euro und Yen dabei. Der Japaner hatte auch nur Yen, US-Dollar aber auch ein paar Rubel dabei. Gesamt kostete das Essen (zwei Burger, warmes Wasser) 26€(!!). Wir wollten getrennte Rechnungen machen, doch das hat sie nicht verstanden und hat die beleibte Chefin geholt, die uns da energisch auf Russisch zutextete – wohlwissend dass keiner von uns irgendwas versteht. Sie nannte dann irgendeine Summe (nun waren es auf einmal nur noch neun Euro) und wir legten ein paar Rubel und Euro hin, und sie war zufrieden. Wir bedankten uns – sie taten es nicht.

Wahrscheinlich werden die uns ordentlich ausgenommen haben. Der Japaner meinte dann zu mir „Auch wenn in Japan nicht alles perfekt ist, so bin ich doch stolz auf unseren Service“. Recht hatte er, und ich sehnte mich nach Japan zurück.

Dann sollte der Flieger nach Berlin endlich gehen. Vor dem Schalter schon eine Riesenschlange und hinter dem Schalter eine überfordert schauende Russin. Um 22.50 Uhr sollte der Flieger gehen, um 22.30 war in Sachen Check-In immer noch nichts passiert. Die Russin am Schalter verdrückte sich dann in den Gang, gut einsehbar durch Fenster von unserer Position, wo sie nur Däumchen drehte. Es wurde 22.50 Uhr, bis zu diesem Zeitpunkt keine Erklärung, Entschuldigung oder sonst ein Kommentar warum und überhaupt wieso.
Ein gelassener Deutsche, der fliessend Russisch konnte, erkundigte sich dann, wie der Stand der Dinge ist. Er hatte schon ein Lächeln im Gesicht, das zeigte, dass dies nicht sein erstes Mal in Russland ist, wo er sowas erlebt.
Nach viel Schulterzucken gab es dann eine Antwort, er drehte sich nur lächelnd um und sagte nickend zu seiner Tochter, was der Stand der Dinge war. Anscheinend haben sie vergessen den Tank mit Kerosin zu füllen, und das ist ihnen dann kurz vorm Abflug eingefallen.

Um 23 Uhr kam dann eine Meldung, dass es Aeroflot voll leid tut, dass sowas sonst nie vorkommt und dass der Flieger nun 23.30 geht.

An dem Tag nahm ich zwei Aeroflot Maschinen, beide hatten ne Stunde Verspätung.

Na wie dem auch sei, Landung in Berlin, Umarmung, Kamelle, Dusche und ein 13 Stunden Schlaf, ein deutscher Sieg gegen Uruguay, Anruf bei Oma und frischen Fisch im Restaurant am grünen Rande von Berlin – das alles folgte.

Angekommen bin ich noch nicht. So ganz Ankommen mag ich auch gar nicht. Ich bin durchaus mit viel Frustration aus Berlin abgehauen – und so langsam droht die auch mit mir hier anzukommen bzw. hat schon hier auf mich gewartet.

Der Blog.

Achja, ich hab, wie man sehen kann, einige Änderungen vorgenommen. Der Blog heisst jetzt Fotografritz/Blog, und nicht mehr TokyoFotoSushi, da Standortwechsel. Ebenso hab ich am Design einige Änderungen vorgenommen, Fotos kommen jetzt besser zu Geltung und sind auch größer. An einigen Stellen hakt es noch mit der Skalierung, aber im großen und Ganzen läufts. Sämtliche Inhalte, also Fotos, Artikel zu Japan und Kommentare sind alle noch da. Die URL bleibt weiterhin https://tokyofotosushi.wordpress.com doch wenn ich mal wieder Geld habe, reserviere ich mir eine passendere Adresse.

Wenn ich mal wieder Geld habe… uiuiui, das wird noch dauern. Kurz vorm Flug war ich noch mal in Nagasaki und hab etwas zu viel Geld für Flug und Pakete nach Deutschland ausgegeben. Mein Konto ist grad, nicht gerade wenig, im Minus und ein paar andere Sachen muss ich auch noch bezahlen.
Allerdings liegen hier noch ne Menge Fotos und Artikel auf Halde die teilweise schon abgenommen sind. Muss sie nur noch fertig machen und die Rechnung schreiben. In zwei Wochen sollte alles wieder laufen, bis dahin bin ich auf die 50€ angewiesen, die mir meine Oma auf die Rückseite von einer Schachtel Toffifee geklebt hat. Omas sind doch die Besten, ne?

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2 Antworten

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  1. Ernst said, on 13. Juli 2010 at 12:27

    Willkommen zurück im Glutofen. ALs kleines Schmankerl, fahr einfach mit der Ringbahn. Da hast du dann die vermisten 80%+ Luftfeuchtigkeit bei gefühlten 45°C.
    Ich machs auch gleich wieder, ein Traum. 😉

    Bin auch gerade im Minus, gehalt kommt wiedermal zu spät 😦

    Aber willkommen zurück =)

  2. Tobey said, on 15. Juli 2010 at 09:02

    Hey Fritz, schön, dass du heil angekommen bist.

    Ich gehe bei den Temperaturen hier schon kaputt und weil es in Tokio, bzw weiter südlich noch schlimmer ist, werde ich wohl nur im Winter dort sein und mich im Sommer richtung Norden verdrücken. Ob das dann auch so klappt, sehe ich in 3 Jahren xD


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