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Tellerwäscher in Tokyo und andere Misserfolge #02

Posted in Anekdoten und Zoten, arg schief by fritz on 14. Januar 2011

Warum aus einer Karriere als Tellerwäscher in Tokyo nichts wurde, warum ein Bankkonto in Japan nicht unkompliziert zu bekommen ist, warum ich einen Chinesen am Flughafen besuchen wollte und warum ‚Erfahrung‘ keine Miete zahlt, soll hier erzählt werden.

Ich bin mit dem Bloggen arg hinterher. Das liegt daran, dass mich letzte Woche ne heftige Erkältung mit hohen Fieber erwischt hatte. Eine Nacht wurde mir im Badezimmer sogar schwarz vor Augen deswegen, ich kippte um und dann lag ich da erstmal ne Weile. Ist zum Glück nix passiert und wenn man es so erzählt klingt es auch eigentlich recht lustig. Drei Tage nachdem meine Krankenversicherung mich rausschmiss werde ich krank. Hat bestimmt irgendwas zu bedeuten…

Diese Woche bin ich mehr damit beschäftigt all den Kram zu erledigen, der sich angesammelt hat und erledigt werden muss (Versicherung, Aufträge, Anträge, nerviger Scheiss eben…). Wenn das erledigt ist muss ich erstmal mein Leben für die nächsten Monate organisieren, da das Gefühl von Stillstand im Alltag mich noch nicht so ganz verlassen hat und ich überlege, was ich als nächsten großen Schritt angehen möchte. Viel Kram zum drüber nachdenken, sich Sorgen machen und blah blah…

In der Zwischenzeit, mehr (hoffentlich) unterhaltsame Misserfolge aus Tokyo:

Tellerwäscher im Goethe-Institut

Ein Auftrag führte mich schon in meiner vierten Woche in Tokyo ins Goethe-Institut. So sah ich auch schon früh das dortige Restaurant, dass für die Mitarbeiter des Instituts die Kantine ersetzt und Speisen aus der Heimat kocht. Mit einem jungen Japaner, Hiro, kam ich ins Gespräch, als er vor dem Restaurant die Menütafel beschrieb. Er war schon einmal zwei Jahre in Deutschland, allerdings als Sushi-Koch nur in der Küche, wo er nicht viel Deutsch lernte. Sushi hatte er nie gelernt, aber er war eben der Quotenjapaner für ein Restaurant in Baden-Würtemberg, wie er sagte. Wir waren einander gleich sympathisch, vorallem sein glückliches, breites Grinsen unter den ungekämmten Haaren lud zu einem Gespräch ein. Er war auch froh, mal mit einem Deutschen in seinem Alter zu sprechen, denn hier im Haus arbeiten nur Ältere (abgesehen von den Studenten, die hier ihr halbjährliches unbezahltes(!) Praktikum absolvieren).

Ich meinte, ich suche eine Job und überlege hier im Restaurant anzufangen. „Oh ja bitte“, sagte er, unwissend wie schlecht mein Japanisch ist.
Ich ging also rein und machte irgendwie klar, dass ich Arbeit suche. Fürs Personal war die „Madame“ zuständig, die Frau vom Chef und als solche, wie so oft in Japan, zuständig für Finanzielles und den Betrieb.

Ihre ersten Worte auf Japanisch konnte ich verstehen:

Sie: „Sprichst du Japanisch?“
Ich: „Etwas…“
Sie: „Englisch, Deutsch?“
Sie: „Klar!“
Sie: *seufz* „Ich sprech kein Englisch und kein Deutsch. Was machen wir jetzt?“
Ich lächelte und meinte nur: „Das geht schon“

Es ging nicht.
Mir wurde nur gesagt, dass ich in einer Stunde wiederkommen soll, da geht es los mit dem Betrieb.
Ich war hungrig und ging umher. Was man mir nicht sagte, vielleicht aus Strafe weil ich kein Japanisch kann, war, dass es eine Viertelstunde vor meinem mir angesagten Termin, Mittagessen für alle gab. So wurde es mir erklärt von zwei jungen Geschwistern, mit deutschen und japanischen Eltern, die beide Sprachen konnten und jetzt im Sommer in Tokyo waren. Um der Langeweile daheim zu entgehen, fingen sie hier einen Job an und erklärten mir alles – was nicht viel war, da ich mich explizit als Tellerwäscher gemeldet hatte.

Tja und was soll ich sagen, die Teller waren noch nie so schnell sauber. Wohl weil das sonst keiner macht, da bei so wenigen Gästen keine Eile besteht. Trotzdem kam der Koch alle paar Minuten in mein Kabuff und überprüfte meine Arbeitsbereitschaft.
Die streng wirkende Madame sorgte sich indes um meine Gesundheit, ob ich denn auch gegessen habe, ob ich Durst habe oder ob mich meine langen Haare störten. Ich verstand sie zwar, erwiederte allerdings immer nur das selbe „Alles in Ordnung“, welches sie wohl für meinen gesamten japanischen Wortschatz hielt.

Am Ende des Abends gab es ein paar köstliche Reste (Schwarzbrot!) und ein gegrinstes „Entschuldigen Sie Bitte“ vom Chefkoch, was peinlich berührt rüberkam. Er sagte mir, dass es hier keine Arbeit für mich gebe, weil sie jemanden mit Japanisch-Kenntnissen für das Kellnern brauchten. Trotzdem gab es eine ordentliche Bezahlung für 4 Stunden Tellerwaschen, gefolgt von einer Hatz zum Bahnhof um den letzten Zug zu erwischen. Die beiden Geschwister sah ich dann nie mehr wieder und ich verschwitzte es auch, ihren Namen zu notieren.

Wen ich allerdings mehrmals wiedersah, waren Hiro, der Kellner und Madame. Madame war jedesmal peinlich berührt, teils aus Fürsorge, teils aus Hilflosigkeit darüber, wie jetzt mit mir umzugehen ist. In den folgenden Monaten, wenn ich sie mal im Goethe-Institut sah, war sie immer ganz überrascht und fragte, ob ich Arbeit habe. Ich verneinte das oft, und sie schrieb sich jedesmal erneut meine Telefonnummer auf.


Veranstaltung im Goethe-Institut

Hiro traf ich dann erstaunlich oft im Goethe-Institut wieder, jedesmal vor dem Restaurant. Er schob Sonderschichten, oft 7 Tage die Woche, um sich einen Sprachkurs leisten zu können und nach Deutschland zu gehen. Oben im Goethe-Institut sah ich ihn mal bei einem Sprachtest mit einem der Lehrer, die ihn dann danach ins Programm aufnahm. Ob Hiro inzwischen die Welt von Madame verlassen hat, ich weiss es nicht.

Bankkonto bei der citibank Tokyo – oder „Do you speak English?“

Meine dritte Wohnung in Tokyo, das Haus mit den zehn Mitbewohnern in Nakano, machte es zur Pflicht, die Miete per Überweisung vom Bankkonto zu bezahlen. Ich hatte keins, wurde ich doch oft in bar bezahlt oder die Überweisung ging auf mein deutsches Konto. Ständig von meinem Vermieter ermahnt, suchte ich nun eine Bank. Mit mangelnden Englischkenntnissen dachte ich, bei der internationalen citibank auf verstehende Ohren zu stoßen. Auch ein bisschen mit dem naiven Blick, mit einem japanischen Bankkonto auch in Zukunft von japanischen Stellen bezahlt zu werden.

Im Internet kündigt citibank auch groß an, für internationale Kunden bereit zu stehen, und nach etwas Suchen fand ich auch eine Filiale in der Nähe.

Von ewig grinsenden Damen in kurzen, engen Kleidern wurde ich an einen Schalter gelotst. Von hier an entstand ein lustiges Spielchen von „Angestellte wechsle dich“, da die erste schnell mit ihrem Englisch kapitulierte. Sie holte eine Kollegin heran, die dann allerdings auch bald aufgeben musste, sodass bald die dritte Kollegin antanzte, welche dann zusammen mit der ersten Dame an meinem Fall arbeitete.

Das Gespräch lief eigentlich sehr gut. Die Dame hatte auch ein paar Monate in Hamburg gelebt und war sehr neugierig daran, wie ich hier mein Geld verdiente (über die normalen Pflicht-Fragen hinaus).
Mit einem Lächeln verließ ich sie und sie mich, wohlwissend dass das ganze Gespräch weit über ihren Feierabend ging.

Es sollten mich nun zwei Briefe erreichen, allerdings beide noch an meine alte Adresse. Einen konnte ich dort abholen, bzw. nur den Brief mit einem Hinweis, in welcher Postzweigstelle ich mir den Umschlag mit meiner Bankkarte abholen kann. Der Pin und alles weitere, was das Konto überhaupt brauchbar macht, sollten mit einem zweiten Brief kommen. Doch der kam nie.

In der Zwischenzeit hörte ich mich bei meinen neuen Mitbewohnern um, nach deren Konten in Japan. Es stellte sich heraus, das citibank mit 20€(!) monatlichen Kosten für das Konto, egal ob was drauf ist oder nicht, ein ziemlicher Griff ins Klo war. Ich dachte zuerst, alle Banken in Japan seien so, doch meine Mitbewohner lachten nur über diesen Gedanken.

Kurzum, das mit citibank verlief im Sande. Ich war ganz froh, dass kein zweiter Brief mehr kam und sah mich auch nicht genötigt, da noch einmal nachzufragen. Ein Bankirrtum zu meinem Gunsten, wie es wohl heisst.

Ich gründete dann kein Konto mehr und übergab die Miete, sofern ich sie denn überhaupt hatte, meinem Vermieter immer in bar. Fand er zwar nicht so cool, aber besser als kein Geld.
Sah ich ganz genau so.


Innenhof der Elite-Uni Toudai. Hat nix mit der Geschichte zu tun und füllt nur Platz.

Der Chinese am Flughafen

Ich hatte es schon ein paarmal angerissen gehabt, aber die ganze Geschichte würde ich doch einmal gern ausführlich erzählen:
Der Chinese Feng Zhenghu lebte ingesamt 92 Tage lang im Flughafen Narita, dem internationalen Flughafen von Tokyo. Eine Freundin, die mich in Tokyo besuchte, erzählte mir ursprünglich von ihm und wie sie ihn bei ihrer Ankunft in Tokyo gesehen hat. Ein bisschen Recherche ergab dann, dass der chinesische Menschenrechtsaktivist Feng Zhenghu es mehrmals versucht hatte, wieder nach China einzureisen, ihn dort die Behörden allerdings postwendend wieder zurück ins Flugzeug nach Japan schickten und nicht ins Land lassen wollten. Als Protest zog er dann ins Terminal von Narita, auch wenn Japan ihm ein Visa angeboten hatte und der Chef vom Flughafen ihn sogar einlud, den Terminal zu verlassen. Doch der Chinese protestierte lieber weiter, twitterte regelmäßig und veröffentlichte Bilder von sich auf Flickr.

Berichte über ihn gab es wenige. Denn er war in einem Bereich vom Flughafen, in dem man so einfach als Journalist nicht reinkommt. Alle Beiträge über ihn stammten von Journalisten, die quasi auf der Durchreise in Tokyo waren und ihn noch kurz vor oder nach dem Flieger auf Band mitnahmen.

Ich fragte mich, wie man denn in einem Flughafen leben kann, vorallem in einem Bereich, wo keine Restaurants mehr sind und wo man wegen Nahrung und anderer Utensilien auf die anderen Fahrgäste angewiesen ist. Ich wollte ein, zwei Tage mit ihm zusammen hinterm Terminal leben und seinen Alltag intensiv dokumentieren. Das hatte vorher keiner gemacht und auch für mich als Fotograf wäre es eine intensive Gelegenheit gewesen, mich weiter zu entwickeln.
Ich schrieb den Flughafen an.

Wider Erwarten stimmte der recht schnell meinem Gesuch zu, allerdings nur unter der Bedingung, dass ich einen Presseausweis vom Auswärtigen Amt von Japan bekomme, ein sogenannter „internationaler Presseausweis“. Ich hatte zwar einen Presseausweis, auf dem auch groß steht, dass er international gültig ist, doch der Flughafen verlangte einen besonderen Ausweis. Schließlich lebte der Chinese in einem besonders gesicherten Bereich, hinter der Passkontrolle.


Quelle Feng Zhenghu am Flughafen

Von hier an begann ein Kampf mit den Dokumenten und den Ämtern. Denn für einen internationalen Presseausweis musste ich zum „International Press Center“ von Tokyo. Ich vertat mich zuerst mit all den Amtsbegriffen und dachte zuerst, dass dieses Press Center eine Abteilung des Auswärtigen Amts war.
Nachdem ich dort durch die Sicherheitskontrolle war und jemand herantelefonierte wurde, der verstand was ich die ganze Zeit mit „Press“ meinte, wurde mir gesagt, dass ich in ein anderes Gebäude musste. Die Öffnungszeiten dort waren zwar schon vorbei, doch japanisch höflich rief das Auswärtige Amt schnell durch und meinte, da kommt noch jemand vorbei.

Eine lethargisch wirkende Dame guckte mich im internationalen Press Center mit glasigen Augen an und fragte mich mit leiser Stimme, was ich hier will. Ich sagte, ich hätte gerne einen internationalen Presseausweis, hier im internationalen Press Center. Ohne ein Wort ging sie zurück in ihr Großraumbüro, gab mir ein Formular und bat mich es auszufüllen. Zu dem Formular brauchte ich auch ein paar Dokumente, die ich natürlich dabei hatte. Schließlich hatte ich mich informiert.

Ich brauchte unter anderem nämlich eine Bestätigung von einem Medium, dass ich regelmäßig für sie aus Japan berichte. Als freier Journalist mit kaum Kontakten zu Redaktionen, der ich damals war, hatte ich es natürlich schwer, so etwas zu bekommen. Eine definitive Bestätigung, dass jeder Beitrag aus Japan auch abgedruckt wird, existiert auch nicht für Freiberufler. Ich bat eine befreundete Redakteurin um einen Gefallen und bekam das Nächstbeste: eine Bestätigung, dass meine Beiträge aus Japan für eine Veröffentlichung in Erwägung gezogen werden. Dazu gabs noch einen Abdruck eines Beitrags über den Seijin no Hi vom letzten Monat, dessen Belegexemplar mir per Post aus Berlin geschickt wurden.

Ich füllte nun also das Formular im internationalen Press Center aus und gab sie mit dem Rest der Dokumente an die lethargische Dame. Nun ja, man muss ihr aber auch anrechnen, dass es schon ne halbe Stunde nach Feierabend war, und sie nur noch für mich die Augen offen hielt. Stellte sich heraus, dass schonmal jemand von der Berliner Zeitung hier im Büro in Tokyo vor mehr als zehn Jahren vorstellig wurde. Also musste ich keine detailierte Angaben zu meiner Zeitung machen (Auflage, Geschichte…), von denen ich mir das Meiste eh hätte ausdenken müssen.

Es brauchte nur noch ein Foto für die Akten. Im Erdgeschoss gab es einen Fotoautomaten. Damit ich den auch ja finde, wurde mir eine Karte überreicht und der beste Weg zum Automaten eingezeichnet. Es wurde mir sogar ein zweiter Automat eingezeichnet, falls der erste kaputt sei. Für diese Art der Fürsorge und Höflichkeit muss man die Japaner echt lieben.

Ich nahm den Aufzug des klassischen Art Deco Gebäudes in den Keller, wo ich mich in der Tiefgarage verlaufen hatte und von einem Wachmann, der sichtlich erfreut war in seinem Kabuff mal einen Menschen zu sehen, in die richtige Richtung gelotst wurde. Die Hälfte von dem Geld, was ich für den Monat noch zur Verfügung hatte, ging für Passfotos drauf, die derzeit an meiner Küchentür hängen. Eins davon brachte ich der Dame nach oben, die meine Dokumente soweit abgeheftet hatte. Es war soweit alles erledigt und ich fragte, wie lange ich denn nun auf den internationalen Presseausweis warten müsste. „Vier Wochen“, sagte die Dame. „Aber… ich komm doch den weiten Weg aus Deutschland…!“, sagte ich etwas verzweifelt und in der Hoffnung auf den Deutschen-Bonus, der mir oft geholfen hat. „Deutschland?“, sagte sie, und lächelte das erste Mal seit dem Beginn unseres Gesprächs. „Na ich schau mal was ich machen kann“. Ich bedankte mich und radelte wieder nach hause. Keine zwei Wochen später bekam ich die Antwort.

Zu diesem Zeitpunkt war allerdings der Chinese schon wieder zuhause. Er konnte nicht warten, bis ich mich durch die Ämter und Formulare gekämpft habe und bis alle notwendigen Dokumente aus Deutschland eingetroffen waren. Er war glücklich wieder daheim, umarmte seine Mutter und verzehrte wieder chinesisches Essen, was ihm so lange fehlte.

Ich hingegen saß mit dem Dokumenten für einen internationalen Presseausweis (der eh nur in Japan gültig gewesen wäre) in Tokyo, um eine Erfahrung und ein Thema ärmer.
Aber dafür mit neuen Passfotos.

Tokyo-DeLuxe oder „Wir lieben deine Fotos, aber wir finden, wir sollten dir nichts zahlen“

Ein Tokyo-Fan und Unternehmer wollte eine Website machen, die den deutschen Tokyo-Reisenden mit etwas mehr Geld ansprechen sollte. Es sollte eine feine Auswahl an luxuriösen Hotels und teuren Restaurants in Tokyo auflisten. Für dieses Webportal suchte er einen Fotografen und ein Kontakt hatte mich empfohlen. Die Empfehlung ehrte mich natürlich und ich freute mich schon darauf teure und edle Ecken in Tokyo abzulichten.

Ich schickte ein paar Fotos rum, um ihm einen Überblick über meine Arbeit zu geben. Die Bilder kamen gut an und ich freute mich. Es verging etwas Zeit wo ich nichts hörte, doch mein Kontakt versicherte mir, dass das alles seriös ist.
Ein paar Wochen später kam auch die Mail, mit einer konkreten Liste von Fotos, die er gern verwenden möchte. Bzw. er schickte mir die erste Version der Website, wo er meine Bilder schonmal ungefragt verbaut hatte, weil sie seiner Meinung nach so gut passten. Prima, sagte ich, und fragte, wie er sich die Vergütung vorstellte. Seine Antwort war:

„Ja siehst du, ich hab auch mit meinem Geschäftspartner drüber gesprochen, wir lieben deine Bilder und würden die auch gern verwenden, wir finden aber wir sollten dir nichts zahlen, weil du ja noch Nachwuchs-Fotograf bist und die Erfahrung & Aufmerksamkeit ja auch gut sind.“

(Ich denk mir das nicht aus, das waren exakt seine Worte)

Ich sagte, dass Erfahrung keine Miete zahlt, und wenn ihm meine Bilder so sehr gefallen wie er sagt, er doch dafür auch zahlen kann. Viel mehr regte mich diese Mail von einem Deutschen sehr auf, weil es mich wieder an die Arbeit in Deutschland erinnerte, wo erst auf mein Alter geschaut wurde, und dann erst auf meine Bilder. Dieses deutsche Denken – „der ist jung, also auch nicht viel wert“ – meinte ich eigentlich in Tokyo entkommen zu sein. Doch es holte mich wieder ein.
Ich schrieb ihm meine Absage, mit dem Hinweis, dass er doch bitte keine Bilder von mir verwenden soll, sonst hört er von meinem Anwalt. Wir verblieben, dass wir bei seinem Besuch in Tokyo nochmal drüber reden. Von mir aus, sagte ich, aber ich erwartete nicht viel.


Eines der Fotos die er haben wollte

Im Mai war er dann eine Woche in Tokyo und hatte immer recht spontan für mich Zeit. Das heisst, er schickte mir immer so ein paar Stunden vorher eine Email mit dem Hinweis, wo er in ein paar Stunden für ein Treffen wäre, ohne die Möglichkeit ihn zurückzurufen, da er kein Handy in Tokyo hatte. Seine letzte Nachricht, an einem Tag den ich mir extra für ihn freigehalten hatte, kam wenige Stunden vor dem in der Nachricht angekündigten Treffen:

„Ja hey, wir sind jetzt im International Forum, in Roppongi, komm doch einfach her“

Das Tokyo International Forum ist in Yurakucho, Roppongi ist ein komplett anderer Bezirk. Meine Antwort war nur „Ja wo denn nun?“ doch es kam keine Reaktion.
Das war der letzte Kontakt mit ihm. Sein Webportal ist inzwischen online. Ohne meine Fotos. Dafür vielleicht auch nur mit gratis Fotos von anderen Nachwuchs-Fotografen, oder gerechtfertigt bezahlte Ü-30 Fotografen. Hauptsache das Alter stimmt, wa?

Nein.

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5 Antworten

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  1. derJake said, on 14. Januar 2011 at 02:18

    Krass, diese Mentalität von wegen „Fotos sind doch nix wert, das ist doch keine richtige Arbeit“ regt mich echt auf. Dass das allerdings weltweit verbreitet ist, war mir schon klar, da ich auch schon mehrere solche Berichte aus den Estados Unidos gelesen hab.

    Ein typischer Fall für clientsfromhell eigentlich. Da müsste man sich echt mal selber nen Tritt geben und ganz knallhart sagen „Du respektierst mich, meine Arbeit, meinen Aufwand nicht? Dann f*** dich ins Knie!“

  2. obi said, on 14. Januar 2011 at 15:52

    Höre ich auch zum ersten mal die Geschichte von dem Chinesen, sieht man mal wieder das es echt drauf ankommt im welchen Land man sitzt und was für Nachrichten-Quellen man hat.

    Wäre sicher eine tolle Story geworden.

    Ich kenne mich in dem Gebiet gar nicht aus, doch für wie viel gehen in der Regel solche Fotos raus und was hättest du denn für deine Fotos damals verlangt ? Für manche sind halt Fotos nicht so wichtig und vor allem kein Grund dafür viel Geld auszugeben. Wenn ich sehe wie viel manche Gemälde wert sein sollen kann ich auch nur den Kopf schütteln. Ich würde sicher nicht ein paar Tausend euro ausgeben um so was an der Wand hängen zu haben 😛

    ps. Hab mal einen kleinen Vorschlag: Willst du nicht evtl. deine Beiträge Spoilern bzw. die volle Länge anzeigen lassen wenn man auf „weiter lesen…“ etc. klickt ? So hat man im Moment das Problem dass ewig alle Bilder von der ersten Seite geladen werden, und das sind ja idr. nicht wenige bei dir 😉

    • fritz said, on 20. Januar 2011 at 04:23

      tja in der tat, ich hab auch oft das gefühl meinen wert bzw. den wert eines fotos rechtfertigen zu müssen. mit preis pro bild rechne ich schon gar nicht mehr, das geht mittlerweile nur pauschal als paketsammlung oder jeweils mit text dazu.

      ich hab mal überlegt die beiträge nur kurz anzuteasern und erst nach dem klick in voller länge zu zeigen, habs dann aber wieder verworfen, weil ich erstens möchte, dass alle bilder, wenn man sie auch nur kurz überfliegt, lust auf den text machen, und zweitens weil ich selber diese textschnipsel mit link immer schrecklich zu lesen finde. konsequenz ist halt, dass das laden länger dauert, aber dafür hab ich auch die anzahl der beiträge pro seite auf 4 begrenzt…

  3. Andreas said, on 20. Januar 2011 at 14:40

    Ich kann dieses Verhalten auch nicht gut heißen. Man muss sich immer wieder neu behaupten und durchsetzen, genauso aufpassen, dass kein zweiter sich mit der eigenen harten Arbeit profiliert.


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