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Eine Mappe voller Geschichten

Aufgrund vielfacher Nachfrage, hier nun die Auswahl der Bilder für meine Bewerbungsmappe an der FH Hannover.

Ich habe mich an der FH Hannover für den Studiengang Fotojournalimus beworben, der einzige seiner Art in Deutschland und auf einem sehr anspruchsvollen Niveau. Dementsprechend präzise sind die Vorgaben für die Mappe:

Es sollen 3-6 Bilderserien eingereicht werden, mit jeweils 10-20 Bildern. Die Reihenfolge der Bilder ist dabei entscheidend, es soll nämlich ein gewisser narrativer Faden erkennbar sein.
Bei der ersten Mappenberatung in Hannover im letzten Dezember gabs derbe Kritik an meinen Bildern und deren Auswahl. Nachvollziehbar, bis dahin hatte ich noch nie eine Bilderserie geschossen, mit einem groben thematischen und erzählerischen Rahmen. Für die Mappe hatte ich mir nun also neue Themen gesucht, von denen ich dann am Ende nur zwei umsetzen konnte. Das Herz der Mappe, die Reihe, die am Besten funktioniert, in die ich am meisten Zeit und Gedanken steckte und auch in der Reihenfolge die erste, ist die Reportage zur Puppenklinik Renate Herrmann:


Mehr dazu im Blogeintrag: Die alte Dame und die Puppen

Seit 25 Jahren betreibt Renate Herrmann eine Puppenklinik in Berlin, die mittlerweile zu einem großen Archiv von Körperteilen aus Plastik geworden ist. Ihre Tochter hilft bei den Arbeiten an Puppen, Teddys und Figuren, von denen einige bis zu 80 Jahren alt sind und die Weltkriege überlebten – aber die Enkel von heute nicht.

Der Text zur Serie in der Mappe

Hab erst überlegt, ob ich einen Audiokommentar zur Slideshow mache, aber ich hatte ja im Blogeintrag schon alles dazu gesagt. Mit Kollege Martin, seineszeichens Student an der FH Hannover, habe ich mich lange und intensiv zur Bilderserie auseinandergesetzt. Er hat auch viel gute Tipps gegeben, von denen ich so viele wie möglich umgesetzt habe. Seine allerletzten Tipps zur Reihenfolge habe ich dann aber nach langen, langen Hin und Her doch nicht umgesetzt, aber so hatte ich auch ein besseres Gefühl mit der Mappe. Sorry Martin, du hast wahrscheinlich Recht gehabt, aber am Ende wars ne Gefühlssache 😉

Die erste Serie war ne Reportage, die zweite sollte ein Foto-Essay werden. Ein Foto-Essay ist ein grober thematischer Rahmen und für mich eine schöne Gelegenheit, nette Tokyo-Fotos ohne Zusammenhang zu benutzen.

Menschen in Tokyo:


Die Musik ist etwas zu schnell und fröhlich für die Bilder, fand den Song thematisch aber ganz passend.

Ich habe ein Jahr in Tokyo gelebt und als freier Fotograf & Journalist gearbeitet. Dieses Essay sammelt Impressionen von Menschen in Japans Metropole, so wie ich sie erlebt habe.

Der Text zur Serie in der Mappe

Die Idee war hier, mit einem Bild ohne Menschen beginnen und zu enden, und dazwischen möglichst viele Aspekte und Impressionen von Menschen in Tokyo unterzubringen. Es ergab dann am Ende eine schöne Reihenfolge, von ganz oben, durch die Häuser, nach unten (Ubahn), wieder den Aufstieg, etwas Tradition und eben die Nacht zum Schluss. So war zumindest die Idee.

Ich muss zugeben, an die genauen Reihenfolge kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich hatte die Abzüge bestellt, mir Laborhandschuhe aus Baumwolle angezogen und dann die Bilder hin und her geschoben, bis es irgendwie passte. Die Bilder ausdrucken und sie vor sich sehen hilft echt um eine Reihenfolge festzulegen. Danke nochmal an Martin für den Tipp.

Die letzte Reihe sollte dann wieder eine Reportage sein, die ich während der Berlinale geschossen hatte, mit dem Hinblick es eventuell in der Mappe zu verwenden. Während die anderen beiden Serien viel Analyse und Gespräche mit anderen im Vorfeld bekamen, war diese Serie bewusst komplett alleine von mir verantwortet – was auch erklärt, warum sie nicht ganz so gut funktioniert, wie die anderen und warum sie viel zu lang ist. Wobei ich da schlussendlich noch 1-3 Bilder rausgeschmissen hatte.

Berlinale für einen Tag:

Das 1911 gebaute Kino „Union“ in Friedrichshagen, einem kleinen Kiez am Rande von Berlin, wird für einen Tag zum Berlinale-Kino. Das große internationale Filmfestival der Hauptstadt zieht für nur einen Tag ins kleine Kiez-Kino.

Der Text zur Serie in der Mappe

Hierzu brauchts etwas mehr Hintergrundwissen: Die große Berlinale hat ein Programm, das sich „Berlinale goes Kiez“ nennt. Dabei suchen sie sich jedes Jahr mehrere kleine Kiezkinos raus und die Berlinale kommt mit ihrem Programm für jeweils einen Tag vorbei. Ich hatte dabei das Kino Union begleitet.
Problem hierbei war, dass der rote Faden nicht so klar war. Ich hab versucht es chronologisch aufzuziehen, besser wäre es aber glaube gewesen, mir einen Protagonisten, wie z.b. den Filmvorführer oder den Chef vom Kino, zu suchen, und anhand von ihm den Tag zu erzählen.

Einem Rat von meinem Bruder folgend, schon noch etwas mehr für die Mappe auszugeben, habe ich dann am Ende über 100€ bezahlt, wovon die eigentlichen Bilder noch die geringsten Kosten waren. An dieser Stelle ein kleiner Vermerk zum Laden für Fotozubehör monochrom in Berlin Mitte: Exzellente Auswahl, beschissener Service. 40min im Laden stehen ohne das man auch nur mal kurz angesprochen wird (schließlich muss mit dem einzigen anderen Kunden noch lange über die Lebensgeschichte gesprochen werden), oder die Unfähigkeit sich Namen und Nummern korrekt zu notieren. Nächstes Mal bestell ich online…

Gesamt bin ich mit der Mappe zufrieden und habe ein gutes Gefühl. Sollte es nicht passen, dann passt es nicht, aber als Fotograf werd ich weiterhin arbeiten. Mit oder ohne Studium. Ich glaube, dass ich in Hannover zu einem besseren Fotograf werden kann, aber das wäre nur ein Weg von vielen.
Und ein besserer, als 5600€ Aufnahmegebühr und 500€ monatlich für eine zweifelhafte Ausbildung zu bezahlen….

UPDATE: Eben kam der Brief rein, die Mappe wurde angenommen und ich wurde zur Eintrittsprüfung geladen! Dazu soll ich Pinsel, n Tuschkasten, sechs Bleistifte und viel Papier mitbringen…

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6 Antworten

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  1. Herm said, on 5. April 2011 at 17:34

    Na dann hoffen wir mal, dass du auch malen kannst 🙂

  2. obi said, on 6. April 2011 at 08:20

    Viel Glück bei deinem Versuch, hoffe die Prüfung wird am Ende ein gutes Ergebnis für dich haben.

  3. SalvoSchreibt said, on 6. April 2011 at 20:02

    Gratulation! Die Reportagen und das Essay sind dir aber auch super gelungen. Viel Erfolg beim Zeichnen… ähh.. Fotografieren…oder..hmm… Naja, jedenfalls alles Gute bei der Prüfung! 😀

  4. pantaophoto said, on 7. April 2011 at 15:03

    Als Reportagebilder gefallen mir deine erste und dritte Serie am besten. Ich finde, bei denen sieht man den „roten Faden“ recht gut. Wobei ich deine Japanbilder als Einzelbilder sonst auch sehr mag.

    Das die Mappe am Ende doch recht teuer wird kommt mir bekannt vor.. Aber toll dass du eine Einladung zur Aufnahme-Prüfung bekommenhast! Die sind meist aber nur halb so schlimm, als man vorher denkt! Ich drücke dir die Daumen, dass du angenommen wirst! Viel Glück! 🙂

  5. […] ganze Bewerbungsverfahren gliedert sich wie folgt: Bewerbungsmappe -> Hausarbeit -> zwei Prüfungsaufgaben -> ein persönliches Gespräch. Alles Gründe, […]

  6. […] kämpfen hatte, folgte im Februar die Ernüchterung der Berlinale. Im März fotografierte ich die Bewerbungsmappe für die Uni. Im April begann ich ein Praktikum in einer Journalismus-Agentur, was meinen […]


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