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Die Puschel-Produzenten aus Hildesheim

Posted in analog, journalistische abenteuer, Unikram by fritz on 26. Januar 2012

Das 1. Semester ist vorbei. Zeit für für einen Rückblick auf die Themen, die ich für die Uni produziert habe.
Folge 2

Nach ‚Musik‘ gab es kein konkretes Thema. Die einzige Vorgabe war nur, die Geschichte mit einem 50mm Objektiv zu fotografieren. Meiner Lieblingslinse. Zugegeben, ich hab auch nur zwei Objektive in meinem Besitz, zwischen den ich wählen kann, aber das 50er hat viele Vorzüge, die ich im Alltag schätzen gelernt habe. Haken an der Sache war nur, dass die 50mm der Brennweite entsprechen sollten, wie man sie bei teuren Vollformat-Sensoren findet oder beim analogen Kleinbildformat. Es blieb mir also nur meine alte Praktica L.
Vollmetall, ohne Elektrik.

Welche Geschichte wir dann mit dem Objektiv fotografieren, durften wir uns aussuchen. Ich grübelte lang. Ich war damals erst ein paar Wochen in der Stadt und bis zu dem Zeitpunkt noch nicht über eine Geschichte gestolpert, die ich unbedingt erzählen wollte. Zudem setzte das Medium Grenzen: das 50mm Objektiv engt den Blickwinkel ein. Das ist zwar auch der große Vorteil der Linse, da man sich so in der Komposition des Bildes leichter aufs Wesentliche beschränkt. Allerdings sind weite Aufnahmen oder Bilder in engen Räumen schwer umzusetzen.

Um nun ein Thema zu finden habe ich versucht ganz mit dem Medium zu arbeiten. Das 50er eignet sich nämlich hervoragend für Portraits und Detail-Aufnahmen. Ich suchte also etwas mit interessanten Details und weiten Räumen. Mir schwebten alte Zahnräder vor, Ruß- oder Ölverschmierte Gesichter, die harte Arbeit schreien.

Gefunden habe ich dann allerdings die farbigen Puschel der PomPoms aus Hildesheim.

Puschel für Europa

Bei der Suche nach einer Geschichte googelte ich nach ‚Manufaktur Hannover‘ und gelangte auf die Website der PomPom Manufaktur.
PomPom.
Allein das Wort schon. Ich fand das ganze so ulkig, dass ich sie gleich anschrieb.

Betrieben wird die PomPom Manufaktur von einem Pärchen aus Thüringen, das vor Jahren nach Hannover gezogen sind. Zufälligerweise stammten beide aus der selben thüringischen Kleinstadt, in der auch meine Brüder geboren sind. So war das Eis schnell gebrochen.
‚Manufaktur‘ war allerdings etwas übertrieben. Die beiden haben ein Atelier in einer Künstler-Etage in Hildesheim gemietet und managen alles zu zweit. Viel Arbeit wird von den ‚PomPom-Feen‘ gemacht. Das sind meist Damen, die neben Beruf oder Haushalt PomPoms falten und sie dann stückweise abliefern. Freiberufliche PomPom-Produzenten sozusagen. Die PomPom Manufaktur, mit dem Slogan ‚PomPom your life‘, ist tatsächlich die einzige Firma, die in gesamt Europa PomPoms kommerziell in Handarbeit aus Seidenpapier herstellt. Die Bestellungen kommen daher auch international rein. Verwendung finden die im Durchmesser 30cm bis 90cm großen Puschel als Dekomaterial, zum Beispiel bei Hochzeiten oder Fotoshootings. Aber auch als farbige, luftige Ideen in der Innenaustattung.

Die Schwierigkeit war nun, wie gesagt, das ganze auf Film zu schießen. Statt der üblichen paar hundert Aufnahmen hatte ich maximal 36 Bilder zur Verfügung. 36 kleine Rechtecke auf einem 35mm Farbfilm. Die Belichtung und Blende musste ich immer manuell einstellen, da meine Praktica L keinen Belichtungsmesser hat. Bei jedem Bild war es immer ein Hoffen und Bangen, ob auch wirklich alles korrekt belichtet und/oder auch scharf ist. Schließlich kann man bei einer knapp 40 Jahre alten Kamera nicht mal eben auf der Rückseite nachsehen, wie das Bild geworden ist. Ich musste die Rechtecke vorher planen und mir genau Gedanken machen. Es war aber eine gute Übung.
Man lernt sich zu reduzieren.

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4 Antworten

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  1. pantaophoto said, on 27. Januar 2012 at 05:00

    Für analoge Aufnahmen hast Du eine wirklich gute Auswahl getroffen. Die Fotos gefallen mir gut, und sogar noch etwas besser als die von der Musikreportage. 🙂

    • fritz said, on 2. Februar 2012 at 16:33

      danke, ich hoffe natürlich mich mit jeder Serie zu verbessern, sodass jedes neue Foto besser ist als das vorherige

  2. David Zwadlo said, on 30. Januar 2012 at 02:13

    Hehe… Meine ersten Gedanken beim Betrachten des Films waren… Belichtung: Naja, ein bisschen zu dunkel insgesamt. Aber warum dieser völlig unnötige Körnungsfilter per Photoshop?! Nur, um die Digitalfotos unnötigerweise „auf Alt“ aussehen zu lassen? Wie peinlich!

    😉 Für Analog gute Arbeit!

  3. Marcell Huettner said, on 12. Februar 2012 at 14:23

    Hi Fritz, freu mich über den Blog Eintrag. Und die Tatsache, dass ihn diverse Leute kommentieren (egal wie das subjektive Urteil ausfällt) zeigt, dass er berührt.
    Mittlerweile planen wir, dank weiter guter Nachfrage nach PomPoms, den Umzug vom Atelier in einen größeren „Gewerbekomplex“. Das wird dann eher nach Manufaktur aussehen, mit Lager, Showroom, bastelnden PomPom Feen und was so alles dazu gehört. Vielleicht ergibt sich dann ja eine Folgestory, mit zeitgemässer Technik 😉
    Unsere PomPoms waren übrigens in der Dezember Ausgabe der „Freundin“ zusehen, ebenso in der „Wedding Style“ 01/2012 und im aktuellen „Dawanda“ Love letter.

    Herzliche Grüße,

    PomPom Manufaktur

    p.s.: ich stamme aus Arnstadt (wo du ja auch Familie hast) und Irka aus Gera.


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