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Hochzeit in Grün

Posted in Aufgetragen by fritz on 2. September 2012

Meine erste Hochzeit.

Im Mai war ich in Brüssel und habe eine Reportage über den jüngsten deutschen Abgeordneten der Europäischen Union gemacht. Jan Philipp Albrecht sitzt seit 2009 für die Grünen im Parlament.
Nach der Reportage fragte mich Jan, ob ich nicht seine Hochzeit im Juni fotografieren möchte. Ich zögerte zunächst.
Der Grund, warum ich Fotojournalismus mache, ist, weil ich nichts anderes kann. Ich habe mich auch mal mit Mode, Werbung, inszenierter Fotografie beschäftigt, aber alles wollte nie so recht gelingen. Mein Blick ist journalistisch. Hochglanz-Hochzeit-Bilder würden mir wohl nicht gelingen, sagte ich Jan. Zudem hatte ich zuvor noch keine fotografiert. Tatsächlich war die erste und einzige Hochzeit, die ich erlebte, die von meinem Bruder vor einigen Jahren.

Doch Jan vertraute mir. Das Gespräch mit ihm und der Braut vor der Hochzeit verlief auch sehr angenehm. Vom Alter her sind wir schließlich nicht so weit auseinander. Jan kannte meine Bilder aus Brüssel, dort habe ich ihn auch schon mehrere Tage fast ununterbrochen begleitet.
Der Grund, warum die beiden mich genommen hatten, war also weniger meine Erfahrung oder Bildsprache, sondern dass sie mich kannten und wir uns verstanden. Das Hochzeitspaar hat an ihrem großen Tag andere Sorgen, als sich mit dem Fotografen rumzuärgern. Da muss alles klappen.

Die Hochzeit fand südlich von Potsdam, in Schloss Caputh statt, idyllisch gelegen am Schwielowsee. Für mich war die Nähe zu Berlin natürlich auch sehr praktisch.

Das Vorgespräch fand einen Tag vorher auch vor Schloss Caputh statt. Die Pension des Paares lag über einer Gaststätte. Während wir uns unterhielten, kamen daher auch zwei Personen rein, und fragten, ob sie noch einen Tisch kriegen könnten.

Während des Gesprächs guckte mich die zukünftige Braut konzentriert an. Dann deutete sie auf mich und sagte selbstbewusst: „John-Lennon-Gymnasium!“. Es stellte sich heraus, dass sie mal mit einem Mädchen aus meinem Jahrgang in einer WG wohnte. Wir verstanden uns damals recht gut, und sie muss ihr wohl mal von nem Fritz mit Kameras erzählt haben. Seit dem Abitur hatte ich sie allerdings nicht mehr gesehen. Die Braut versicherte mir aber, dass auch sie zur Hochzeit kommen wird. Zudem arbeitet die Braut in einem Verlag, für den ich auch ab und an tätig bin und kennt sogar meine Kontaktperson dort. Die Welt ist manchmal ein Dorf.

Die Hochzeit war grün, vom Ambiente und den Gästen. Als Abgeordneter in Brüssel zu sitzen, bringt natürlich auch viele Grüne Parteifreunde mit sich, die zur Party geladen waren. Zudem lernte sich das Paar in der Grünen Jugend kennen, wo sie auch viele Freunde haben, welche die Gäste und Trauzeugen stellten.

(Die Grünen Bundestagsabgeordneten, von denen ich keinen kannte, waren übrigens die schnellsten am Buffet)

Ich war sehr aufgeregt und gut angezogen. Mir machten die Paarfotos Sorgen, denn die sollten klassisch gestaltet sein. Paar grinst in Kamera, hält sich innig und so weiter und so fort. Ich studierte die Tage vorher noch ein paar Hochzeitsfotos online, um eine Idee für Posen zu kriegen. Persönlich fand ich die meisten davon langweilig. Auch wusste ich nicht, ob die beiden, die ja keine Models sind, sich so hinstellen können, dass es auch gut aussieht – oder ob ich, der allenfalls mit erfahrenen Modells gearbeitet hat, meine Motiv-Idee so verständlich vermitteln kann, dass sie die Pose auch natürlich umsetzen.

Es war tatsächlich schwierig. Vieles sah nicht wirklich natürlich aus, sodass ich die Ideen schnell änderte und die beiden einfach nur machen ließ. Die besten Bilder, finde ich, sind tatsächlich die kleinen Zwischenmomente, und nicht die großen Posen. Weil sie ehrlich sind.

Ich hatte auch nicht die Ausrüstung, die man bei einer Hochzeit normalerweise findet. Zudem war das Wetter launisch. Der angesagte Regen blieb zwar aus (wahrscheinlich wegen meiner Mutter, die dem Paar alles Gute wünschte und sagte: „Bei einem jungen Brautpaar regnet es nicht!“), doch das Wetter blieb wechselhaft. Knallende Sonne wechselte sich mit Bewölkung.

Ein bewölkter Himmel macht schönes, gleichmäßiges, weiches Licht. Knallende Sonne macht Schatten in den Augen. Vorallem zwischen 12 und 14 Uhr – genau die Zeit, die für die Paarportraits angesetzt war.
Ich hatte zwar einen Blitz dabei, doch das wirkt aber immer recht künstlich, finde ich. Ich habe also versucht, so viel wie möglich ohne zu machen. Das heisst also Schatten inklusive. In meinen Augen das kleinere Übel.
Die einzige Alternative, die man dann noch hat, ist ein Aufheller oder Reflektor. Doch den muss jemand halten. Da ich die gesamte Hochzeit alleine machte, war das schwierig. Es ist auch eine ziemliche Friemelei, das Licht korrekt einzustellen. Lieber gehe ich dann drei Ecken weiter, oder probier etwas anderes aus, als mich zu lange mit einer Situation aufzuhalten.

Die Gruppenfotos waren eine weitere Herausforderung. Um bei zehn, 20, 40 oder 100 Menschen alle auf dem Bild zu haben, so dass alle die Augen geöffnet haben und zur Kamera schauen – das war schon nicht leicht. Bis auf eine Person auf nur einem Foto hat es aber bei allen geklappt!


Namensschilder auf Blättern

Ich bin recht zufrieden mit meiner erste Hochzeit. Das Brautpaar ebenso. Beide sagten mir am Ende, dass sie sich keinen besseren Fotografen hätten wünschen können.
Beim mehrmaligen Durchsehen fallen mir zwar hier und da noch Fehler auf, die ich hätte vemeiden können. Aber, um mal einen geschätzten Dozenten zu paraphrasieren: solange der Klient sie nicht entdeckt, gibts keinen Grund sie zu erwähnen 😉

Zum Programm wurde auch eine Bootstour auf dem Schwielowsee angeboten. In schicken, unbequemen Schuhen und eleganter Kleidung marschierten einige der Gäste zum Bootsverleih, der ein paar Kilometer vom Schloss entfernt lag. Erst langes Warten, dann ging es aufs Floß.

Am Nachmittag war dann Feierabend und die Speicherkarten voll. Das leckere Essen nahm ich neben dem Mädchen aus meinem Jahrgang noch mit, ebenso noch etwas Party, dann gings müde in das Hotelzimmer, das mir freundlicherweise bereit gestellt wurde (obwohl ich nur eine Stunde in mein eigenes Zimmer in Berlin gebraucht hätte).

Insgesamt bin ich zufrieden und weiss, was ich nächstes Mal besser machen kann. Ich bin auch dankbar dafür, dass das Paar mir so lange Zeit gegeben hat, die Bilder auszuwählen und zu bearbeiten, da ich, wie erwähnt, in ein Projekt eingebunden war.

Vielen Dank und alles Liebe, Jan und Julia!

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3 Antworten

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  1. Gian said, on 21. September 2012 at 09:48

    wow echt super Fotos aber das mit den Blättern find ich die beste Idee seit langem

  2. Froschhochzeit | fotografritz / blog said, on 13. März 2013 at 17:58

    […] mir bei meiner ersten Hochzeit noch schwer fiel, waren die Paarportraits. Inszenieren ist ja nicht so meins. Ich hatte diesmal mir […]

  3. Britzhochzeit | fotografritz / blog said, on 21. Juli 2015 at 13:38

    […] fotografiert. Es war erst meine dritte, aber ich denke, so langsam krieg ich den Dreh raus (Nummer 1 / Nummer […]


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