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Mittelmäßig #1

Posted in analog, foto für zwischendurch by fritz on 2. Mai 2015

Ich habe mir einen alten Wunsch erfüllt und einen kleinen Kasten aus Metall mit zwei Linsen gekauft: Eine Mittelformat-Kamera aus den 60er Jahren. (Eine von denen)
Schon 2009 in Tokyo hab ich so eine in mehreren Kameraläden gesehen, ich hatte aber zuvor nie das Geld gehabt.

Ist eine ganz andere Art zu fotografieren, da man nicht auf Augenhöhe durch die Linse schaut, sondern von oben hinein ein ein spiegelverkehrtes Bild. Und dazu noch teure Filme. Den ersten hab ich gleich zerstört, weil ich ihn falsch einlegte. Musste mir dann ein Tutorial auf Youtube anschauen, wie man einen Film richtig einlegt.

Pro Film hat man zehn Rechtecke frei. Jede Rolle kostet so vier bis sieben Euro, die Entwicklung im Labor meines Vertrauens dann nochmal 15 Euro. Also pro Rechteck knapp zwei Euro. Teure Spielerei. Aber bis ich den Dreh wirklich raus hab, muss ich noch viel ausprobieren.

Heidelberg

Posted in analog, foto für zwischendurch by fritz on 18. August 2013

Die Puschel-Produzenten aus Hildesheim

Posted in analog, journalistische abenteuer, Unikram by fritz on 26. Januar 2012

Das 1. Semester ist vorbei. Zeit für für einen Rückblick auf die Themen, die ich für die Uni produziert habe.
Folge 2

Nach ‚Musik‘ gab es kein konkretes Thema. Die einzige Vorgabe war nur, die Geschichte mit einem 50mm Objektiv zu fotografieren. Meiner Lieblingslinse. Zugegeben, ich hab auch nur zwei Objektive in meinem Besitz, zwischen den ich wählen kann, aber das 50er hat viele Vorzüge, die ich im Alltag schätzen gelernt habe. Haken an der Sache war nur, dass die 50mm der Brennweite entsprechen sollten, wie man sie bei teuren Vollformat-Sensoren findet oder beim analogen Kleinbildformat. Es blieb mir also nur meine alte Praktica L.
Vollmetall, ohne Elektrik.

Welche Geschichte wir dann mit dem Objektiv fotografieren, durften wir uns aussuchen. Ich grübelte lang. Ich war damals erst ein paar Wochen in der Stadt und bis zu dem Zeitpunkt noch nicht über eine Geschichte gestolpert, die ich unbedingt erzählen wollte. Zudem setzte das Medium Grenzen: das 50mm Objektiv engt den Blickwinkel ein. Das ist zwar auch der große Vorteil der Linse, da man sich so in der Komposition des Bildes leichter aufs Wesentliche beschränkt. Allerdings sind weite Aufnahmen oder Bilder in engen Räumen schwer umzusetzen.

Um nun ein Thema zu finden habe ich versucht ganz mit dem Medium zu arbeiten. Das 50er eignet sich nämlich hervoragend für Portraits und Detail-Aufnahmen. Ich suchte also etwas mit interessanten Details und weiten Räumen. Mir schwebten alte Zahnräder vor, Ruß- oder Ölverschmierte Gesichter, die harte Arbeit schreien.

Gefunden habe ich dann allerdings die farbigen Puschel der PomPoms aus Hildesheim.

Puschel für Europa

Bei der Suche nach einer Geschichte googelte ich nach ‚Manufaktur Hannover‘ und gelangte auf die Website der PomPom Manufaktur.
PomPom.
Allein das Wort schon. Ich fand das ganze so ulkig, dass ich sie gleich anschrieb.

Betrieben wird die PomPom Manufaktur von einem Pärchen aus Thüringen, das vor Jahren nach Hannover gezogen sind. Zufälligerweise stammten beide aus der selben thüringischen Kleinstadt, in der auch meine Brüder geboren sind. So war das Eis schnell gebrochen.
‚Manufaktur‘ war allerdings etwas übertrieben. Die beiden haben ein Atelier in einer Künstler-Etage in Hildesheim gemietet und managen alles zu zweit. Viel Arbeit wird von den ‚PomPom-Feen‘ gemacht. Das sind meist Damen, die neben Beruf oder Haushalt PomPoms falten und sie dann stückweise abliefern. Freiberufliche PomPom-Produzenten sozusagen. Die PomPom Manufaktur, mit dem Slogan ‚PomPom your life‘, ist tatsächlich die einzige Firma, die in gesamt Europa PomPoms kommerziell in Handarbeit aus Seidenpapier herstellt. Die Bestellungen kommen daher auch international rein. Verwendung finden die im Durchmesser 30cm bis 90cm großen Puschel als Dekomaterial, zum Beispiel bei Hochzeiten oder Fotoshootings. Aber auch als farbige, luftige Ideen in der Innenaustattung.

Die Schwierigkeit war nun, wie gesagt, das ganze auf Film zu schießen. Statt der üblichen paar hundert Aufnahmen hatte ich maximal 36 Bilder zur Verfügung. 36 kleine Rechtecke auf einem 35mm Farbfilm. Die Belichtung und Blende musste ich immer manuell einstellen, da meine Praktica L keinen Belichtungsmesser hat. Bei jedem Bild war es immer ein Hoffen und Bangen, ob auch wirklich alles korrekt belichtet und/oder auch scharf ist. Schließlich kann man bei einer knapp 40 Jahre alten Kamera nicht mal eben auf der Rückseite nachsehen, wie das Bild geworden ist. Ich musste die Rechtecke vorher planen und mir genau Gedanken machen. Es war aber eine gute Übung.
Man lernt sich zu reduzieren.

analog – Palästina und Jerusalem

Posted in analog by fritz on 16. Dezember 2010


Geschäft für Kopftuchmode

Ich hatte es ja schon mal gesagt, meine analoge Kamera hat meinen Film gefressen. Von drei halbvollen Filmrollen waren nur noch zwei zu retten, und selbst die waren nicht komplett koscher – und das obwohl sie in Israel entstanden. Genug mit den schlechten Wortspielen, ich hab einfach das Wetter unterschätzt. Die Hitze machte der Mechanik zu schaffen und die hohe Lichtintensität hat den Film, den ich für diesiges Berliner Wetter kaufte, ziemlich ausgebrannt und ich musste im Nachhinein noch abdunkeln. Ein Freund meinte zu mir, dass man so an der intensiven Helligkeit auch die Hitze und Sonne vom Ort besser spüren kann.

Hier nun die analogen Bilder aus Jenin, Palästina und aus Jerusalem. Die Filme, die ich verwendet habe, waren der Kodak BW 400cn und Agfa APX 400.


Flüchtlingslager, im Hintergrund eine Moschee. In der Straße waren nur wir und zwei Kinder. Ein Junge versuchte seine Schwester nach hause zu kriegen, die laut weinte und nicht wollte.


Ein Frauenzentrum/Kindergarten/Jugendclub im Flüchtlingslager. Arabisches Graffiti.


In der Bibliothek des Hauses, mit vielen arabische Werken aber auch einige englische Bücher, die in den halbkaputten Regalen standen.


Ein Kindergarten im Frauenzentrum, in dem wir auch drehten. Während die Mädels ein Interview führten, holte ich meine Kamera raus und versuchte eines der Kinder abzulichten….


…was mit der analogen Kamera allerdings immer einen Moment brauchte, um Licht und Fokus einzustellen. Das Mädchen machte sich ein Spiel daraus und versteckte sich lachend vor meiner Kamera hinter den anderen Kindern, während ich noch am Fokus drehte. Ich veränderte meine Positionen um das Mädchen zu erwischen, und mit der Zeit versteckten sich alle vor meiner Kamera und rannten weg…


…laut lachend rannten sie aus dem Raum, immer meine Kamera im Blick…


…die Erzieherinnen hatten sichtliche Probleme den Haufen wieder unter Kontrolle zu kriegen…


…während das ganze Kinderlachen mit dem Interview aufgenommen wurde.


Eine Art Beauty-Center im Frauenzentrum, kein Zutritt für Männer. Die Frauen machen sich gegenseitig hübsch und bringen sich diese Fähigkeiten bei. Eine von unseren Mädels haben sie auch das Kopftuch gemacht…


…“das Kopftuch ersetzt die Haare“, sagte sie später, „daher wird auch viel Zeit investiert, es schön zu machen“.


Abdeckung der Außenterasse, die selten die heisse Sonne wirklich abhalten konnte


Küche des Essraums, eine warme Brise wehte immer leicht durch die Tür bis zur Terrasse


Pali-Katze, die den Schatten unter unseren Plastikstühlen sucht


Blick vom Dach, auf den Mond über Palästina, den man auch tagsüber im wolkenfreien Himmel sehen konnte


Freedom Theater im Flüchtlingslager, Freiheit in Palästina


Markt, Markt, überall Markt


Ob er ihr nachschaut?


Der Dattelmann


Jeder wollte immer mit uns reden. Reden, reden, reden. Ich versuchte immer mit anderen unterwegs zu sein, sodass ich nicht in Gesprächen festgenagelt werden, sondern Bildern machen konnte. Hier sind zwei palästinensischen Jugendliche im Gespräch mit einem von uns


Während wir am Laden vorbei gingen, der statt eines Schaufensters einfach eine offene Wand hatte, beobachteten uns die zwei Mädels hinten und tuschelten leise. Der Junge versucht uns in den Laden zu locken, doch hatte Pech.


Der Falafelmann.


Ende vom Markt, für diesen Tag

Jerusalem


Klagemauer


Eine steinerne Altstadt, mit dunklen Gängen und Gassen aus Granit… mit Überwachungskamera…

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