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Britzhochzeit

Posted in Aufgetragen by fritz on 21. Juli 2015

Ende Mai hatte ich mal wieder eine Hochzeit fotografiert. Es war erst meine dritte, aber ich denke, so langsam krieg ich den Dreh raus (Nummer 1 / Nummer 2).

Ich bin kein klassischer Hochzeitsfotograf – herje, ich bin ja nicht mal ein klassischer Fotograf – doch für viele Fotojournalisten sind solche Feste immer ein gutes Zubrot, wenn die Auftragslage gerade mau ist. Denn schlussendlich geht es auch nur darum, Momente zu sammeln. Es gibt auch genug Kollegen, die nur noch davon leben. Wahrscheinlich weil die Medien immer weniger zahlen wollen können.

Diese Hochzeit in Berlin-Britz war sehr angenehm, sicherlich die entspannteste Hochzeit auf der ich bisher war – auch wenn ich mehr als 10 Stunden fotografierte und am Ende knapp 4.000 Fotos entstanden sind. Aber wahrscheinlich hatte ich diesmal einfach mehr Ruhe und Routine drin statt Aufregung. Das unaufgeregte deutsch-polnische Brautpaar trug auch seinen Teil dazu bei, alles war sehr harmonisch.

(Polen sind bei Hochzeiten irgendwie lustiger als die steifen Deutschen, hab ich gemerkt.)

Und ein paar in Farbe hab ich auch:

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Froschhochzeit

Posted in Aufgetragen by fritz on 13. März 2013

Eine deutsch-japanische Heirat.

Ich bin kein Hochzeitsfotograf.
Trotzdem fragte mich Anji in der U-Bahn in Tokyo, ob ich im Dezember zur Verfügung stehe. Es war ein Tag im Oktober und das erste Mal, dass wir uns überhaupt mal richtig sahen. Und trotzdem wollte sie gleich, dass ich bei ihrer Hochzeit Bilder mache. Kurz vor Weihnachten, südlich von Hamburg.
Gerne.

Das erste mal traf ich Anji auf den Straßen von Tokyo im Sommer 2011. Ich war gerade zu Besuch in Japan und lebte wieder in meiner alten WG in Nakano, die inzwischen wieder zahlreiche neue Mitglieder hatte. Eine davon war mit Anji gerade vor der Haustür, als ich Richtung Conbini marschierte. Erst versuchten wir es auf Englisch, dann stellte sich aber raus, dass wir beide aus Deutschland kamen und sogar gleich alt waren. Sie war gerade frisch verheiratet und wohnte in der Nähe. Das war mir direkt mal sympathisch. Alle Deutschen, die ich sonst so in Tokyo traf, waren entweder älter als ich, Studenten mit Stipendium, oder blutjunge Working Holiday Reisende. Anji aber arbeitete. Wie ich.

Als ich vom Conbini zurück kam, war sie bereits weg. Ich hatte unsere Begegnung als Randnotiz meiner Tokyo-Reise schon abgehakt, da entdeckte ich zurück in Deutschland einen Blog. Geschrieben von einer jungen Deutschen in Tokyo. Aus Nakano. Frisch verheiratet. Ich zählte zwei und zwei zusammen und schrieb sie auf Facebook an. Von da an unterhielten wir uns regelmäßig über das Leben und Arbeiten in Japan, kreative Berufe und Hoffnungen für die Zukunft.
Erst bei meiner letzten Reise nach Japan sollte ich sie wirklich kennen lernen. Und kaum zwei Monate später trafen wir uns schon in der Kirche.

Das heisst, getroffen haben wir uns erst nach der Trauung. Doch der Reihe nach.
Um 6 Uhr früh machte ich mich auf dem Weg in Hannover. Es gab einen Kälteeinbruch über Nacht, die Straßen waren glatt und dunkel. Die Straßenbahn Richtung Hauptbahnhof hatte Verspätung und der Zug nach Hamburg kommt nur einmal die Stunde. Es wurde knapp. Im Hauptbahnhof musste ich rennen, um den Zug noch zu erwischen. Neben mir rannten noch andere, die schon in der Straßenbahn neben mir saßen. Doch ich war der schnellste. Hinter mir gingen die Waggon-Türen zu und der Zug fuhr los, eh ich wieder Luft schnappen konnte. Aus dem Fenster sah ich noch meine Mitreisenden. Sie hatten es nicht geschafft. Ich hatte jedoch keine Zeit zu verlieren, schließlich galt es eine Hochzeit zu fotografieren. Der wichtigste Tag im Leben.

Zwei Stunden später in Hamburg wurde ich von Anjis Freundinnen aufgelesen und zur Kirche gebracht. Wir standen eine Weile an einer Ampel, mit dem konstanten Blick auf die Uhr. Um 12 sollte die Trauung sein, es war bereits weit nach 11 Uhr.
Links von uns war ein großes Graffiti, es erstreckte sich über eine ganze Häuserwand. Die Wellen erinnerten mich an ein bekanntes ukiyo-e, eine urjapanische Kunstform. Ich nahm es als Omen für den Tag.

Angekommen suchte ich das Brautpaar, doch beide waren nicht zu entdecken. Die Zeit drängte. Ich bereite mich schon mal vor und schraubte das Objektiv an die Kamera, dass ich mir extra für die Hochzeit besorgt hatte. Ich hatte es zuvor noch nie benutzt, mir wurde aber gesagt, es sei das klassische Hochzeitsobjektiv und man könne damit nicht viel falsch machen.

Das Objektiv wog jedoch schwer in der Hand und in der dunklen Kirche war es schwierig, ein scharfes Bild zu zaubern. Die Braut lächelte mich hingegen vom anderen Ende der Kirche an. Um 12 Uhr sollte ich da sein, und um 12 Uhr war ich da. Das vorher keine Zeit mehr für ein Gespräch oder eine Begrüßung blieb, war nebensächlich. Ich denke, sie war auf jeden Fall erleichtert, sich nun nicht auch noch um den Fotografen zu sorgen – auch wenn der Blick häufig in meine Richtung ging. Ist er noch da? Macht er noch Bilder?

Dann das übliche. Kuss, Ring, Familienfotos. Das kannte ich ja alles bereits. Nur die Weihnachtsdeko irritierte, schließlich war zwei Tage später schon Heiligabend und alles war drauf eingestellt. Auch das Wetter. Weiß in Weiß war die Braut im Schnee. Ein Albtraum für die Kamera. Aber die Braut freute sich.

Als ich mit Bekannten über die Hochzeit sprach, meinten die nur: „Die Braut hat ein Lächeln, da lacht die ganze Welt mit.“
Je mehr ich über die Organisation und die Umstände der Hochzeit erfuhr, desto mehr beeindruckte mich ihr Lächeln. Anji hat das komplette Ding so gut wie alleine organisiert. Auch bei der Hochzeit war sie noch die Managerin, bei der alles zusammenlief. Ganz ohne Trauzeugen oder Brautjungfern. Auch die Eltern nahmen nicht zu viel von ihrer Last ab. Von Tokyo aus organisierte sie nun fast alleine eine große Hochzeit im norddeutschen Hinterland. Mit Mitte 20. Respekt.

(Verheiratet waren die beiden schon vorher, nur jetzt folgte die Zeremonie. Vorher fehlte Zeit und Geld.)

Neben der Braut und dem Bräutigam war ich der einzige, der sich einigermaßen in Deutsch, Englisch und Japanisch verständigen konnte. Ich denke, das war auch eine große Entlastung für die Braut. Mit der Familie des Bräutigams, die extra wegen der Hochzeit nach Deutschland reiste, konnte ich gut reden oder eventuelle Fotokommandos geben. Die Braut musste nicht immer übersetzen.
Der japanische Vater lud mich anschließend auch in sein Haus in Saitama ein. Liebenswert.

„Ich brauche mehr Details“
Vorgaben für die Fotos machte die Braut mir kaum. Ich sollte nur möglichst viele Details und Nahaufnahmen mitnehmen. Auch sollte jeder mal auf einem Foto zu sehen sein. Und dann natürlich noch der Kuchen. Selbstdesignt.

Was mir bei meiner ersten Hochzeit noch schwer fiel, waren die Paarportraits. Inszenieren ist ja nicht so meins. Ich hatte diesmal mir etwas überlegt, wollte aber lieber mit dem arbeiten, was mir geboten wurde. Im großen, dunklen Tanzsaal im Erdgeschoss fand ich dann die Fenster, die mir das beste Portrait erlaubten. Etwas rumprobieren, zwischendurch Nase kratzen und draufhalten. Fertig.

Wir hatten vorher allerdings nicht vereinbart, wie lange ich denn Bilder machen sollte. Der Abend wurde immer länger und die Speicherkarten voller. Am Ende kam ich auf 10 Stunden Fotografieren und 2.400 Fotos. Uff.
Alleine kann man auch gar nicht alles mitnehmen. Mal muss die Karte gewechselt werden, oder für den Kuss ist das falsche Objektiv vorne dran. Wie gesagt, ich bin kein Hochzeitsfotograf. Höchstens ein Hochzeitsfotografritz.

Als Ausgleich für den langen Tag stellte mir das Brautpaar ein Zimmer in dem Gasthaus zur Verfügung. Auch zum Essen war ich eingeladen. Das war einfach nur fantastisch. Und das beste: Sobald der Teller leer war, kam eine Kellnerin und füllte ihn wieder auf. Wie ein nicht versiegendes Füllhorn. Der Traum eines jeden Studenten.

Bevor ich gegen 23 Uhr müde ins Bett fiel, nahm ich noch am Mit-Stäbchen-Essen-Wettbewerb Teil. Ich belegte den dritten Platz, nach zwei Japanern. Aber die waren eh im Vorteil.

Anschließend begann die Nacharbeit. Die über zweitausend Fotos durchzusehen, die ja auch fortlaufend gewünscht wurden, war nicht einfach und dauerte lange. Das zwischendurch noch die Semesterarbeiten an der Uni entstehen und abgegeben werden mussten, tat sein übriges. Die Braut wurde ungeduldig.

Damit sie nicht ganz ohne Bilder war, wagte ich ein Experiment. Bereits in der Kamera fiel mir auf, wie filmisch ich fotografierte. Es ergab kleine Sequenzen oder Perspektivenwechsel. Als ich nun also wieder zuhause war, lud ich alle Fotos auf den Computer und ließ sie als Bilddateien ausrechnen. Alle 2.480. Komplett unselektiert und unbearbeitet. Das reine Exportieren dauerte 5 Stunden.

„Der Unterschied zwischen einem Profi-Fotografen und einem Amateur ist: Der Profi zeigt niemals seine schlechten Bilder.“
So ein Sprichwort, das ich auch in meiner Arbeit (und diesem Blog beherzige). Hier nun aber einmal alle Bilder eines Shootings. Von unscharf bis ungenau. Hier könnt ihr mal sehen, wie ich arbeite, welche Momente viele Fotos fordern und wie ich meine Positionen korrigiere.
Das sind die Bilder, direkt wie ich sie gesehen habe.

Die nächste Hochzeit kommt bestimmt. Aber sicher nie wieder mit so vielen Fröschen.

Mehr Bilder im Blog der Braut: Meine Traumhochzeit

Hochzeit in Grün

Posted in Aufgetragen by fritz on 2. September 2012

Meine erste Hochzeit.

Im Mai war ich in Brüssel und habe eine Reportage über den jüngsten deutschen Abgeordneten der Europäischen Union gemacht. Jan Philipp Albrecht sitzt seit 2009 für die Grünen im Parlament.
Nach der Reportage fragte mich Jan, ob ich nicht seine Hochzeit im Juni fotografieren möchte. Ich zögerte zunächst.
Der Grund, warum ich Fotojournalismus mache, ist, weil ich nichts anderes kann. Ich habe mich auch mal mit Mode, Werbung, inszenierter Fotografie beschäftigt, aber alles wollte nie so recht gelingen. Mein Blick ist journalistisch. Hochglanz-Hochzeit-Bilder würden mir wohl nicht gelingen, sagte ich Jan. Zudem hatte ich zuvor noch keine fotografiert. Tatsächlich war die erste und einzige Hochzeit, die ich erlebte, die von meinem Bruder vor einigen Jahren.

Doch Jan vertraute mir. Das Gespräch mit ihm und der Braut vor der Hochzeit verlief auch sehr angenehm. Vom Alter her sind wir schließlich nicht so weit auseinander. Jan kannte meine Bilder aus Brüssel, dort habe ich ihn auch schon mehrere Tage fast ununterbrochen begleitet.
Der Grund, warum die beiden mich genommen hatten, war also weniger meine Erfahrung oder Bildsprache, sondern dass sie mich kannten und wir uns verstanden. Das Hochzeitspaar hat an ihrem großen Tag andere Sorgen, als sich mit dem Fotografen rumzuärgern. Da muss alles klappen.

Die Hochzeit fand südlich von Potsdam, in Schloss Caputh statt, idyllisch gelegen am Schwielowsee. Für mich war die Nähe zu Berlin natürlich auch sehr praktisch.

Das Vorgespräch fand einen Tag vorher auch vor Schloss Caputh statt. Die Pension des Paares lag über einer Gaststätte. Während wir uns unterhielten, kamen daher auch zwei Personen rein, und fragten, ob sie noch einen Tisch kriegen könnten.

Während des Gesprächs guckte mich die zukünftige Braut konzentriert an. Dann deutete sie auf mich und sagte selbstbewusst: „John-Lennon-Gymnasium!“. Es stellte sich heraus, dass sie mal mit einem Mädchen aus meinem Jahrgang in einer WG wohnte. Wir verstanden uns damals recht gut, und sie muss ihr wohl mal von nem Fritz mit Kameras erzählt haben. Seit dem Abitur hatte ich sie allerdings nicht mehr gesehen. Die Braut versicherte mir aber, dass auch sie zur Hochzeit kommen wird. Zudem arbeitet die Braut in einem Verlag, für den ich auch ab und an tätig bin und kennt sogar meine Kontaktperson dort. Die Welt ist manchmal ein Dorf.

Die Hochzeit war grün, vom Ambiente und den Gästen. Als Abgeordneter in Brüssel zu sitzen, bringt natürlich auch viele Grüne Parteifreunde mit sich, die zur Party geladen waren. Zudem lernte sich das Paar in der Grünen Jugend kennen, wo sie auch viele Freunde haben, welche die Gäste und Trauzeugen stellten.

(Die Grünen Bundestagsabgeordneten, von denen ich keinen kannte, waren übrigens die schnellsten am Buffet)

Ich war sehr aufgeregt und gut angezogen. Mir machten die Paarfotos Sorgen, denn die sollten klassisch gestaltet sein. Paar grinst in Kamera, hält sich innig und so weiter und so fort. Ich studierte die Tage vorher noch ein paar Hochzeitsfotos online, um eine Idee für Posen zu kriegen. Persönlich fand ich die meisten davon langweilig. Auch wusste ich nicht, ob die beiden, die ja keine Models sind, sich so hinstellen können, dass es auch gut aussieht – oder ob ich, der allenfalls mit erfahrenen Modells gearbeitet hat, meine Motiv-Idee so verständlich vermitteln kann, dass sie die Pose auch natürlich umsetzen.

Es war tatsächlich schwierig. Vieles sah nicht wirklich natürlich aus, sodass ich die Ideen schnell änderte und die beiden einfach nur machen ließ. Die besten Bilder, finde ich, sind tatsächlich die kleinen Zwischenmomente, und nicht die großen Posen. Weil sie ehrlich sind.

Ich hatte auch nicht die Ausrüstung, die man bei einer Hochzeit normalerweise findet. Zudem war das Wetter launisch. Der angesagte Regen blieb zwar aus (wahrscheinlich wegen meiner Mutter, die dem Paar alles Gute wünschte und sagte: „Bei einem jungen Brautpaar regnet es nicht!“), doch das Wetter blieb wechselhaft. Knallende Sonne wechselte sich mit Bewölkung.

Ein bewölkter Himmel macht schönes, gleichmäßiges, weiches Licht. Knallende Sonne macht Schatten in den Augen. Vorallem zwischen 12 und 14 Uhr – genau die Zeit, die für die Paarportraits angesetzt war.
Ich hatte zwar einen Blitz dabei, doch das wirkt aber immer recht künstlich, finde ich. Ich habe also versucht, so viel wie möglich ohne zu machen. Das heisst also Schatten inklusive. In meinen Augen das kleinere Übel.
Die einzige Alternative, die man dann noch hat, ist ein Aufheller oder Reflektor. Doch den muss jemand halten. Da ich die gesamte Hochzeit alleine machte, war das schwierig. Es ist auch eine ziemliche Friemelei, das Licht korrekt einzustellen. Lieber gehe ich dann drei Ecken weiter, oder probier etwas anderes aus, als mich zu lange mit einer Situation aufzuhalten.

Die Gruppenfotos waren eine weitere Herausforderung. Um bei zehn, 20, 40 oder 100 Menschen alle auf dem Bild zu haben, so dass alle die Augen geöffnet haben und zur Kamera schauen – das war schon nicht leicht. Bis auf eine Person auf nur einem Foto hat es aber bei allen geklappt!


Namensschilder auf Blättern

Ich bin recht zufrieden mit meiner erste Hochzeit. Das Brautpaar ebenso. Beide sagten mir am Ende, dass sie sich keinen besseren Fotografen hätten wünschen können.
Beim mehrmaligen Durchsehen fallen mir zwar hier und da noch Fehler auf, die ich hätte vemeiden können. Aber, um mal einen geschätzten Dozenten zu paraphrasieren: solange der Klient sie nicht entdeckt, gibts keinen Grund sie zu erwähnen 😉

Zum Programm wurde auch eine Bootstour auf dem Schwielowsee angeboten. In schicken, unbequemen Schuhen und eleganter Kleidung marschierten einige der Gäste zum Bootsverleih, der ein paar Kilometer vom Schloss entfernt lag. Erst langes Warten, dann ging es aufs Floß.

Am Nachmittag war dann Feierabend und die Speicherkarten voll. Das leckere Essen nahm ich neben dem Mädchen aus meinem Jahrgang noch mit, ebenso noch etwas Party, dann gings müde in das Hotelzimmer, das mir freundlicherweise bereit gestellt wurde (obwohl ich nur eine Stunde in mein eigenes Zimmer in Berlin gebraucht hätte).

Insgesamt bin ich zufrieden und weiss, was ich nächstes Mal besser machen kann. Ich bin auch dankbar dafür, dass das Paar mir so lange Zeit gegeben hat, die Bilder auszuwählen und zu bearbeiten, da ich, wie erwähnt, in ein Projekt eingebunden war.

Vielen Dank und alles Liebe, Jan und Julia!

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