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Sonnenwende

Posted in Reis und Reisen, Video by fritz on 29. Juni 2015

(“WTF” heißt “Welcome to Finland”)

Ich bin spontan für eine Woche zu guten Freunden nach Finnland geflogen und habe ein paar Sachen fotografiert. Der Flug dauerte so lange wie die Fahrt mit dem ICE von Hannover nach Berlin. Hinsetzen, den angebotenen Tee trinken, einmal aufs Klo und zack, schon ist man 1.200 Kilometer nordöstlich in der europäischen Nachbarschaft.
Kurz vorm Rückflug nach Berlin blieb sogar noch Zeit für einen kleinen Film, den ich aber wahrscheinlich erst nächsten Monat fertig machen kann. Vorher gibts noch ein paar Sachen für die Uni zu fotografieren und mehrere tausend Fotos zu editieren.

Die langen Tage um Juhannus sehen keine Dunkelheit, erst gegen Mitternacht setzt eine gewisse Dämmerung ein. Doch die Sonne verschwindet nie komplett.
Der längste Tag des Jahres hat in Finnland eine große kulturelle Bedeutung. Auf dem Land gibt es Feste mit Lagerfeuer – bei unserem war auch die finnische ARD dabei (bei 2:08 bin ich im Bild). Zuhause wird in den Tagen um die Sonnenwende viel getrunken, gegessen und gelacht. Tatsächlich war der Rhythmus so: Aufstehen – Essen – Essen vorbereiten – Essen – Nickerchen – Essen vorbereiten – Trinken und Essen – Schlaf. Dazu Sauna am See bis Mitternacht und baden im kalten Wasser. Ich habe mich lange nicht mehr so lebendig gefühlt. Und ich habe beim Spiel Möckely gewonnen und wurde zum König von Juhannus ernannt.

Im Video oben sind alle Bilder aus meiner Reise enthalten, Handy + Kamera. Unbearbeitet und roh. Etwas betrunken* war ich zwischen 1:04 und 1:13, 1:28 und 2:03 und dann noch mal zwischen 5:06 und 5:08.

*Die Finnen trinken gerne und als Gast muss man mitmachen. Ich persönliche trinke recht selten und wenn dann wenig. In der Woche habe ich wohl mehr Alkohol konsumiert als in den ganzen sechs Monaten zuvor.

Die erste Hälfte von 2015 war bei mir eher… suboptimal. Viele Absagen, Ablehnungen oder gescheiterte Projekte. Daher viel Langeweile und freie Zeit. Zusätzlich sind oft Seminare ausgefallen, sodass ich in Hannover irgendwie nutzlos feststeckte. Fühlte mich wie eingeschneit. Ich war glaube seit fünf Jahren nicht mehr so lange am Stück unzufrieden wie im letzten halben Jahr.
Die Reise nach Finnland ist für mich jetzt eine Wende und Anlass, einige Sachen zu ändern. So werde ich nach vier Jahren nun meine Wohnung in Hannover auflösen und mehr reisen. Die Uni werde ich noch abschließen, aber die wenigen, restlichen Kurse werde ich von Berlin aus wahrnehmen.

Ab jetzt werden die Tage wieder kürzer. Vielleicht auch besser.

Aus Licht und Stahl

Posted in Reis und Reisen, Video by fritz on 19. Mai 2015

Lichtdruck ist eine alte Technik aus Europa, welche heute nur noch in Japan existiert. Osamu Yamamoto ist Leiter einer der letzten Lichtdruck-Werkstätten in der Welt.

Er arbeitet für die Firma Benrido in Kyoto und ist dort mit seiner Studio unter anderem für das Kaiserliche Hofamt von Japan tätig. Für die Kaiserliche Familie stellen sie Nachdrucke und Kopien her, von alten Schriftrollen, Zeichnungen und Briefen, die teilweise mehrere Jahrhunderte alt sind. Sie bewahren Japans kulturelles Vermächtnis für die nächsten Generationen.

Zur letzten Jahrhundertwende war Lichtdruck die führende Technologie für Massendrucke und in der ganzen Welt verbreitet. In vielen Museen hängen heute noch Lichtdrucke alter Fotos und Gemälde.
In den vergangenen fünf Jahren haben die letzten verbliebenden Lichtdruckereien in Florenz und Leipzig ihre täglichen Geschäfte eingestellt. Heute gibt es weltweit nur noch zwei Werkstätten, beide befinden sich in Kyoto. Benrido ist die größere Firma und die einzige, die Lichtdrucke in Farbe herstellen kann.

Mit vorheriger Anmeldung kann man das Lichtdruck-Studio von Benrido in Kyoto besichtigen. Sie bieten in einem eigenen Shop auch Postkarten und andere kleine Lichtdrucke an.

Firma Benrido


Aktuelle Entwicklung von Lichtdruck in Deutschland

Soundtrack von Mario Kaoru Mevy


Drei Filme fertig, einer kommt noch…

“Aus Licht und Stahl” ist definitiv anders als “Puppen” und “Houshi”. Aber trotzdem eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden.

Tabetai!

Ich bin immer noch dabei mein Material aus Japan zu editieren. Da ich das meiste eh für meine Projekte fotografiert habe, sind solche Zwischenbilder wie dieser eher rar.

Im Dezember 2013 war ich für einige Tage in Kansai, auf dem Weg von Hiroshima nach Tokyo. Ich war tatsächlich vorher nie länger als 24 Stunden in Kyoto oder Osaka. Immer nur durchgefahren und dran vorbei.
Osaka hatte mich damals etwas enttäuscht, obwohl ich keine wirkliche Erwartung an die Stadt hatte. Mein Zimmer war zwar hier, aber die meiste Zeit fuhr ich nach Kyoto. Und auch Kyoto enttäuschte mich damals etwas. Erst beim dritten Besuch, im Mai 2014, konnte Kyoto mich wirklich gewinnen. Denn erst da fing ich an die Touristenzentren zu meiden und mir von Freunden charmante Ecken zeigen zu lassen.

Mein Zimmer in Osaka lag übrigens in der Gegend, die als der einzige Slum von Japan gilt: Kamagasaki. Früher war das eine Boomtown für Tagelöhner. Hotels für die Arbeiter deckten schnell den Bedarf der Pendler ab. Aber die Arbeit blieb irgendwann mal aus und der Bezirk ging den Bach runter. Wenn ich japanischen Freunden erzählte, wo mein Hostel ist, meinten die nur “Oh…”. Der Bezirk ist unter anderem durch gewaltsame Ausschreitungen der Obdachlosen bekannt.
Ich schickte meinem Professor, den ich als Austauschstudent immer mal informieren sollte, wo ich denn nun bin, eine Email. Der meinte nur: “Oh, guck dir dann mal Tobita Shinchi an, das ist gleich um die Ecke. Aber mach keine Fotos. Das Gebiet wird von den Yakuza kontrolliert und Yakuza mögen keine Fotos.”

Tobita Shinchi ist ein riesiges Bordell. Vergleichbar ist es mit Amsterdam: Die Damen sitzen, japanisch hübsch gemacht im Kimono, im Schaufenster. Eine ältere Dame, meist eine ehemalige Prostituierte, ruft dann die Kundschaft heran. Offiziell ist Prostitution in Japan zwar verboten, aber das juckt hier keinen. Die Geschäfte gelten auch als “Restaurants”. Sie haben sogar eine eigene Gewerkschaft, dessen ehemaliger Vorstand später zum Bürgermeister von Osaka wurde. Kleine Lektion über die Verknüpfung Yakuza, illegale Geschäfte und Politik in Japan.

Im Umkreis meines Hostels gab es geschätzt noch einhundert andere. Es sind alles die ehemaligen Hotels der Tagelöhner. Abgeranzt aber billig. Und daher überall Ausländer, wie mich.
Keine 500 Meter entfernt lag auch schon das Bordell. Ich bin eines Abends mal ohne Kamera hin. Die Straßen in dem Viertel waren tatsächlich sehr viel anders, zu dem Japan, was ich kenne. Dunkel, nirgends Geschäfte oder Neon. Und nur Herren im mittleren Alter in abgerockter Kleidung. Keine Geschäftsmänner, Studenten oder Schulmädchen. Die einzigen Läden waren Wäschereien und öffentliche Badehäuser. Nicht mal einen Conbini konnte ich sehen.

Die alten Damen im Bordell versuchten natürlich mich zu locken. Sie riefen immer “Oniiiiiiichan” (Brüderchen) und winkten. Die jungen Mädchen neben ihnen waren tatsächlich sehr hübsch.

Auf Youtube gibt es ein Video, das aus dem fahrenden Auto heraus gemacht wurde. So bekommt ihr vielleicht einen Einblick.

Doch genug von Bordsteinschwalben. Eigentlich wollte ich ja über etwas andere Vögel berichten.

Es lag ein heftiger Regen über Osaka, also konnte man eh nicht viel machen. Und eines der größten Aquarien der Welt kann man sich mal angucken.

Das Kaiyuukan in Osaka ist das größte Aquarium in Japan und weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Hinter dreißig Zentimeter Plexiglas gibt es einen Blick auf riesige Becken mit Tieren und Fischen aus Japan und dem Rest der Welt.

Das Wort, was ich von den japanischen Besuchern am meisten hörte, war “Tabetai!”. Frei übersetzt “Das will ich essen!”

Die Seehunde hatten oberhalb der Kuppel nur ein kleines Becken, daher waren sie natürlich angehalten, immer wieder mal nach unten zu tauchen. Hier, wie auch in den anderen Becken, merkte man deutlich, dass sie auf die Zuschauer reagierten. Gerade die Delfine spielten oft mit denen vor der Scheibe.

Fotografisch war das alles nicht sehr einfach. Durch das dicke Plexiglas kriegt man schon mal eh keine gestochen scharfen Fotos hin. Die Lichtsituation war auch furchtbar. Ständig blitzten auch die Handyknipsen der Besucher gegen das Glas. Aber die größte Herausforderung waren natürlich die Tiere selbst. Man muss schon eine Weile warten bis die Tiere sich genau so in den Bildausschnitt bewegen, wie es passt.

Ich hatte vor Jahren in einer Plattform für junge Fotografen ein Bild aus einem Aquarium in Okinawa entdeckt. Online finde ich es jetzt nicht mehr, aber es sieht ungefähr so aus wie die hier alle. In Osaka hatte ich das Bild auch im Hinterkopf und wollte zumindest was gleichwertiges hinkriegen. Aber wie auch in der echten Natur gilt in der Fotografie: man braucht Geduld bis alle Elemente glücklich ins Bild fallen.

Houshi

Posted in Reis und Reisen, Video by fritz on 18. Dezember 2014

Houshi Ryokan existiert seit rund 1.300 Jahren und seit der Gründung wurde es stets von der selben Familie geleitet. Es ist das älteste Familienunternehmen auf der Welt, welches noch aktiv in Betrieb ist.

Dieses Ryokan (ein traditionelles, japanisches Hotel) wurde über einer heißen Quelle im Jahr 718 im kleinen Ort Awazu in Zentral-Japan gebaut. Bis 2011 hielt es den Rekord für das älteste Hotel der Welt.

Houshi Ryokan wurde im Laufe der Jahrhunderte von Mitgliedern der Kaiserlichen Japanischen Familie besucht und von zahlreichen einflussreichen Künstlern. Die Gebäude des Hotels wurden viele Male durch Naturkatastrophen zerstört, aber die Familie hat sie stets wieder aufgebaut. Der Garten sowie einige Teile des Hotels sind mehr als 400 Jahre alt.

Houshi (法師) bedeutet „buddhistischer Priester“. Es ist der Name von der Familie und vom Hotel.

Houshi-Homepage (japanisch)
Wikipedia über Houshi

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