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Ohne Brüste und Budget zu einer halben Million Klicks

Posted in journalistische abenteuer, schon merkwürdig by fritz on 23. November 2014

Im November 2013 fotografierte ich eine Geschichte. Im April 2014 stellte ich sie online. Im November 2014 hat das Video eine halbe Million Aufrufe – und im Japanischen Fernsehen war ich damit auch.


Eine Zusammenstellung einiger Webseiten, die das Video teilten. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, um die 50-100 werden es aber vielleicht schon sein.

Hintergrund: Die Geschichte, um die es geht & Making-Of & Schnitt

23. April 2014

Nach mehr als einem Monat im Schnitt geht die Geschichte „Im Tal der Puppen“ auf Asienspiel.ch online. Ich hatte sie zuvor allen großen Redaktionen angeboten, aber es gab keine Antwort. Nur der Stern hatte sich gemeldet: Schöne Geschichte, passt aber leider nicht.

Ich musste es unbedingt bis Ende April fertig haben, denn ich wollte den Beitrag bei einem Wettbewerb einreichen, dessen Deadline sieben Tage später angesetzt war.

26. April 2014

Bereits drei Tage nach dem Upload stand die englische Version vom Video bei mehr als 10.000 Klicks. Vimeo wählte es zum Video des Tages.

Mai 2014

Zwei Wochen später waren es bereits 150.000 Klicks. Die deutsche Version vom Video war weit unter 1.000. Ich bekam nun die erste Anfrage von Medien weltweit, die meisten aus dem angelsächsischen Raum. Nur die deutschen Redaktionen hielten sich zurück.
Mich schrieb auch eine ungarische Drehbuch-Autorin an, die auf Basis meiner Geschichte gerne einen Kurzfilm machen würde.

Mit Bloomberg Media gab es nun auch schon den ersten Nachahmer, der die Geschichte und teilweise ganze Einstellungen kopierte.

Juni 2014

Es gab weitere Anfragen von Medien und die erste Verkäufe der Geschichte. Auch der Stern meldete sich nun wieder. Sie haben die Geschichte irgendwo online gesehen und wollten nun eventuell eine Doppelseite bringen. Wurde aber leider nichts draus, ich hatte nicht das passende Motiv.

Nun meldete sich auch die japanische Presse bei mir und es kam zum ersten Beitrag im japanischen Fernsehen.

Redakteur war ein unruhiger Japaner Ende 30 mit rot gefärbten Haaren

Asahi-TV wurde auf mich aufmerksam durch zwei Beiträge in der Asahi-Zeitung, Tokyo und Osaka-Edition. Ohne mein Foto, da das Interview per Mail geführt wurde.


Den Beitrag übersetzten sie dann auch für die chinesische Ausgabe der Asahi

Juli 2014

Das zweite Interview fürs japanische Fernsehen. Wieder Asahi-TV, aber eine andere Redaktion. Wie schon beim ersten Gespräch machen wir das Interview in meinem Arbeitsraum an der Uni.

Der Redakteur war diesmal nicht dabei, sondern nur der Kameramann – ehemaliger Rugby-Spieler aus Tokyo.

Mittlerweile hatte sich an der Uni in Hiroshima herumgesprochen, dass ständig über diesen Ausländer berichtet wird. Eines Morgens sagte die Kassiererin im Uni-Kiosk zu mir „Ich hab dich gestern im Fernsehen gesehen!“
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, und antwortete nur „Tut mir leid…“

Die ganze Aufmerksamkeit der japanischen Presse hatte vier Gründe.

1. Ayano Tsukimi, der Puppenfrau, schickte ich im Mai die DVD und ein paar Drucke der Fotos. Sie war wohl so begeistert von mir und dem Film, dass sie jeder Redaktion, die sie nach meinem Video besuchte, meine Kontaktdaten gab und meinte „trefft euch mal mit dem!“ So haben mich viele der Journalisten erst erreicht.

2. Mein Video, welches zu dem Zeitpunkt bei knapp 350.000 Aufrufen stand, ist weltweit abgegangen und sorgte für einen wahren Boom des Tourismus in der Region. Vor allem Ausländer tauchten jetzt im „Tal der Puppen“ auf. Das lokale Tourismus-Büro (vor dem ich damals parkte) stellte sich auf die Fremden und das Video ein. Ein Redakteur berichtet, dass die Taxifahrer im Tal mir besonders dankbar sind für den nun erhöhten Umsatz. Obwohl die Geschichte der Puppen nicht neu war – die Entwicklung mit den vielen ausländischen Touristen war eine Meldung wert.

3. Dann natürlich der Exotenbonus – ein blonder Austauschstudent macht eine Geschichte aus Japan. Eine Zeitung schrieb, dass die Puppen „durch einen deutschen Studenten nun in der ganzen Welt bekannt sind“, was ich für etwas übertrieben hielt.

4. Und Schlussendlich war ich auch einfach der erste, der die Geschichte brachte. Also der erste westliche Journalist. Denn die Japaner waren vor 5 Jahren bereits da, und Taiwan vor 2 Jahren. Ich hatte nur gerade Glück mit dem Timing. Die Redaktionen wollten die Geschichte bringen, und haben mich aus Respekt und Höflichkeit (und sicher auch kuriosen Interesse) in jeden Bericht über die Puppen mit eingebunden.

Es gibt in Japan drei Zeitungen, die im ganzen Land erscheinen. Das ist die Yomiuri, die Mainichi und die Asahi. Alle drei haben mich interviewt. Nur die Yomiuri hat mich dann rausgekürzt. Aber das Interview mit denen war auch das furchtbarste von allen. Es ging zwei Stunden und die unsichere Dame hatte keinen Übersetzer organisieren können. Englisch konnte sie natürlich nicht. Das Gespräch zog sich also, weil ich ab und an mal ein Wort nachschauen musste. Mittendrin schweifte sie dann immer wieder ab und erzählte mir zum Beispiel von den Volksfesten in ihrer Heimat. Ich fragte sie direkt „okay, aber was hat das jetzt mit dem Interview zu tun?“ Die Antwort: „Ach, eigentlich nichts.“
Am Ende fragte ich sie noch, ob das nun ihr erstes Interview mit einem Ausländer war. Sie sagte kleinlaut „Ja….“

August 2014

Nun kam die letzte Anfrage für ein Interview, diesmal von Fuji TV. Ich hatte eigentlich keine Lust mehr, also diktierte ich meine Bedingungen. Ich war nämlich ziemlich voll mit Terminen für die nächste Geschichte und musste viel Material drehen. Meine Bedingungen waren also: ihr kommt zu mir, und nicht ich zu euch und ihr stellt nen Übersetzer.

Ich hatte damals auf ner Insel gedreht. Sie kamen tatsächlich auch zur Küste und brachten einen Übersetzer aus Hiroshima mit.

12 Uhr mittags, 34°C, ein 45 Minuten Interview unter der prallen Sonne. Ich holte mir einen fürchterlichen Sonnenbrand in einem Gespräch, das dann nicht gesendet wurde. Das ganze sollte nämlich für eine dieser japanischen Gameshows gemacht werden, der Name „それマジ!!??“ („sore maji!!??“)
Es war einer dieser Shows, die man schnell produziert, mit den üblichen 12 Comedians besetzt und dann wieder verschwinden lässt. Konzept war: Die Comedians bekommen Aussagen über eine kuriose Geschichte vorgesetzt und müssen raten, um was es geht. Die Übersetzerin habe ich im Interview eigentlich nicht gebraucht, die Sätze waren simpel genug.

Mein Beitrag wurde dann rausgeschnitten – weil ich die Spielchen der Redakteurin nicht mitmachen wollte. Die sagten mir nämlich vor, wie ich meine Sätze zu formulieren haben und was ich sagen sollte. Das hab ich konsequent nicht gemacht. Ich sollte nämlich unter anderem sagen: „Das Dorf ist voll gruselig“ und so empfand ich einfach nicht.

September 2014

Nun kam die bisher letzte Anfrage vom japanischen Fernsehen, diesmal NHK (die japanische ARD). Die hätten sogar die Möglichkeit gehabt, ihr Büro in Berlin zu verständigen, aber zu einem Interview kam es nicht. Weil sie mir aber „so viele Umstände bereitet haben“ und ich dann doch nicht auf Sendung war, gaben sie mir etwas Geld. Nett.

Am 25. September kam dann die Email: Ich habe bei dem Wettbewerb, bei dem ich die Geschichte Ende April einreichte, den 1. Platz gemacht.

Der Tag war abwechslungsreich.

Um 10 Uhr begann das erste Seminar von diesem Semester. Am Tag zuvor war ich nach über einem Jahr wieder nach Hannover zurückgekehrt.
Um 11 Uhr kam die Email vom Wettbewerb. „Herzlichen Glückwunsch, du hast gewonnen! Aber bitte bewahre noch Stillschweigen bis zur Presseerklärung.“
Um 12 Uhr wurden meine Fotos aus Japan an Wand projiziert, u.a. auch die Puppen. Der Dozent fand die Fotos Scheisse. Er hatte noch mehr Worte für meine Geschichten aus Japan übrig, keines davon war positiv. Er hatte nur eine Lektion aus meiner Arbeit, die er den Kommilitonen sagte „Macht keine großen Geschichten!“
Um 12.30 Uhr eine automatisierte Email vom Wettbewerb: „Danke für deinen Beitrag, leider hat es nicht geklappt.“
Um 13 Uhr, ich saß immer noch im Kurs, ging die Pressemeldung online. Auf Twitter hagelte es Glückwünsche. Ich bewahrte mein Pokerface und sagte in der Uni nichts.

Um 21 Uhr von diesem ereignisreichen Donnerstag traf ich ein Mädchen zum Sushi. Sie suchte das Lokal aus. Ich begrüßte die Angestellten auf Japanisch, doch es kam keine Reaktion. Als sie sich später unterhielten und ich das Sushi schmeckte, merkte ich auch, dass hier Thailänder das Lokal führen.
Dem Mädchen erzählte ich nichts vom Preis. Ich wollte nicht angeben. Außerdem sind Mädchen ja meist eher mit ihren Sachen beschäftigt, da wollte ich nicht unterbrechen.

Medien, welche die Geschichte von mir kauften:

– Pro7 (Redaktion Galileo)
– Rheinpfalz am Sonntag
– La Repubblica (Italien)
– Art Investor
– travelbook.de
– ein französisches Magazin, deren Name ich vergessen habe (die haben bis heute eh noch nicht bezahlt)

Ich möchte noch einmal betonen:
Keiner dieser Redaktionen habe ich die Geschichte angeboten. Alle haben mich angeschrieben, weil sie die Geschichte irgendwo gesehen haben.

Pro 7 zahlte mit Abstand am meisten und pünktlichsten. Die Italiener ließen sich am meisten Zeit.

Filmfeste

Es haben mich fünf Filmfeste angeschrieben, vier davon sagte ich zu. „Im Tal der Puppen“ lief bzw. läuft noch auf Filmfesten in London, New York, Italien und den USA. Auch hier gilt: Ich habe den Film nirgendwo eingereicht, die Feste kamen auf mich zu.

Medien, welche die Geschichte zwar haben, aber nichts dafür zahlen wollten:

– BBC
– Vanity Fair
– Australisches Magazin übers Stricken
– Voice of America

Die BBC und Voice of America waren am hartnäckigsten. Erst als sie mich zum vierten Mal per Email und zusätzlich noch per Facebook und Twitter kontaktierten, sagte ich ab.

Ergänzend möchte ich auch die Daily Mail und The Sun aus Großbritannien erwähnen. Die wollten zwar zahlen, aber da wollte ich die Geschichte und meine Arbeit nicht sehen. Es gab noch diverse andere Medien, die ohne was zu zahlen meine Arbeit zeigen wollten, aber die meisten davon sind hier relativ unbekannt. Ich habe keine komplette Liste geführt, aber insgesamt waren es wohl so 30-40 Medien, die mich anfragten.

Medien, welche nichts dafür zahlen wollten, ich aber trotzdem zusagte

– Discovery Channel
– The Atlantic

Beides war im Mai, also kurz nach Upload. Weil ich zu dem Zeitpunkt nur Absagen von deutschen Redaktionen bekam, nahm ich das nächstbeste zu einer Bezahlung: Aufmerksamkeit. The Atlantic habe ich es auch gestattet, weil sie mit In Focus eine großartige fotojournalistische Arbeit machen.

Nach dem Vimeo Staff Pick, aber auch vorher schon, haben sehr, sehr viele Blogs und Webseiten die Geschichte aufgenommen. Sie teilten das Video oder zeigten Screenshots oder einzelne Fotos. Nie hatte mich einer vorher um Erlaubnis gefragt, aber ich ließ das mal laufen. Ich wollte sehen, wie weit das Video es aus eigener Kraft schafft, ohne dass ich es anschieben muss.

Ich ahnte von Beginn an, dass die Geschichte abgehen wird. Wie sehr, das war mir bis zum Schluss nicht klar.

Mein Problem zu Beginn war, dass ich als junger Journalist keinen direkten Kontakt zu den Redaktionen hatte, denen ich es anbot. Ich hatte keine Vertriebsnetzwerk.
Durch die Verbreitung im Netz erhielt ich aber Angebote von Adressen, an die ich niemals dachte. Das Internet wurde mein Vertriebsnetzwerk.

Aber es hat natürlich auch Schattenseiten. Googelt man jetzt „Nagoro“ so sind 90% der Bilder von mir. Wie gesagt, meist veröffentlicht ohne meine Erlaubnis. Wenn das irgendein Blog oder kleine Webseite macht – was solls. Es ist der Preis, den ich für die Verbreitung zahle.

Allerdings hat sich auch die Vanity Fair Italien bedient. Sie haben eine 16-teilige Foto-Klickstrecke mit meinen Fotos gebastelt – ohne meine Erlaubnis.
Ich suche regelmäßig online nach der Geschichte, um zu sehen, wo sie überall auftaucht. So habe ich zum Beispiel auch herausgefunden, dass ein amerikanischer Autor angefangen hat, eine Horror-Geschichte zu schreiben, inspiriert vom Video. Meinen Charakter, den Filmemacher, hat er gegen eine lesbische Filmstudentin und ihre Latino-Partnerin ausgetauscht. Hab ich persönlich absolut null Probleme mit.

Bei der Suche schaue ich aber nur nach deutschen oder englischen Begriffen. Deswegen habe ich drei Monate lang nicht gesehen, dass die italienische Vanity Fair meine Bilder klaute.
Wie gesagt, wenn irgendein privater Blog das macht, ist mir das egal. Wenn aber die Vanity Fair, die zu Condé Nast gehört – einem der größten Verlage der Welt – dann stört mich das schon sehr. Ich habe mir deswegen auch inzwischen schon einen Anwalt gesucht und schiebe jetzt ein Verfahren an.

Ein Redakteur von Asahi TV erzählte mir kurz vor dem Interview, dass er am Tag zuvor im Tal bei den Puppen war. Dort habe er ein deutsches Fernsehteam gesehen. Die Information machte mich stutzig. Im fertigen Beitrag sah ich dann auch das Team und fragte auf Twitter die Redaktion vom Weltspiegel und zum Schluss den (inzwischen ehemaligen) Tokyo-Korrespondenten der ARD. Die bestätigten mir, dass sie in der Tat dort drehten. Das ganze passierte knapp zwei Monate nachdem ich die Geschichte hochgeladen hatte. Ich fragte also „Na, wie seid ihr denn drauf gekommen?“ und hatte schon eine gewisse Ahnung…
Aber nein, hieß es, es sei nur Zufall, dass ich die Geschichte kurz vorher machte… Nunja, sei es drum. Ich fands trotzdem schade. Ich hätte mich über einen Kontakt unter Kollegen gefreut, vielleicht hätte ich ja weiterhelfen können.

Der fertige Beitrag beim NDR.


Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

Die Preisverleihung

Am 6.11. war dann in Frankfurt am Main die Preisverleihung vom dpa-Newstalent 2014, wo ich mit der Geschichte den ersten Platz belegte. Dem vorher gingen bereits mehrere Pressemeldungen und auch ein Beitrag in der hannoverschen Lokalpresse.

Beim Einchecken im Hotel sah ich schon die anderen Preisträger in der Lobby. Die eine erkannte mich schon. „Du bist Fritz Schumann, richtig? Ich kenn dich von Twitter!“ Im Verlauf des Tages sollten noch mehr Menschen auf mich zukommen, die meinen Namen kannten, auch wenn ich die Personen noch nie zuvor sah. Ein merkwürdiges Gefühl.

Als ich beim Einchecken dem Hotel meinen Namen nannte, schaute mich ein Herr im Anzug von gegenüber an. „Sie sind Fritz Schumann, richtig? Ich bin Chefredakteur der dpa, ich halte nachher die Laudatio auf sie. Ich habe mir extra Ihren Beitrag ausgesucht, weil er mich so beeindruckt hat.“
Ich konnte nur Danke sage und wusste sonst nicht, was ein so erfahrener und erfolgreicher Journalist mit mir will. Ich ging aufs Klo.

Die Preisverleihung fand im Rahmen der Jugendmedientage 2014 statt, eine Veranstaltung der Jugendpresse Deutschland. Ich war dort früher auch aktiv, bis ich das erste Mal nach Japan flog. Keiner, den ich noch kannte, war mehr dabei. Nur neue Gesichter.

Unser Platz in der zweiten Reihe war reserviert, wir sollten zum Schluss auf die Bühne kommen. Es gab viele Reden und viel Langeweile. Lustig war nur der Aufritt der ehemaligen Redaktionsleiterin der taz, die einen kleinen Kommentar gegen die Presse von Springer so im Nebensatz äußerte. Ich sah in dem Moment in die Reihe hinter mir. Dort saßen Vertreter der Axel-Springer-Akademie, welche die Veranstaltung mitorganisierten. Der halbe Saal feixte, ihre Mienen blieben ernst. Ich lachte.
Tatsächlich wurde ich immer nervöser. Neben mir saß der 2. Platz, die mit Sekt gegen die Aufregung kämpfte und unruhig ihrem Auftritt entgegen sah. Als sie fertig war, grinste sie mich nur breit an. Denn ich war der nächste.


Laudatio… waaahh…

Im Zeitplan, der uns am Abend zuvor per Mail erreichte, stand der genaue Ablauf drin. Nur zwei Minuten hatten wir nach der Laudatio auf der Bühne Zeit für Fragen. Dabei hätte ich viel zu sagen gehabt.

Im Publikum saßen 500 angehende Journalisten, die mich schon während meines Auftritts auf Twitter zitierten. Neben mir der Chef der größten Nachrichtenagentur Deutschlands. Und hinter mir mein eigener Kopf, überlebensgroß projiziert.


Foto: Zeno F. Pensky

Ich vermeide ja jede große Ansammlung von Journalisten wo es nur geht. Viele leere Gespräche über diese „Zukunft des Journalismus“ und die Branche. Dabei findet der Journalismus draußen statt. Nicht drinnen, bei einer Nabelbeschau. Die Frage nach der Zukunft des Journalismus stellt sich mir schon lange nicht mehr. Wir vergeuden so viel Zeit damit, darüber zu reden und Theorien anzustellen, anstatt rauszugehen und zu recherchieren.

(Die Gespräche mit der dpa und den anderen Preisträgern bis 1 Uhr nachts waren dann aber doch ganz spannend.)

Journalismus ist schon komisch manchmal. Ein Jahr zuvor bin ich ins Tal gefahren, um eine Geschichte zu finden. Ein Jahr später stehe ich wegen exakt dieser Geschichte auf einer Bühne und rede zu einem großen Saal der mir am Ende auch noch applaudiert.


Eine Freundin von mir aus Japan nennt das immer das „fritz-face“

Und nach einem halben Jahr online, zwei Tage nach der Preisverleihung war es endlich geschafft:

Die deutsche Version vom Video schaffte es über die 1.000 Aufrufe!

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Sommertreff im Bahnhof Alexanderplatz

Posted in schon merkwürdig by fritz on 9. Mai 2010

Der Bahnhof Alexanderplatz ist ein Bahnhof in Berlin, meiner Heimat, direkt beim Fernsehturm und der Redaktion der Berliner Zeitung, für die ich dort gearbeitet habe. Was hat nun Tokyo und Japan mit einem Sommertreff in Berlin zu tun?

Nun, dies hier:

Das hier ist ein Ausschnitt aus dem Anime-Film „Cowboy Bebop – Knockin‘ on Heaven’s Door“, der Kinofilm zum gleichnamigen und hochgradig genialen Anime Cowboy Bebop, einer Serie über Kopfgeldjäger in Raumschiffen, der in der Zukunft auf dem Mars und den Monden unseres Sonnensystems spielt.
In dem Ausschnitt läuft der Bösewicht des Films gerade auf den Bahnhof zu, an dessen Fassade die Deutsche Bahn auf einen Sommertreff im Bahnhof Alexanderplatz hinweist.

Für die, die das an dieser Stelle nicht genauso absurd finden, wie ich, fasse ich es nochmal zusammen: In der japanischen Originalversion, eines Anime-Spielfilms aus dem Jahre 2001, der auf dem Mars der Zukunft spielt, gibt es eine Szene, in der die deutsche Bahn auf ein Sommerfest am 28. und 29.08. in einem Bahnhof in Berlin hinweist.

Stellt sich die berechtigte Frage: Wie kommt das?

Es ist üblich, für Manga, wie für Anime-Zeichner, mal einen kleinen Trip zur „Inspiration“ zu machen, und zur Recherche in andere Länder zu fahren. Zumindest war das früher in den 80er und 90ern üblich, heutzutage fehlt das Geld, zudem finden sich zahlreiche Impressionen fremder Länder im Internet. Doch früher sind die Autoren, Regisseure und Zeichner eben nach Amerika oder Europa gefahren, zusammen mit ihrem Redakteur. In wenigen Tagen sammelte man dann Impressionen und Fotos für das eigene Werk, um es noch etwas exotischer und für den japanischen Leser interessanter zu machen.

Cowboy Bebop gehört zu meinen Lieblings-Anime, aufgrund der dichten Atmosphäre und spannenden Charaktere. Eine kurze Synopsis wäre, dass die Menschheit in der Zukunft die Erde verlässt und sich größtenteils auf dem Mars und den Monden unseres Sonnensystems niedergelassen hat, die allesamt klimatisch der Erde angepasst wurden. Reisen zwischen den Planeten und Monden findet im eigenen Raumschiff und mithilfe sogenannter „Gates“ statt. Das erste Gate war übrigens ein Fehlschlag, explodierte und machte die Erde so gut wie unbewohnbar, da ständig Brocken vom mit dem Gate explodierten Mond runterregnen.

Es geht aber nicht um Science-Fiction oder, wie es heutzutage gern üblich ist, darum, dass sich die Serie an der eigenen Geschichte aufgeilt und im Storytelling verheddert. Es geht um eine Gruppe von Kopfgeldjägern, die Kriminelle im Sonnensystem jagen, und dabei auch nur versuchen über die Runden zu kommen. Es muss nicht das ganze Universum gerettet, oder die korrupte Gate-Gesellschaft niedergebracht werden. Es geht nur um Menschen und ihre Probleme.

Die Menschen in der Welt von Cowboy Bebop sind sehr unterschiedlich, da alle verschiedenen Kulturen der Erde sich auf kleinen Vierteln in den Städten vom Mars ansiedeln, ihre Kultur bewahren und mit anderen mischen. Die Anime-Serie ist dabei sehr geprägt vom asiatischen Raum, der Film sehr stark von New York und dem nahen Osten.

Dieser Mix, der sehr authentisch dargestellt wird, schafft nicht zuletzt auch durch die absolut geniale Musik von Yoko Kanno diese dichte Atmosphäre. Meine gesamte Musiksammlung besteht zu 50% aus Musik von Yoko Kanno, die mit dem Soundtrack zu Cowboy Bebop ein absolutes Meisterwerk geschaffen hat.
Die Musik ist sehr wichtig in Cowboy Bebop, kommt doch allein der Titel von der Jazz Richtung ‚Bebop‚ und jede einzelne Folge ist verbunden mit verschiedenen Musikstilen z.b. Titel einer Episode ist „Heavy Metal Woman“, mit einer Frau die eben Heavy Metal hört.
Die spannendsten Momente sind allerdings die, wo keine Musik spielt, weil man da die Stille und das Nichtvorhandensein von Geräuschen sehr gut wahrnimmt und sich komplett auf die Handlung konzentriert. Anime heutzutage traut sich solche Aktionen nicht mehr, da wird alles durchorchestriert oder mit künstlichen Pop unterlegt.

Nebenbei war Cowboy Bebop maßgeblich dafür verantwortlich, Anime in den USA populär zu machen. Die deutsche Version, die auf MTV lief, hatte auch eine ausgezeichnete Synchronisation.

Jedenfalls: Ich erwähnte eingangs, dass Autoren zur Recherche gern mal verreisen. Um nun all die verschiedenen Kulturen und Aspekte der Welt von Cowboy Bebop darzustellen, sind die Autoren vermutlich auch durch Europa und Amerika gereist. Sehr wahrscheinlich auch durch Berlin, wo sie ein Foto von dem obigen Schild gemacht haben. Denn tatsächlich gab es mal ein Sommerfest im Bahnhof Alexanderplatz, am 28. und 29. August, und zwar im Jahre 1998, wie dieser Artikel beweist:

Der Bahnhof als Spielplatz für die ganze Familie
Sommertreff am Alex
Peter Neumann

Bahnhofsfest, Draisinentreff und Baustellenbesichtigung: Für all jene, die ein Faible für die Bahn haben, stehen die Signale vom kommenden Wochenende an wieder auf grün. Am Sonnabend und Sonntag bietet der Bahnhof Alexanderplatz außer Fahrkartenschaltern und Geschäften auch eine Hüpfburg für Kinder, Clown-Theater und Rockmusik. Von jeweils 10 bis 20 Uhr laden die Deutsche Bahn und die Ladeninhaber im Bahnhof zum „Sommertreff“ ein. Eine Tombola lockt mit vielen attraktiven Preisen.

Auszug aus der Berliner Zeitung vom 27. August 1998

Ein Sommertreff im Bahnhof Alexanderplatz ist keineswegs eine jährliche Veranstaltung, es ist also sehr wahrscheinlich, dass es exakt diese war.

Der Anime lief 1998, also wurde er 1997 produziert. Der Kinofilm, aus dem der obige Ausschnitt stammt, wurde 2001 gezeigt, also 2000/2001 produziert. Meine Vermutung ist nun folgende: Nach dem Beginn der Ausstrahlung im April 1998, machten sich einige aus dem Produktionsteam im Sommer auf die Reise, sammelten Eindrücke, die sie allerdings nicht alle in der Serie genutzt haben, da diese hier mit schwächelnden Quoten zu kämpfen hatte. Als dann grünes Licht für den Film gegeben wurde, wurden nochmal die alten Aufzeichnungen rausgekramt und eben nach etwas gesucht, was exotisch aussieht und die Welt des Films noch etwas bunter macht. So haben wir auch den Hinweis auf den Sommertreff und ein franzöisches Werbeschild, dass auf Angebote im Frühling hinweist („les soldes du printemp“), im selben Ausschnitt.

Gestern habe ich den Film mir nach langer Zeit wieder angeschaut, doch schon vor ein paar Jahren, als ich das erste Mal den Film sah, habe ich das Schild entdeckt, und wollte vielen von dieser absurden Randnotiz erzählen. Mit nem Blog zu Japan und seinen Absurditäten habe ich nun die perfekte Möglichkeit dazu…

PS: Cowboy Bebop soll demnächst von Hollywood verfilmt werden, mit Keanu Reeves in der Hauptrolle. Das das auch nicht nur annäherend so gut und bedeutsam wird, wie der Anime, ist klar. Die größere Frage ist nur, ob der Film dann auch auf den Sommertreff im Bahnhof Alexanderplatz hinweist…

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Wie konnte das nur passieren?

Posted in journalistische abenteuer, schon merkwürdig by fritz on 7. Februar 2010

Wie mein Foto auf das Cover einer Zeitschrift in Japan gelangte.


Cover vom Japanzine magazine, Januar 2010

Eines meiner Lieblingsprichwörter ist „Wo gehobelt wird, da fallen Späne“. Für mich bedeutet das, dass auf jede Aktion, eine Reaktion folgt, ob gewollt oder nicht. Denkt man das dann weiter, ist jede Aktion auch wiederum eine Reaktion auf eine vorherige Aktion, und so weiter und so fort.
Ich habe mal überlegt, welche Ereignisse dazu führten, dass mein Foto auf das Cover eines Magazins gelangt ist. Es ging weit zurück, bis zum November 2008:

November 2008
Ich gehe in ein Buchladen um ein Buch über junge Fotografie zu suchen. Ich finde keins also beschließe ich selbt eins zu machen. Die Arbeit an junggesehen, einem Bildband zur jungen deutschen Fotografie, beginnt und bis zum Druck der Bücher sollte es noch bis zum Sommer 2009 dauern.

Sommer 2009
Nach jahrelangen Träumen und kurz nach der Fertigstellung von junggesehen bzw. kurz nachdem die .pdf zu Druckerei geschickt wurde, fliege ich im Juli nach Japan.

3. Tag nach der Landung
Ich gehe zum Stammtisch von doitsunet, der deutschen Community in Tokyo. Ich bin noch nicht ganz angekommen und frage nach, was man den machen kann, um sich besser im neuen Land einzuleben. Man gibt mir den Ratschlag, den Hobbies nachzugehen, die man schon in der Heimat verfolgt hat.
Eins meiner Hobbies ist es, junge Kunst und Fotografie zu fördern, warum nicht eine Ausstellung zu junggesehen, zur jungen deutschen Fotografie, in Tokyo machen?

August
Ich habe einen Fotoauftrag, der mich mit Leuten im Goetheinstitut bekannt macht. Danach dann frage ich nach, ob sie mir bei der Ausstellung helfen können.

Nach langen Hin und Her und vielen Anfragen, ob ich ihnen mein Projekt vorstellen kann, lädt das Goethe-Institut zum Treffen ein. Sie finden das zwar alles ganz schau, wollen aber auch nicht viel machen, „weil es ist ja so und überhaupt schwierig das alles und sie wissen schon, ne“?

Beim Verlassen des Instituts werfe ich noch einen Blick auf die Kleinanzeigen an der Wand. Es wird eine Aushilfe gesucht und ich fühle mich angesprochen.

Ich gehe zu dem Cafe und die Ereignisse von „professionell pleite“ finden statt. Wie auch dort erwähnt meinte man zu mir, dass ich doch als Fotograf qualifizierter sei, als als Kellner, und man gab mir noch diverse englischsprachige Magazine mit, die in Tokyo und in Japan erscheinen. Darunter den Weekender und das absolut elendige Being a broad magazine. Im Letzteren war eine Anzeige einer Fotografin, die ich anschrieb und nachfragte, ob sie denn nicht ne Assistenz sucht.

September
Sie suchte tatsächlich und nahm mich auf. Als ich ihr meine Fotos zeigte, gähnte sie. Als sie mir ihre zeigte, tat ich das ebenfalls, allerdings eher innerlich, man ist ja höflich.
Sie war Australierin, seit neun Jahren in Tokyo und hat sich auf Gaijin-Fotografie spezialisiert. Das heisst, bei Gaijin Events wie großen Feiern von Managern, US-Armee Stützpunkten, oder sonstige Aufträge von Menschen die seit Jahren in Tokyo leben, aber kein Japanisch können und/oder keinen japanischen Fotografen engagieren wollen, ist sie dabei.

Ich lerne viel von ihr. Allen voran, dass man keine gute Bilder machen muss, um als Fotograf Geld zu verdienen.

Sie denkt sehr wirtschaftlich, ein Denken was mir manchmal fehlt. So zum Beispiel wird sie engagiert, bei einer US-Militär-Gala zu Fotografieren. Wichtigste Aufgabe dabei ist es, möglichst viele Leute abzulichten, denn die Leute ordern dann online bei ihr die Fotos. D.h. sie wird für das Fotografieren selbst bezahlt, und dann nochmal für die einzelnen Abzüge. Das läuft sehr gut für sie, die Qualität ihrer Bilder finde ich allerdings bescheiden, bzw. es ist nicht das, was ich mit der Fotografie erreichen möchte.
Allerdings konnte ich wirklich von ihr lernen, was es bedeutet, mit der Fotografie Geld zu verdienen. Sie war sehr streng, aber irgendwo auch erfolgreich. Ein paar Zitaten von ihr:

„You’re selling your pictures not to photographers, but to people.“
Heisst, ich soll mir weniger Mühe mit Komposition und Bildgestaltung geben, die meisten Kunden achten da eh nicht drauf.

„You’re not in Berlin anymore“
Als ich meinte, wieviel Geld ich in Berlin verlangte, und wie wenig das doch ist nach Tokyo-Maßstäben.

„Don’t ask so many questions, Fritz“
Weil ich mich immer sehr gern mit den wichtigen Leuten unterhielt. Aber als Journalist ist man nunmal neugierig.

„Do what I say“
War ihr Motto.

Sie arbeitete wirklich viel, 6 Tage die Woche, 18 Stunden pro Tag. Am 7. Tag betrank sie sich, bis sie das Bewusstsein verliert – Ihre Worte, nicht meine. In der Zeit, in der ich für sie arbeitete, lächelte sie nur einmal, und zwar der Tag an dem ich in Anzug und rasiert erschienen bin. Ihre Reaktion:

„Wow Fritz, you look like a real person now! I have to look at you more often now.“

Warum erzähle ich von ihr? Es hat viel mit dem Foto zu tun, mit dem ich aufs Cover kam.

Making of: le Bild
Meinen ersten Auftrag für sie hatte ich drei Tage nach dem Vorstellungsgespräch. Es ging auf einen Stützpunkt der US-Armee. Treffpunkt war 6.45Uhr in Meguro. An dem Tag wachte ich genau 6.42 Uhr auf, in Shinjuku, 40min von Meguro entfernt.

Bezahlung war 1000yen die Stunde. Sollte ich einmal ausfallen, und nicht rechtzeitig Bescheid sagen, stellt sie mir die ausgefallene Arbeitszeit in Rechnung. Würde ich also nicht innerhalb von 3min in Meguro sein, würde ich ihr eine ordentliche Summe Geld schulden, die ich überhaupt nicht habe.
Ich kramte ihre Nummer raus und rief panisch an. Was ich eigentlich sagen wollte war: „OHMEINGOTTSORRY!! ICH KOMME SOFORT!!“. Doch was ich stattdessen sagte, war „Ich habe den falschen Zug genommen, ich komme etwas später“.
Schnell etwas Wasser ins Gesicht gespritzt, zum Zug gerannt und losgefahren. Halb acht kam ich an, ungeduscht und vom Rennen verschwitzt. Sie war zwar sauer, aber mehr konzentriert auf den Auftrag und sie meinte, es sei ihr auch schonmal passiert. Doch noch einmal sollte ich das nicht machen.

Es ging zum US-Armee Stützpunkt. Die Kinder der dort positionierten Soldaten hatten an dem Tag ein Fußballturnier, und die Fotografin sollte die 150 Kinder ablichten. Stets in derselben Pose. Ich sollte nur Sachen tragen und/oder festhalten, mit Fotografieren war nicht viel. Ich tat es trotzdem.

Es regnete in Strömen, und viele Kiddies hatten auch absolut keine Lust auf Fußball.

Die Leute dort waren allesamt, nunja, sehr amerikanisch, was Gesäß und Gemüt anbetrifft. Was ich an Amis mag ist, dass sie sehr schnell sehr freundlich werden, wenngleich ich mir auch bessere und tiefere Gespräche zur aktuellen Politik erhofft hatte. Doch es blieb amerikanisch-oberflächlich.


Er hat irgendwas gewollt und nicht bekommen, und war daher etwas verärgert über Mutti

Nach dem Ende des Auftrags war die Fotografin zufrieden mit mir und meinte noch „You smell.“. Kein Wunder, ungeduscht wie ich war.
Das nächste Fußballturnier war am nächsten Wochenende, ich sollte alles daran setzen, nicht zu spät zu kommen.

Am nächsten Wochenende hatte mein Mitbewohner wieder Gäste, die bis 4 Uhr Morgens die Türen scheppern ließen. Um 5 Uhr Morgens stand ich nach einer Stunde Schlaf auf, da ich diesmal überpünktlich sein wollte.

Eine halbe Stunde vor der Zeit war ich in Meguro und trank die zweitbeste, kühle, koffeingetränkte Cola meines Lebens. Ich hatte Zeit und die Kamera dabei, also lief ich umher und sah mir das morgendliche Treiben um 6.30Uhr an.

Anruf der Fotografin, sie käme wohl zu spät und ich solle beim Starbucks warten. Ich ging zum Starbucks und dort stand ein Wachmann, der den Boden nassspritzte.

Das ist die bearbeitete Version. Das hier ist das Original:

Man sieht das Auto links. Genau dieses Auto gehörte der Fotografin, die 3 Sekunden später neben mir anhielt, und mich ins Auto lud. Bevor sie dann los fuhr, holte sie sich einen Kaffee. In der Zeit schaute ich mir das Foto an, was ich eben gemacht habe, und musste lachen.

Dezember
Hier machen wir einen große Sprung. Ich hatte nach dem Auftrag nur noch einen weiteren für die Fotografin, seitdem keinen mehr. Ich denke das ist gegessen und ich bereue es auch nicht wirklich. Es kam noch eine Mail von ihr am 23.12., in der sie meinte, dass sie grad aus dem Urlaub kommt und mich für morgen, Weihnachten, braucht. Tut mir Leid, sage ich, das ist zu kurzfristig.

Ende Dezember hatte mein Mitbewohner wieder Besuch. Zwar diesmal nur zwei Leute, dafür so penetrant, laut und nervig wie zehn. Vor Tokyo waren sie in Kyoto und brachten von dort das Japanzine Magazin mit, welches ja nur in der Kansai Region erscheint. Auf dem Klo las ich das dann und stolperte über den Aufruf zum Foto-Wettbewerb „the Gaijin Eye„. Ich reichte ein paar Bilder ein und erstmal passierte nichts.

Januar
Ich bekomme eine Mail vom Japanzine Magazin. Mein Foto würde unter anderen in der Auswahl zum Cover stehen. Ich freute mich natürlich. Doch danach kam dann nichts mehr.

Einer der Blogs die ich regelmäßig verfolge hatte dann mal einen Artikel über Japanzine. Als ich den las, fiel ich fast aus dem Futon

Da war das aktuelle Cover vom Japanzine Magazin, mit meinem Foto! Ich wusste von nix. Meine Reaktion kann man in den Kommentaren lesen:

AAAHHHHH!! das is ja mein Foto auf dem Cover!! (https://tokyofotosushi.wordpress.com/2009/09/22/druck/) ich hatte mein Foto zwar eingereicht, aber davon wusste ich nix. haste das Blatt noch??

Ich schrieb dann gleich dem Magazin. Sie wollten mir dann ein paar Exemplare zuschicken und gestern kamen sie nun auch bei mir an.


Weiss auf Schwarz, der Beweis

Die Abstimmung zum Cover selbst fand öffentlich auf Facebook statt:

Die Kommentare favorisierten eher die anderen zwei Fotos, hier eine Auswahl der Stimmen zu meinem Beitrag:

The policeman with the hose. This pic is the shnazzle!!!

On a more serious note I guess it represents the slightly comical, cynical at times perspective we all have for Japan, while still finding something good in it, or at least something new.

mmm…the policeman holding the hose…seems to have a meaning oi it!tryin to make japan cleaner and more better..well,anti ang nga bilog nyan..

The taxi shot is the best and most beautiful photo, but in the context of the cover story, I agree with what someone said before … we gaijin are (or are perceived as) subversives in this homogeneous society. The Pissing Policeman gets my vote and I wish I’d snapped it.

The one with the guard. I assume it’s a hose? But the angle the photo was taken makes you look twice. Great shot!

i would say for the title most fitting is the policeman but the photolanguage of this picture is somehow to artistic (not design). i would definetly give it a little bit more the look of number 3. BUT really asking myself i would say none of the pics is really fitting. sorry…just an idea but why not picture from stuff which is somehow more … Mehr anzeigenwondering like japanese toilet (i know maybe too simple but just this direction). everyday things which are still wondering or confusing but i guess u dont have anymore time…

Die Begründung, warum es genommen wurde, war also: Der Japaner macht etwas typisch Japanisches (etwas sauber und rein halten) und der Gaijin (ich) missversteht das aus seiner Perspektive. Darum ist dieses Foto auch zum Wettbewerb „the Gaijin Eye“ auf dem Cover, wenngleich viele andere Einträge schöner und handwerklich besser waren. Die Aussage passte einfach.

Viele Ereignisse führten dazu, dass mein Foto auf dem Cover eines Magazins ist. Und ich fand es spannend, mal zu überlegen, welche Umstände dazu führten. Viel mehr bin ich noch darauf gespannt, zu welchen Ereignissen und welchen Fotos, dieser Abdruck führen wird.

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Die beliebteste Katze Japans

Posted in schon merkwürdig by fritz on 4. Februar 2010

…heisst Maru

Und dürfte einigen auch aus der Werbung bekannt sein. Auf den Monitoren der Yamanote- und Chuo-Line, sowie auch ein deutscher Werbespot, dessen Produkt mir grad entfallen ist, haben die Katze als Protagonist.

Gemessen an den mehreren Millionen Youtube-Views für verschiedene Videos von Maru, ist die Katze eindeutig die beliebteste Japans.

Ebenfalls beliebt ist auch die Katze mit der Katze:

Die hat sogar ihren eigenen Blog.

Diese Katzen-Manie im Internet mag sich mir bis heute nicht erschließen. Es wird wohl eine Mischung aus den Faktoren sein, die etwas zum Meme, zum Internet-Phänomen werden lassen:

– Absurdheit
– der „Oh wie niedlich“-Faktor
– neu/ungewöhnlich
lol

Genaueres zu Meme’s und den Faktoren, erklärt die Website „Know your memes“ in Videos wie diesen:

Viele Meme’s werden auf dem Bild-Messageboard 4chan begründet, eine Plattform, wo jeder uneingeschränkt und unzensiert Bilder posten und kommentieren darf. Das ist ein bisschen wie auf dem Schulhof, ohne Lehrer, ohne Regeln der Moral, Vernunft oder Anstand + Katzen.

4chan selbst wiederum basiert auf 2chan, dem japanischen Original mit exakt derselben Funktion. Ich hatte 2chan mal kurz in einem Artikel über japanische Nationalisten und die Yamanote Halloween Feier angeschnitten.

2chan und 4chan sind mächtig. Das solllte man nicht vergessen. Auch wenn man gerne mal meint, da sitzen nur nur Otaku, Nerds, Geeks oder andere Deppen. Es sind halt sehr, sehr viele davon, die uneingeschränkt und vorallem unkontrolliert agieren können. Mordrohungen können ebenso ausgesprochen werden, wie Liebesbotschaften. Es ist eine sehr direkte und pure Art der Kommunikation, das Internet quasi runtergebrochen auf die minimalste Funktion, mit minimaler Kontrolle. Es zeigt auch wie Menschen sich benehmen, wenn sie komplett ungehemmt und regelfrei agieren können.

Da man sich bei beiden Chans nicht anmelden brauch, um etwas zu sagen, ist die Hemmschwelle zum posten recht gering. Wortwörtlich unter dem Mantel der Anonymität (jeder User heisst zu Anfang automatisch „Anonymous„) kann jeder machen was er will. Einige fassen diese Masse an anonymen Schreibern auch gern als kollektive Gewissen vom Internet zusammen, bezogen auf ihre Penetranz etwas aus dem Netz heraus zu fischen, ans Tageslicht zu bringen und zu kritisieren.
Ein schönes Beispiel (und schön sage ich jetzt hier, weil ich die vertretene Kritik teile) für die Kraft der Chans ist Projekt chanology:

Von daher würde ich trotz harter Worte die chans nicht nur verteufeln. Es zeigt halt nur was passiert, wenn Menschen zusammen kommen und miteinander agieren.

Huch, jetzt gings eher um Internet-Memes, als um Katzen… aber Katzen sind ja auch irgendwo Internet-Memes…

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